Marek Kuchciński

Marek Tadeusz Kuchciński (* 9. August 1955 in Przemyśl) ist ein polnischer Politiker (PC, PPChD, PiS). Seit 2001 ist er Abgeordneter des Sejm in der IV., V., VI., VII., VIII., IX. und X. Wahlperiode. Von 2015 bis 2019 war er Sejmmarschall. Er musste wegen mehrfacher privater Nutzung der Flugbereitschaft der polnischen Luftwaffe zurücktreten. 2022/23 leitete er die Kanzlei des Ministerpräsidenten.

Leben und Beruf

In seiner Jugend fühlte Kuchciński sich nach eigenen Angaben mit der Hippie-Bewegung verbunden und probierte auch Drogen.[1] Nach dem Abitur studierte er von 1974 bis 1978 an der Katholische Universität Lublin Kunstgeschichte, brach das Studium aber ab, um an einer Landwirtschaftsakademie eine Ausbildung als Gartentechniker zu absolvieren.[2] Von 1979 bis 1991 bewirtschaftete er einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Von 1990 bis 2000 leitete er den Kulturverein in Przemyśl. Er übernahm das Amt 2024 erneut.[3] Von 1989 bis 1993 war er Chefredakteur der Monatszeitschrift „Spojrzenia Przemyskie“. Von 1994 bis 1998 war er Vorsitzender des Programmrats des regionalen Senders Polskie Radio Rzeszów. Er war auch als Korrespondent des Senders Radio Lwów tätig, der sich an polnischsprachige Hörer in der Ukraine wendet. Zudem schrieb er für die Zeitschriften Nowe Państwo, Rolą Katolicką und Nowy Dziennik.

Kuchciński ist zum zweiten Mal verheiratet und hat drei Kinder.

Politik

Volksrepublik

Ab Ende der 1970er Jahre beteiligte Kuchciński sich an der unabhängigen Bauernbewegung. Seit 1981 gehörte er der landwirtschaftlichen Abteilung der Solidarność an. Nach der Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 engagierte er sich in kirchennahen regimekritischen Gruppierungen. Er war einer der Herausgeber der Untergrundzeitschrift Strych Kulturalny, von der insgesamt vier Ausgaben erschienen, er gehörte zu den Organisatoren der „Tage der christlichen Kultur“ in Przemyśl sowie der regimekritischen Plastikenausstellung „Mensch – Gott – Welt“. Ab Dezember 1982 war er in der Bauernseelsorge unter Pater Stanisław Bartmiński tätig. Auch war er ab 1984 für das vom Regime verbotene Gesamtpolnische Komitee des Bauernwiderstands (Ogólnopolski Komitet Oporu Rolników) tätig.[4] Im September 1985 wurde er von der Geheimpolizei SB wegen des Verbreitens antikommunistischer Schriften verhaftet, nach zwei Monaten kam er aus der Untersuchungshaft frei, im Rahmen der allgemeinen Amnestie von 1986 wurde das Verfahren eingestellt, doch wurde Kuchciński bis 1989 vom SB überwacht.[5]

Dritte Republik

1989 war er im „Bürgerkomitee Solidarność“ in der Woiwodschaft Przemyśl aktiv. Von 1990 bis 1999 gehörte er der von Jarosław Kaczyński gegründeten konservativen Partei Porozumienie Centrum (PC) an. Dort war er Vorsitzender des Woiwodschaftsverbandes und Vorstandsmitglied der Gesamtpartei. In den Jahren 1994 bis 1999 war er für die PC Stadtrat von Przemyśl. Danach trat er der kurzlebigen Porozumienie Polskich Chrześcijańskich Demokratów bei, deren Parteivorstand er ebenfalls angehörte. Von 1999 bis 2001 war er stellvertretender Woiwode der Woiwodschaft Karpatenvorland. 2001 wurde er Mitglied der Prawo i Sprawiedliwość (PiS). Er baute die Parteistrukturen im Karpatenvorland auf und wurde auch deren dortiger Vorsitzender.

