Lupus (Friaul)
Lupus war um 662 bis 663 langobardischer Herzog von Friaul.
Leben
Plünderung von Grado, Usurpationsversuch
Seine Herkunft und seine Lebensdaten sind nicht bekannt. Er führte als Nachfolger Agos von Friaul eine Reiterschar gegen Grado und raubte dort den Kirchenschatz, den der Patriarch von Aquileia dorthin verbracht hatte, als die Langobarden ab 568 Norditalien eroberten.
Als Ostrom-Byzanz versuchte, die an die Langobarden verlorenen Teile Italiens zurückzuerobern, griff Kaiser Konstans II. die Langobarden im Süden an, zugleich die Franken im Nordwesten, der Exarch von Ravenna wohl von Osten. König Grimoald – Sohn des Gisulf, Lupus’ Vorgänger –, der seinem Sohn Romuald in Benevent gegen die kaiserlichen Truppen zu Hilfe eilte, überließ Lupus die langobardische Hauptstadt Pavia.
Lupus, vielleicht ein Verwandter des Königs, versuchte die Situation auszunutzen, um die Macht an sich zu reißen – er habe sich zahlreiche Eigenmächtigkeiten herausgenommen, wie es bei Paulus Diaconus heißt –, zumal er nicht mit einer Rückkehr Grimoalds rechnete. Als jedoch der siegreiche König nach Pavia zurückkehrte, musste sich Lupus nach Forum Julii zurückziehen.
Aufstand gegen den langobardischen König im Friaul, Tod im Kampf gegen Awaren
Dort entfachte er einen Aufstand, wie Paulus Diaconus berichtet (Historia Langobardorum, V, 17–18), der wichtigste Geschichtsschreiber dieser Epoche in Italien.
Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, so Paulus („Tum Grimuald nolens civile bellum inter Langobardos“), stiftete der König nun den Khagan der Awaren an, ins Friaul zu ziehen – die zweite Awareninvasion nach der von 610 (diesmal explizit auf königliche Initiative). Paulus Diaconus berichtet ausführlich, wie der Herzog und seine Gefolgsleute an einem „Flovis“ genannten Ort, im Tal der Vipava (Vipacco), eines Nebenflusses des Isonzo, vier Tage lang dem Heer der Awaren unter schweren Verlusten widerstanden. Dabei kam Lupus ums Leben (Historia Langobardorum, V, 19).
Unmittelbare Folgen
Abzug der Awaren, Aufstand und Tod des Sohnes Arnefrit, Niederlage der verbündeten Slawen
Doch nun plünderten die Awaren das Herzogtum, und sie waren diesmal, wie sie den Boten des Königs mitteilten, gewillt, das Land zu behalten.[1] Doch zogen sie es vor, vor dem heranrückenden Heer unter Führung des Langobardenkönigs abzuziehen (V, 20). Mit einer List – Grimoald ließ seine wenigen Männer angeblich in wechselnder Kleidung und Formation immer neu vorbeidefilieren – brachte er die awarischen Unterhändler dazu zu glauben, er verfüge über eine riesige Heeresmacht. Tatsächlich zog der Awarenkhagan mit dem ganzen Heer ohne Kampf ab (V, 21).
Dabei floh auch Arnefrit, Lupus’ Sohn. Dieser versuchte, das Herzogtum seines Vaters für sich zu gewinnen, wozu er sich mit Slawen verbündete. Doch die Gefolgsleute des Königs besiegten diese Slawen aus Carnuntum beim Kastell Nimis, Arnefrit wurde erschlagen (V, 22). Im Glauben, der neue Herzog sei im fernen Pavia, zogen erneut Slawen heran, diesmal nach Forum Julii. Doch gerieten sie angesichts des mit kleiner Schar unbemerkt vormarschierten neuen Herzogs Wechtari in Panik, so dass von ihren 5000 Mann, wie Paulus berichtet, kaum einer lebend davonkam (V, 23).
Verehelichung der Tochter Theuderada mit dem Sohn des Langobardenkönigs
Nun setzte der König einen Wechtari (Wectari) aus Vicenza als Herzog ein, wobei er seinen Sohn Romuald, den Herzog von Benevent, mit Lupus’ Tochter Theuderada (Teoderada) verheiratete. Auf Wechtari folgte Landari im Herzogsamt, auf diesen Rodoald, wie Paulus knapp vermerkt (V, 24).
Literatur
- Luigi Andrea Berto: Lupo, in: Dizionario Biografico degli Italiani 66 (2006).
- Harald Krahwinkler: Friaul im Frühmittelalter. Geschichte einer Region vom Ende des fünften bis zum Ende des zehnten Jahrhunderts, Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1992, S. 47–49, 79, 138.
- Mario Brozzi: Il Ducato Longobardo del Friuli, Udine 1981, S. 37–39.
- Feliciano della Mora: Le difese esterne del Ducato Longobardo di Forum Iulii. Massafra, 29 ottobre 2021: VIII Convegno nazionale su „Le presenze longobarde nelle Regioni d’Italia“, S. 40. (online, PDF)
Anmerkungen
- ↑ Diesen Unterschied zur ersten Awareninvasion von 610 betont Marco Franzoni in seiner tesi di laurea Al di là dei monti: La frontiera del Friuli dall’arrivo dei Longobardi all’anno 1000, Università Ca’ Foscari, Venedig 2017, S. 100 (online, PDF).