Gens Mamilia

Die gens Mamilia (Mamilii, deutsch auch Mamilier, Gentilname Mamilius, weibliche Form: Mamilia) war ein antikes latinisches Adelsgeschlecht (gens). Zunächst das Fürstengeschlecht der Stadt Tusculum, wurden sie später zu einer plebejischen Familie im Römischen Reich.

Überlieferung

Die Mamilier waren das alte Fürstengeschlecht der in der Nähe Roms gelegenen latischen Stadt Tusculum, deren Herkunftssage den Ursprung der Stadt vom mythischen Telegonos herleitete, Sohn des Odysseus und der Kirke, den Gründern der Stadt. In Übereinstimmung mit der Sage leiteten die Mamilier ihre eigene Familie von Mamilia ab, einer angeblichen Tochter des Telegonos, weshalb sie auf ihren Münzen (erhalten ab dem 2. Jahrhundert v. Chr.) auch Odysseus als ihren Ahnherren darstellten.[1]

Die italischen Fürstengeschlechter der Frühzeit die damals unter etruskischer Hegemonie standen, waren auch jenseits ihrer jeweiligen Stadtgrenzen mobil und häufig miteinander verschwägert. Der mit vielen sagenhaften Elementen gespickten späteren Überlieferung nach heiratete Octavius Mamilius, Fürst von Tusculum und der damals mächtigste Führer der Latiner, eine Tochter des Lucius Tarquinius Superbus, des etruskischen Königs von Rom. Später nahmen sie angeblich in führender Stellung am Krieg der Latiner gegen Rom teil. 460 v. Chr., einige Jahrzehnte später, rettete Lucius Mamilius, der als Dictator von Tusculum regierte, Rom beim Angriff des Appius Herdonius mit einem tusculanischen Aufgebot; ihm wurde deshalb das römische Bürgerrecht verliehen. Etwa in der Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. verlagerten die Mamilier ihren Wohnsitz nach Rom.[2]

Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. teilten sie sich in die Zweige (stirpes) der Mamilii Vituli und Mamilii Turrini (deren Cognomen sich von der turris Mamilia in der Subura ableitete). Der erste historisch gesicherte Mamilius ist Lucius Mamilius Vitulus, Konsul des Jahres 265 v. Chr. Etwa zur Zeit Sullas starb der alte adlige Zweig der Familie aus.[3]

Namensträger

Sagenhafte Mamilier der Frühzeit (Historizität fraglich):

  • Mamilia, Tochter des Telegonos
  • Octavius Mamilius, Fürst von Tusculum (7. Jahrhundert v. Chr.)
  • Lucius Mamilius, Dictator von Tusculum um 460 v. Chr.

Historische Mamilier der Republik:

  • Lucius Mamilius Vitulus, Konsul des Jahres 265 v. Chr.
  • Quintus Mamilius Vitulus, Konsul 262 v. Chr., General im Punischen Krieg
  • (Quintus?) Mamilius Turrinus, Augur in den 250er Jahren v. Chr.
  • Gaius Mamilius Turrinus, Konsul 239 v. Chr.
  • Quintus Mamilius Turrinus, plebejischer Ädil 207 v. Chr.
  • Gaius Mamilius Atellus († 174 v. Chr.), plebejischer Ädil 208 v. Chr., Prätor 207 v. Chr.
  • Mamilius Sura, landwirtschaftlicher Fachschriftsteller
  • Lucius Mamilius (Münzmeister), Münzmeister nach 172 v. Chr.
  • Gaius Mamilius Limetanus (Volkstribun), Volkstribun 109 v. Chr.
  • Gaius Mamilius Limetanus (Münzmeister), Münzmeister um 82 v. Chr.
  • Lucius Mamilius, scriba des Marcus Tullius Cicero in dessen Quaestur

Spätere Namensträger der Kaiserzeit:

  • Mamilius Superstes, praefectus vehiculorum 214 n. Chr.[4]
  • Quintus Mamilius Capitolinus, römischer Offizier (3. Jahrhundert n. Chr.)
  • Quintus Mamilius Honoratus, römischer Offizier (3. Jahrhundert n. Chr.)
  • Quinta Mamilia Titiana, adlige Römerin (clarissima femina) mit Grab in der Praetextatuskatakombe in Rom (4. Jahrhundert n. Chr.)[5]

Literatur

Anmerkungen

  1. Literarische Überlieferung bei Rufus Festus 130; Titus Livius 1,49,9; Dionysios von Halikarnassos 4,45,1. Vgl. Friedrich Münzer: Mamilius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIV,1, Stuttgart 1928, Sp. 953 f., hier Sp. 953.
  2. Friedrich Münzer: Mamilius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIV,1, Stuttgart 1928, Sp. 953 f. Vgl. auch Friedrich Münzer: Mamilius 1, 4. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIV,1, Stuttgart 1928, Sp. 954 f. (hält Octavius und Lucius für historisch, die Überlieferung zum Latinerkrieg aber für zweifelhaft).
  3. Friedrich Münzer: Mamilius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIV,1, Stuttgart 1928, Sp. 953 f., hier Sp. 954.
  4. CIL 6, 31338 a.
  5. Werner Eck: Mamilius 17. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XIV, Stuttgart 1974, Sp. 273.