Margherita Dalmet

Giovanna Margherita Dalmet, auch Dalmaz (* 21. November 1745 in Neapel; † 11. Januar 1817 in Venedig), trug als Ehefrau des Dogen Paolo Renier als vorletzte Frau den Titel der Dogaressa, wenn dies auch bis zum Ende der Republik Venedig im Jahr 1797 nie offiziell anerkannt wurde, da sie nicht dem Adelsstand angehörte. Als Doge ließ sich Renier bei offiziellen Veranstaltungen daher von seiner Enkelin Giustina Renier Michiel begleiten. Dalmet, bevor sie Renier kennen lernte bereits Witwe, überlebte ihren Ehemann, heiratete danach noch ein drittes Mal und starb am 12. Januar 1817. Dogaressa war sie, wie die entsprechenden Listen heute ausweisen,[1] von 1779 bis 1789.

Leben

Nach Sonia Pellizzer war sie eine Tochter des Piemontesen Giovanni Battista und wurde 1739 in Konstantinopel geboren, doch die jüngere Forschung erwies, dass sie aus Neapel stammte und 1745 zur Welt kam. Nach sehr viel späteren Angaben soll sie in der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel Seiltänzerin und Akrobatin gewesen sein.

Margherita Dalmet war in erster Ehe mit einem ebenfalls aus Neapel stammenden Dr. Lorenzo Antonio Bassi verheiratet. Giuseppe Gradenigo, der Sekretär des Senats und Gegner Reniers, versuchte sie später zu verunglimpfen. Er behauptete, dass Paolo Renier während der Dogenwahl erhebliche Summen aufbieten musste, um die Gerüchte über das Vorleben seiner Frau zum Schweigen zu bringen.

Dalmet und ihr zweiter Ehemann Paolo Renier hatten sich während seiner Gesandtschaftsreise nach Konstantinopel, der Hauptstadt des Osmanischen Reiches, kennen gelernt. Wohl in Kenntnis der Standesdünkel hatte das Paar dafür Sorge getragen, dass ihre Ehe nur in einem einzigen Dokument erscheinen sollte, das zudem im Archiv des Patriarchen gesichert wurde. Doch die Nachricht sickerte nach wenigen Monaten durch.[2] Nachdem Paolo Renier die Metropole am 27. September 1775 verlassen hatte, brachte er für die Hochzeit 50.000 Dukaten auf. Doch fand die Ehe keine Aufnahme in das Goldene Buch, da die Ehefrau nicht zum Adel gehörte.

Möglicherweise war es ihr starker Einfluss auf den Dogen, den seine Gegner zu torpedieren versuchten, indem sie ihre Moral in Frage stellten. Renier sah sich als Doge gezwungen, sich bei öffentlichen Zeremonien von seiner Nichte Giustina Renier begleiten zu lassen. Derweil wurde Dalmet verächtlich als „Dogarinna“ bezeichnet. In seinem Testament nennt er sie hingegen die ‚edle Frau Margherita Dalmet, von christlicher und ehrbarer Herkunft‘ („nobile signora Margherita Dalmet, di qualità cristiane e oneste“). Am 22. Juni 1786 hatte der Doge, erneut entgegen den Vorschriften, eigenhändig einen herzlichen Brief an Girolamo Festari di Valdagno, den ärztlichen Inspektor der Thermalquellen von Recoaro, geschrieben, in dem er seine Gattin seiner Obhut empfahl.

Er hinterließ ihr, wie es in Venedig üblich war, in seinem Testament 4000 Dukaten, Silberwaren, Juwelen, Kleider, Wäsche und Einrichtungsgegenstände, die sie als Mitgift mitgebracht und während der Ehe vermehrt hatte. Hinzu kam eine Leibrente von etwa 2000 Dukaten jährlich aus den Erträgen von Häusern in Venedig sowie aus Grundbesitz. Um sie zu schützen, drohte er damit, das ihr überlassene Nießbrauchsrecht in uneingeschränktes Eigentumsrecht umzuwandeln, sollten die sie betreffenden Bestimmungen nicht eingehalten werden.

Dass es, wie Renier geahnt hatte, zu Auseinandersetzungen kam, lässt sich aus ihrem eigenen Testament entnehmen.[3] Allen Verpflichtungen, die sich aus der Verwaltung des Renier-Vermögens ergaben, wusste sie demnach geschickt gerecht zu werden, indem sie eine Reihe von Wohltätigkeits- und Andachtswerken vorsah und ihre Zuneigung zur Familie Renier zum Ausdruck brachte. Eine Ausnahme stellte wohl Giustina Renier Michiel dar, über die sie kein Wort verliert. Dalmet gab der Familie Renier die Güter zurück, die sie in Nießbrauch gehabt hatte, und die sie ausdrücklich auf ihre Kosten erhalten und verbessert hatte, wie sie in ihrem Testament konstatiert. Nicht ganz sicher ist, ob Goethe in seiner Italienreise Dalmet während eines Prozesses beschreibt, da er ihren Namen nicht nennt. Er schreibt ihr eine vornehme Gestalt und ein Gesicht zu, in dem sich ein strenger und bis zu einem gewissen Grad verächtlicher Ausdruck abzeichne.

Nach dem Tod ihres Ehemanns heiratete Dalmet ein drittes Mal, nämlich Federico Bonlini, ebenfalls ein Adliger. Aber auch diese Ehe wurde nicht in das Goldene Buch eingetragen. Wie gewöhnlich kursierten Gerüchte, Bonlini sei schon, bevor sie Witwe wurde, der Liebhaber Dalmets gewesen.[4] In ihrem Testament entbindet sie Bonlini von jeglicher Verantwortung für eventuell von ihr offen gelassene Angelegenheiten.

Emmanuele Antonio Cicogna bezeugt ihre Anwesenheit bei den Aufführungen zu Ehren Kaiser Napoleons, die 1807 im Teatro La Fenice stattfanden. Noch im Jahr 1816 war sie Taufpatin ihres Neffen Paolo Dolfin und schenkte seiner Mutter bei der Gelegenheit ein Brillantenkreuz im Wert von 15 Zecchino.

Sie starb in ihrem Haus in S. Eustachio, 1941, in der Pfarrei San Cassan gelegen. Zwar verfügte sie in ihrem Testament, dass sie im Grab der Familie Renier in der Kirche San Nicola da Tolentino beigesetzt werden sollte, doch Andrea Da Mosto konnte keine Spuren dieser Bestattung finden.

Literatur

Anmerkungen

  1. In der bei Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 458 abgedruckten Liste der Dogaresse trägt sie die Nummer 61.
  2. Tiziana Plebani: Un secolo di sentimenti. Amori e conflitti generazionali nella Venezia del Settecento, tesi di dottorato, Universität Venedig, 2008, S. 199 (online, PDF).
  3. Staatsarchiv Venedig: Tribunale civile, Rubr. seconda. Volontaria Giurisdizione, 1817, I, fasc. 5 (Testament der Dalmet).
  4. Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata, 1966, S. 640.