Anna Catharina Manden
Anna Catharina Manden (geboren 17. Mai 1855 in Termunten; gestorben 14. Juli 1932 in Den Haag) war eine niederländische Pädagogin und die erste Leiterin einer Kochschule in den Niederlanden.
Leben
Anna Catharina Manden wurde am 17. Mai 1855 in Termunten geboren. Ihr Vater war der Steuereinnehmer Jan Manden (1816–1880), ihre Mutter Isabella Sophia Christina van Praag (1831–1893). In ihrer Kindheit und Jugend zog sie mit ihrer Familie mehrfach um, da ihr Vater als Steuereinnehmer an unterschiedlichen Orten arbeitete. Sie lebte in der Groninger Torfkolonie Wildervank, in Lobith und Gelderland. Sie hatte die Möglichkeit, zu studieren und begann in Groningen ein Mittelschulprogramm in Botanik und Zoologie, für das keine Vorbildung erforderlich war, schloss es jedoch nicht ab. Das Fachgebiet wechselte sie 1887 und studierte Hauswirtschaftsunterricht mit Schwerpunkt auf Kochen und Hygiene. Zu der Zeit wuchs das Interesse an einer Hauswirtschaftsausbildung von Mädchen der Arbeiterklasse. Man wollte so etwas gegen die Kindersterblichkeit und die Tuberkulose unternehme. Mit der Unterstützung eines „Komitees zur Errichtung einer Kochschule“ und durch Königin Emma wurde in Den Haag eine Kochschule gegründet.[1]
Haagsche Kochschule
Anna Manden bewarb sich an der neuen Schule als Schulleiterin und Lehrerin. Die anderen Bewerberinnen hatten keine akademische Ausbildung, sondern waren Haushälterinnen, Köchin oder Krankenschwester. Sie wurde von dem Komitee ausgewählt und zunächst 1887 auf eine Studienreise nach Deutschland geschickt, um sich in Hannover und Berlin die dort neu entstandenen Kochschulen anzusehen und zu arbeiten. Auch besuchte sie die Lebensmittelausstellung in Amsterdam, die vom Niederländischen Industrieverband organisiert wurde. Da interessierte sie sich vor allem für die Kochvorführungen, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richteten wie Frauen und Mädchen, die für sich selbst kochten und Küchenmädchen und andere Hausangestellte. So vorbereitet, startete Anna Manden als Schulleiterin der ersten Kochschule in den Niederlanden.
Die Haager Kochschule öffnete am 21. Februar 1888. Für den ersten Kurs meldeten sich direkt 114 Teilnehmerinnen an. Es gab Unterricht in Ernährung, Lebensmittelkunde und Hygiene für Hausfrauen und junge Mädchen, die tagsüber stattfanden und für Dienstmädchen am Abend. An den Mittwochnachmittagen wurden Mädchen der Arbeiterklasse unterrichtet. Der Fokus lag auf Speisen, die nahrhaft, gesund und preiswert sein sollten. Dabei waren moderne wissenschaftliche Erkenntnisse über Nährstoffe und ihre Funktion im menschlichen Körper wichtiger als Tradition oder Geschmack.[1]
Zu Beginn war Anna Manden nicht nur die Direktorin, sondern auch die einzige Lehrerin der Kochschule. Nach sechs Monaten wurde eine zweite Lehrerin eingestellt und eine stellvertretende Direktorin. Um zusätzliche Einnahmen zu erzielen, gab Manden monatlich einen öffentlichen Unterricht, und sie organisierte Festessen. Die Schule bot auf Anfrage komplette Gerichte an, und es wurden Abendessen auch außer Haus organisiert. Für neue Rezepte bestellte sie Gerichte bei Köchen, die sie akribisch analysierte, damit ihre Schülerinnen die Gerichte nachkochen konnten. Ab 1890 wurden an der Schule auch Kochlehrerinnen ausgebildet. Das Konzept wurde von anderen Städten übernommen, und Kochschulen entstanden in Amsterdam, Rotterdam und Haarlem. Die meisten der Leiterinnen dort waren zuvor von Anna Manden ausgebildet worden. Die Amsterdamer Kochschule erweiterte ihr Angebot um Hauswirtschaftkurse, und dies übernahm Anna Manden für die Haager Schule, die sich nun Koch- und Hauswirtschaftsschule nannte. Manden selbst unterrichtete die allgemeinen Haushaltsthemen. Die Schule wuchs. 1892 wurden neue Räumlichkeiten bezogen, diese wurden 1894 von Königin Emma besucht, der „Potage à la Reine“ (Königinnensuppe) serviert wurde.[1]
Haagsches Kochbuch
Kurzfristig war Manden 1894 Mitglied der Redaktion der neu gegründeten Zeitschrift „In en om de Keuken“, einer Monatszeitschrift für niederländische Kochschulen. Diese war von Anna Sophia Verschoor gegründet worden. Zudem stellte sie auf Wunsch ihrer Schülerinnen ihre Rezepte im „Haagschen Kochbuch“ zusammen, das erstmals 1895 erschien. So sollte das zeitaufwendige Abschreiben von Rezepten im Unterricht beendet werden. In dem Kochbuch gab es nicht nur Rezepte für einfache und aufwendige Gerichte, sondern auch Informationen zu Ernährung, Zubereitung, hygienische Methoden und gesunde Produkte. Sie ließ sich von deutschen Ernährungswissenschaftlern inspirieren, unterteilte die Nährstoffe in Kohlenhydrate, Proteine und Fette und strebte ein ausgewogenes Verhältnis an. Sie warnte vor verschmutztem Kochgeschirr, Bleivergiftung im Wasser, zu langem Kochen von Gemüse und giftigen Pilzen. Auch gab sie Hinweise zur Lage einer Küche. Diese sollte nach Norden oder Osten ausgerichtet werden, um übermäßige Sonneneinstrahlung zu vermeiden.
Ihr Haager Kochbuch entwickelte sich zu einem Bestseller, es wurde zwischen 1895 und 1929 in 31 Auflagen herausgegeben mit insgesamt 125.000 Exemplaren. Als das Buch erstmals erschien, verließ Manden die Schule. Es gab Beschwerden, da die von ihr abgenommenen Abschlussprüfungen zu anspruchsvoll gewesen waren. Nur eine einzige Schülerin hatte die Prüfungen bestanden. Die Leitung der Schule übernahm Anna Sophia Verschoor.[1]
Manden wurde im Mai 1895 stellvertretende Direktorin des Städtischen Krankenhauses in Den Haag. Auch unterrichtete sie noch einige Zeit angehende Köchinnen. Mit der Aufgabe als stellvertretende Direktorin fühlte sie sich jedoch nicht wohl, da sie keine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert hatte und ihr die nötigen Fachkenntnisse fehlten. Sie verfasste in dieser Zeit mit der Feministin Elise Haighton das Buch „Velen wat wils“, einen Ratgeber für die moderne Hausfrau, in dem sie auch die Problematik der Hausangestellten thematisierte. 1918 zog sie in die Nähe des Strandes von Scheveningen. Dort beteiligte sie sich am Aufbau eines Pflegeheims und an der Ausbildung der Ordensschwestern.
Anna Catharina Manden starb am 14. Juli 1932 in Den Haag.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Maarten Hell: Manden, Anna Catharina. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. 8. Dezember 2020, abgerufen am 11. Januar 2026 (niederländisch).