Marc Allégret

Marc Henri Noel Allégret (* 22. Dezember 1900 in Basel; † 3. November 1973 in Paris) war ein französischer Filmregisseur und der Bruder des Regisseurs Yves Allégret.

Leben und Werk

Marc Allégret kam als vierter Sohn eines protestantischen Geistlichen und Missionars in der Schweiz zur Welt. 1914 ging sein Vater als Offizier nach Afrika, und der Schriftsteller André Gide, der ein Freund der Familie war, wurde als Hauslehrer für seine Söhne bestellt.[1] Nachdem Allégret sein Jurastudium abgeschlossen hatte, begleitete er Gide auf einer ausgedehnten Expedition nach Afrika. Dort entstand sein erster Film, der Dokumentarfilm Voyage au Congo (1927), und Allégret fasste den Entschluss, Filmemacher zu werden.[1]

Er drehte zunächst weitere Dokumentarfilme und einige Kurzfilme, bevor er 1930 Robert Florey als Regisseur für Le Blanc et le Noir nach nur fünf Drehtagen ersetzte. Der Film stellte das Tonfilmdebüt des französischen Schauspielers Raimu dar und war der erste Film des Komikers Fernandel. Fortan war Allégret ein gefragter Regisseur und drehte kontinuierlich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, darunter weitere Filme mit Raimu und vielen bedeutenden Stars des französischen Kinos der Vorkriegszeit wie Simone Simon, Jean Gabin, Josephine Baker, Michel Simon, Louis Jouvet oder Michèle Morgan. In der Zeit der deutschen Besetzung Frankreichs konnte er seine Arbeit fortsetzten und drehte mehrere Filme, zumeist leichte Unterhaltungsfilme.

Nach dem Zweiten Weltkrieg realisierte er drei Filme im Vereinigten Königreich und setzte in den 1950er Jahren seine Karriere in seinem Heimatland erfolgreich fort. Erst in den 1960er Jahren wendete sich das Blatt. Geschmäht von den Verfechtern der Nouvelle Vague, galt Allégrets Art, Filme zu drehen, als nicht mehr zeitgemäß, und er wandte sich wieder dem Dokumentarfilm zu, bevor er 1970 seinen letzten Spielfilm Der Ball des Comte d’Orgel nach dem gleichnamigen Roman von Raymond Radiguet drehte. Es war der Eröffnungsfilm der Filmfestspiele von Cannes im Mai 1970.

Allégret gilt als Entdecker vieler französischer Stars wie Brigitte Bardot, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Patrick Dewaere und Johnny Hallyday.[2]

Privatleben

Mit André Gide ging Allégret eine Liebesbeziehung ein, die bis zum Ende der gemeinsamen Afrikareise hielt. Sie blieben danach freundschaftlich verbunden, so war Gide 1929 Trauzeuge der ersten Ehe von Allégrets jüngerem Bruder Yves.[1]

Anfang der 1930er Jahre hatte Allégret eine Liaison mit der französischen Schauspielerin Simone Simon, der er mit seiner Vicki-Baum-Adaption Lac aux dames (1934) zu Starruhm verhalf. 1938 heiratete er die französische Schauspielerin Nadine Vogel (1917–1993); diese Ehe wurde 1957 geschieden.

Allégret starb 1973 im Alter von 72 Jahren in seiner Wohnung in Paris. Sein Grab befindet sich auf dem Cimetière des Gonards in Versailles.

Filmografie (Auswahl)

Regie

  • 1930: Papoul
  • 1932: Fanny
  • 1934: L’Hôtel du libre-échange
  • 1934: Zou-Zou
  • 1934: Lac aux dames
  • 1934: Sans famille
  • 1935: Sylvie (Die schönen Tage) (Les Beaux Jours)
  • 1936: Sous les yeux d’Occident
  • 1937: Der Dickschädel (Gribouille)
  • 1937: Andere Welt (La Dame de Malacca)
  • 1938: Orage
  • 1938: Theaterliebe (Entrée des artistes)
  • 1942: L’Arlésienne
  • 1942: Félicie Nanteuil
  • 1944: Die Gräfin von Lunegarde (Lunegarde)
  • 1946: Freibeuter der Liebe (Pétrus)
  • 1948: Unruhiges Blut (Blanche Fury)
  • 1950: Verbrechen ohne Schuld (Blackmailed)
  • 1950: Das träumende Herz (Maria Chapdelaine)
  • 1953: Julietta
  • 1955: Die Liebe der Lady Chatterley (L’Amant de Lady Chatterley)
  • 1955: Reif auf jungen Blüten (Futures vedettes)
  • 1956: Das Gänseblümchen wird entblättert (En effeuillant la marguerite)
  • 1957: Meine Frau, mein Junge und ich… (L’Amour est un jeu)
  • 1958: Sei schön und halt den Mund (Sois belle et tais-toi)
  • 1958: Leben und lieben lassen (Drôle de dimanche)
  • 1959: Die Gerechten oder Die Ballade von der weißen Weste (Les Affreux)
  • 1961: Pariserinnen (Les Parisiennes) (2. Episode)
  • 1961: Teufel um Mitternacht (Les Démons de minuit)
  • 1970: Der Ball des Comte d’Orgel (Le Bal du comte d’Orgel)

Darsteller

  • 1960: Und vor Lust zu sterben (Et mourir de plaisir) – Regie: Roger Vadim

Literatur

  • André Gide, Marc Allégret: Correspondance, 1917–1949. Gallimard, Paris 2005.
  • Immanuel Seyferth: Zwischen Dokumentation und Fiktion: Die Kongoreise von André Gide und Marc Allégret. Dissertationsschrift hrsg. von Peter Lang, Romania Viva, Band 31, Internationaler Verlag der Wissenschaften, Berlin 2020.
Commons: Marc Allégret – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c Pierre Billard: André Gide et Marc Allégret, le roman secret. Plon, Paris, 2006.
  2. Bernard J. Houssiau: Marc Allégret découvreur de stars – Sous les yeux d’André Gide. Cabédita, Bière 2000.