Amerbach (Familie)

Die Familie Amerbach war eine Familie humanistisch gebildeter Basler Drucker und Juristen am Ende des 15. Jahrhunderts und im 16. Jahrhundert.

Geschichte

Johann Amerbach war um 1480 aus dem fränkischen Amorbach in Odenwald nach Basel eingewandert. Sein Enkel, der Jurist Basilius Amerbach, (1533–1591) baute systematisch ein Kunstkabinett samt Bibliothek auf, die bereits sein Vater Bonifacius Amerbach begonnen hatte. Das so entstandene und so genannte Amerbach-Kabinett umfasste eine Sammlung weltberühmter Gemälde, den Nachlass des Erasmus sowie ca. 9000 Bücher. Amerbach besass neben vielem anderen etwa 2000 Altmeisterzeichnungen hauptsächlich deutscher und schweizerischer Künstler, darunter über 100 Arbeiten von Hans Holbein den Jüngeren. 1661 erwarben Stadt und Universität Basel das Kabinett und legten damit den Grundstock für das erste öffentliche Museum in Europa.

Die männliche Linie erlosch 1591 mit dem Tod von Basilius Amerbach. Seine Schwester Faustina (1530–1602) heiratete in die Familie Iselin ein.[1] Sein Neffe Ludwig Iselin (1559–1612) erbte die Sammlung des Amerbach-Kabinetts. Sie gelangte 1622 an die Universität Basel[2] und stellt im 21. Jahrhundert einen wichtigen Bestandteil des Kunstmuseums Basel und des Historischen Museums Basel sowie der Universitätsbibliothek Basel dar.

Wichtigste Persönlichkeiten der drei Generationen:

  • Johann Amerbach (um 1444–1513)
  • Bonifacius Amerbach (1495–1562)
  • Basilius Amerbach (1533–1591)

Die Amerbachkorrespondenz enthält Teile des Briefwechsels der Familie vor allem des 15. und 16. Jahrhunderts, die seit 1932 erschlossen wird. Sie ist am Ende der Arbeit vielleicht ein oberrheinisches, späthumanistisches Personenlexikon des 16. Jahrhunderts.

Literatur

  • Ueli Dill und Beat Rudolf Jenny: Aus der Werkstatt der Amerbach-Edition, Schriften der Universitätsbibliothek Basel, Band 2, Basel 2000.
  • Hans-Rudolf Hagemann: Rechtsunterricht im 16. Jahrhundert, 1992.
  • Die Amerbachkorrespondenz, bearbeitet und herausgegeben im Auftrag der Kommission für die Öffentliche Bibliothek der Universität Basel von Alfred Hartmann, [ab Bd. 6] auf Grund des von Alfred Hartmann gesammelten Materials bearbeitet und herausgegeben von Beat Rudolf Jenny u. a., Bd. 1–11, Verlag der Universitätsbibliothek, Basel 1942-2010, ISBN 978-3-7965-1846-1, ISBN 978-3-7965-1037-3.
  • Elisabeth Koch: Die causa matrimonialis im Hause Amerbach/Fuchs. Eine Darstellung des Eherechtsstreits und der daraus folgenden straf-, vermögens- und insbesondere erbrechtlichen Konflikte, Duncker & Humblot, Berlin 1981.
  • Paul Tanner: Das Amerbach-Kabinett, Ausstellungskatalog, Kunstsammlung Basel, 5 Bände, Basel 1991.
  • Rochus von LiliencronAmerbach, Basilius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 397.
  • Roderich von StintzingAmerbach, Bonifacius. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 397 f.
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Einzelnachweise

  1. Beat von Scarpatetti: Amerbach. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  2. Christoph Winzeler: Ludwig Iselin. In: Historisches Lexikon der Schweiz.