Bei den Sejmwahlen 2001 wurde er über die Liste der PiS in den Sejm gewählt.[6] Er war stellvertretender Vorsitzender der polnisch-ukrainischen Parlamentariergruppe. Bei den Parlamentswahlen 2005 wurde er erneut für die PiS in den Sejm gewählt.[7] Nach der Wahl wurde er Vorsitzender des Ausschusses für Verwaltung und Inneres. 2006 übernahm er das Amt des Fraktionsvorsitzenden. Bei den Parlamentswahlen 2007 wurde er mit 35.060 Stimmen zum dritten Mal Abgeordneter für den Wahlkreis Krosno.[8] Er übernahm den Vorsitz des Sejmausschusses für Umweltschutz. 2008 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der PiS gewählt. Auch 2011 gelang ihm die Wiederwahl.[9]

Von 2010 bis 2015 war Kuchciński einer der Vizemarschälle (Vizepräsidenten) des Sejms. Sein Parlamentsmandat konnte er auch bei den Wahlen 2015 verteidigen.[10] Die anschließende Wahl zum Sejmmarschall, protokollarisch die Nummer zwei nach dem Staatspräsidenten, bedeutete den Höhepunkt seiner politischen Karriere. Diese brach im Sommer 2019 ab, nachdem bekannt geworden war, dass Kuchciński mindestens zwei Dutzend Male die Flugbereitschaft der polnischen Luftwaffe für die Strecke von Warschau nach Rzeszów für private Besuchsreisen genutzt und dabei auch mehrmals Familienmitglieder mitgenommen hatte. Am 9. August 2019, seinem 64. Geburtstag, trat Kuchciński als Parlamentspräsident zurück. Seine Nachfolgerin in diesem Amt wurde Elżbieta Witek.[11] Trotz alledem wurde er auch bei der Parlamentswahl 2019 wieder in den Sejm gewählt.[12] Anschließend wurde er stellvertretender PiS-Fraktionsvorsitzender. Im September 2020 übernahm er das Amt des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses.[13] 2021 wurde er in den politischen Beraterstab von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki berufen.[14]

Im Oktober 2022 übernahm er als Minister ohne Geschäftsbereich die Leitung der Kanzlei des Premierministers Mateusz Morawiecki, nachdem der bisherige Amtsinhaber Michał Dworczyk im Zuge einer Affäre um sein gehacktes Mailkonto hatte zurücktreten müssen.[15] Bei der Parlamentswahl 2023 konnte er zum siebten Mal in Folge ein Mandat gewinnen.[16] Aufgrund des Regierungswechsels verlor er aber sein Ministeramt. Bei den Europawahlen 2024 kandidierte er auf der Liste der PiS, errang aber kein Mandat in Brüssel.[17][18]

Ehrungen

Commons: Marek Kuchciński – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Artikel auf dem Internet-Portal Dziennik.pl vom 2. März 2007 (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)
  2. Marszałek na telefon. Kim jest Marek Kuchciński? wyborcza.pl, 27. November 2015.
  3. „PRZEMYSKIE TOWARZYSTWO KULTURALNE“ auf rejestr.io, abgerufen am 24. November 2025.
  4. Działalność podziemia 13 grudnia 1981 roku solidarnosc.org.pl, abgerufen am 9. Oktober 2022.
  5. Krzyż Wolności i Solidarności ipn.gov.pl, abgerufen am 9. Oktober 2022.
  6. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  7. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  8. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  9. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  10. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  11. "Loty po koszulę" dla marszałka? Kancelaria Sejmu milczy rp.pl, 16. August 2019.
  12. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  13. „Marek Kuchciński powraca. Wybrano go na ważne stanowisko w Sejmie“ auf www.polsatnews.pl, abgerufen am 24. November 2025.
  14. „Premier powołał Radę Doradców Politycznych“ auf www.gov.pl, abgerufen am 24. November 2025.
  15. Marek Kuchciński zastąpi Michała Dworczyka. Zostanie szefem Kancelarii Premiera rp.pl, 8. Oktober 2022.
  16. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  17. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 24. November 2025.
  18. Najwięksi przegrani wyborów. Oni nie pojadą do Brukseli onet.pl, 9. Juni 2024.
  19. „УКАЗ ПРЕЗИДЕНТА УКРАЇНИ № 739/2007“ auf president.gov.ua, abgerufen am 24. November 2025.
  20. „Krzyże Wolności i Solidarności dla działaczy opozycji – Rzeszów, 11 października 2016“ auf ipn.gov.pl, abgerufen am 24. November 2025.
  21. Verleihnachricht auf www.sejm.gov.pl, abgerufen am 24. November 2025.
  22. „Wysokie odznaczenia Państwa Litewskiego dla polskich polityków“ auf wilnoteka.lt, abgerufen am 24. November 2025.