Manuel Correia de Andrade

Manuel Correia de Oliveira Andrade (* 3. August 1922 in Vicência; † 22. Juni 2007 in Recife) war ein brasilianischer Jurist, Geograph und Wirtschaftswissenschaftler.

Leben und Wirken

Manuel Correia de Andrade wurde 1922 auf einer Zuckerrohrplantage im Bundesstaat Pernambuco geboren, wo er seine Kindheit zusammen mit seinen Eltern und acht Geschwistern verbrachte. Er beobachtete schon damals die harte Arbeit bei der Rohrzuckerproduktion samt der strengen Firmenhierarchie, was ihm eine Prägung für seinen Lebensweg mitgab. Die Familie zog später nach Recife, wo er die höhere Schule besuchte.

1941 begann Andrade ein Jurastudium in Recife und fing an sich politisch zu engagieren. Er beteiligte sich an Protesten und Demonstrationen gegen die Regierung Vargas und trat für kurze Zeit der Kommunistischen Partei Brasiliens bei. Für seine politischen Aktivitäten kam er während des Regimes von Getúlio Vargas sowie später während der Militärdiktatur (1964) vorübergehend ins Gefängnis.

Er schloss sein Jurastudium ab, begann aber daneben ein Studium der Sozialwissenschaften, insbesondere Geographie und Geschichte. Mit einem Stipendium konnte er auf Einladung von Pierre Monbeig in Paris Postgraduiertenkurse besuchen und Praktika bei François Perroux, Jacques Boudeville, Pierre George (Geograph) und Michel Rochefort (Geograf und Stadtplaner) absolvieren. Er hielt Vorträge und nahm an akademischen Veranstaltungen an Universitäten in Frankreich, Belgien, Italien, Israel und Japan teil. 1966 kehrte er nach Brasilien zurück. Im selben Jahr erwarb er den Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften.

Andrade begann als Dozent an der Universidade Federal de Pernambuco (UFPE) und der Universidade do Recife. An letzterer führt er Feldforschungen über die Flüsse im Nordosten Brasiliens durch. An der UFPE wurde er Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, koordinierte Aufbaustudiengänge und war an der Gründung des Integrierten Programms für Wirtschaft und Soziologie (PIMES) beteiligt, aus dem die Masterstudiengänge Wirtschaft und Soziologie hervorgingen. 1984 ging er bei der UFPE in den Ruhestand und übernahm die Generalkoordination der Studien zur brasilianischen Geschichte (Centro de Estudos e de Documentação da História Brasileira – Cehibra) der Stiftung Joaquim Nabuco.

Werke

Die mehr als 100 Publikationen von Manuel Correia de Andrade zeugen von seinem gewichtigen Beitrag zur Geographie, Geschichte, Soziologie, Anthropologie und vor allem zu den Studien über den Nordosten Brasiliens. Er war ein Verfechter der Interdisziplinarität, die er selbst praktizierte, und kritisierte die Fragmentierung der Sozialwissenschaften, die seiner Meinung nach die Gesamtsicht beeinträchtigen konnte. Er erklärte, dass man ein Buch nicht schreibt, um über Soziologie, Geschichte oder Geografie zu schreiben, sondern um eine Realität zu analysieren. Immer wieder thematisierte er Umweltfragen, regionale Fragen, soziale Bewegungen und die Landbesitzstruktur, die er für soziale Ungleichheiten, Armut und Hunger im Nordosten verantwortlich machte.

Sein bekanntestes Werk ist „A Terra e o Homem do Nordeste“ (Das Land und die Menschen des Nordostens), das von der brasilianischen Buchkammer als eines der 100 Bücher des 20. Jahrhunderts ausgezeichnet wurde. Das 1963 veröffentlichte Buch erschien in einer Zeit großer politischer Unruhen, in der grundlegende Reformen im Land gefordert wurden, kurz vor dem Militärputsch von 1964. Darin wurden zum ersten Mal die Produktionsverhältnisse und Arbeitsbeziehungen in den verschiedenen Regionen im Nordosten Brasiliens behandelt. Die Analyse geht von der historischen Entwicklung der Landbesetzung, der Grundbesitzstruktur und den dadurch entstandenen sozialen Klassen sowie der Rolle des Staates in diesem Prozess aus.

Ehrungen, Mitgliedschaften

  • Ehrendoktor der Universidade Federal de Sergipe (UFS, 1996), der Universidade Federal do Rio Grande do Norte (UFRN, 1995), der Universidade Federal de Alagoas (UFAL, 1994) und der Katholischen Universität von Pernambuco (1978)
  • Milton-Santos-Preis, verliehen beim Treffen der Geografen Lateinamerikas an der Universidade de São Paulo (USP, 2005)
  • Florestan-Fernandes-Preis der Brasilianischen Gesellschaft für Soziologie (2003)[1]
  • Mitglied der Akademie der Literatur von Pernambuco (2002)

Literatur

  • Cícero Péricles de Oliveira Carvalho: Manuel Correia de Andrade e a Economia Política do Nordeste. Revista Econômica do Nordeste. V45, nº 2, p.6-16, abr/junho, 2004
  • Emília Moreira, Ivan Targino, Maria de Fátima Rodrigues: Manuel Correia de Andrade: uma vida de trabalho em defesa de uma ciência geográfica socialmente compreendida.IN: Revista Okara: Geografia em Debate, v.1,nº1, p.143-145. João Pessoa. UFPB. 2007.
  • Clóvis Cavalcanti, Jacques Ribemboim, Leda Rivas (Hrsg.): Manuel Correia de Andrade: um Homem chamado Nordeste. Recife. Edições Bagaço. 2008.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Premio Florestan Fernandes