Ludwig Iselin
Ludwig Iselin (* 2. Juli 1559 in Basel; † 20. Dezember 1612 ebenda) war ein Schweizer Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer.
Leben
Iselin war ein Sohn des Johann Ulrich Iselin und der Faustina Amerbach, ein Enkel des Humanisten Bonifacius Amerbach und Urenkel des Händlers Hans Bär. Nachdem sein Vater Johann Ulrich Iselin (1520–1564), Professor der Rechte und Rektor der Basler Hochschule, 1564 an der Pest gestorben war, wurde Iselin von seinem Onkel Basilius Amerbach aufgenommen.
Er erhielt eine umfangreiche humanistische und juristische Bildung und studierte unter Franciscus Hotomanus an der Universität Basel, 1581/1582 unter dem reformierten Theologen Théodore de Bèze an der Akademie Genf und von 1582 bis 1586 unter Jacques Cujas an der Universität Bourges. Bereits 1586 wurde ihm an der Universität Basel die Professur der Institutionen angeboten. Diese schlug er auf Anraten seines Onkels aus, um weitere Studien in Italien absolvieren zu können. Daher ging er 1586 an die Universität Padua. Von dort aus besuchte er Florenz, Rom und Venedig.
Iselin kehrte 1589 nach Basel zurück, dort wurde er an der Universität zum Doktor beider Rechte promoviert. Ausserdem wurde ihm die Professur des römischen Rechts übertragen, die er bis 1610 innehatte. Die Stadt Basel ernannte ihn zum Stadtsyndikus. Im akademischen Jahr 1597/1598 und im akademischen Jahr 1607/1608 war er Rektor der Universität. 1610 gab er seine Professur auf. Seine Gutachten, Vorlesungskonzepte und genealogische Skizzen der Familien Inselin und Amerbach werden als Handschriften in der Universitätsbibliothek Basel verwahrt. So empfahl er in einem Gutachten zur als Hexe verfolgten Margret Vögtlin den Freispruch; Vögtlin wurde nicht hingerichtet.
Iselin erbte von seinem 1591 verstorbenen Onkel Basilius Amerbach das Haus «Zum Kaiserstuhl» in Kleinbasel, ein beträchtliches Vermögen, eine Kunstsammlung, die 15 Originale der Holbeins enthielt und Ende des 17. Jahrhunderts als Universitätsgut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, und eine Bibliothek mit etwa 9'000 Bänden.
Familie
Iselin heiratete Anna Ryhiner, eine Tochter des Emanuel Ryhiner. Sie hatten zusammen sieben Kinder, wovon sechs in den Jahren 1610 und 1611 an der Pest erkrankten und starben.[1]
Werke (Auswahl)
- Conclusiones de furtis. Genath, Basel 1616.
Literatur
- Albert Teichmann: Iselin, Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 611 f.
- Hans Thieme: Iselin, Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 10. Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 189–190 (deutsche-biographie.de).
- Christoph Winzeler: Ludwig Iselin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Hans Thieme: Ludwig Iselin-Ryhiner (1559-1612), in: BZGA 66, 1966, S. 133–155.
- Hans Thieme: Ideengeschichte und Rechtsgeschichte 1, Böhlau 1986, S. 462–486.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Christoph Winzeler: Ludwig Iselin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.