Lorenz Mraz
Lorenz Mraz, Decknamen Moritz Lorenz, Peter Staritsky, Peter Schulenburg, Rudolph Hofstädter (* 16. Juni 1908 in Wien; † 21. April 1942 bei Kreuth) war ein österreichischer Widerstandskämpfer, Interbrigadist im Spanischen Bürgerkrieg und NKWD-Agent.
Leben
Lorenz Mraz war mit Hildegard Mraz geborene Beitinger verheiratet. Beide waren Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes, seine Ehefrau war Mitglied der Anti-Hitler Bewegung Österreichs. Nach den Februarkämpfen 1934 floh das Ehepaar über die Tschechoslowakei in die UdSSR, wo beide in einer Druckerei arbeiteten.
Mraz meldete sich als Freiwilliger zu den Internationalen Brigaden und kam im November 1936 über Leningrad, Stockholm und Antwerpen nach Spanien, wo er als Politkommissar des österreichischen Bataillons „12. Februar“ in der 11. Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte, dabei wurde er mehrmals verwundet.[1][2]
Er kehrte wieder in die Sowjetunion zurück, arbeitete ab Mai 1939 wieder als Buchdrucker in Moskau und nahm am 6. August 1940 die sowjetische Staatsbürgerschaft an. 1941 meldete sich Mraz freiwillig zur Roten Armee und wurde in einer Agentenschule des NKWD ausgebildet. Er verwendete dabei viele Decknamen, darunter „Moritz Lorenz“, „Peter Staritsky“, „Peter Schulenburg“ und „Rudolph Hofstädter“.
Zusammen mit dem Spanienkämpfer Franz Löschl, ebenfalls Mitglied des Republikanischen Schutzbundes, Deckname „Max Rieger“ wurde Mraz vom NKWD für einen Agenteneinsatz im Deutschen Reich, vor allem in Österreich vorbereitet. Weil Österreich außerhalb der Reichweite sowjetischer Flugzeuge lag, schickte der NKWD beide nach Großbritannien zur Ausbildung bei der britischen Sabotageorganisation SOE (Special Operations Executive).[3]
Bei der sogenannten „Operation Whiskey“ sollten die beiden, der Agent Lorenz Hofstädter und ein „Paket“ in einem Zielgebiet südwestlich von Wien abgesetzt werden, um Informationen über die deutsche Rüstungsproduktion zu sammeln. Der Flug fand im Rahmen eines Abkommens zwischen Briten und Sowjets statt, in dem die Briten diesen logistische Hilfe in Form eines „Flight Service“ zur Verfügung stellten. Die Mission hatte hohe Priorität und wurde von Oberst Ivan Chichayev, einem hochrangigen Beamten des sowjetischen Geheimdienstes in Großbritannien, koordiniert, musste jedoch wegen schlechten Wetters zweimal abgesagt werden. Am 20. April 1942 um 21:00 Uhr starteten sie mit einer Handley Page Halifax vom RAF-Stützpunkt Tempsford, Gibraltar Farm aus, der Pilot Wing Commander Farley hatte wenig Flugerfahrung mit diesem Flugzeugtyp. Das Flugzeug wurde am 21. April um 01:08 Uhr südöstlich des Starnberger Sees geortet und stürzte in dichtem Nebel der Nähe von Kreuth am Tegernsee ab, wobei alle Insassen ums Leben kamen.[4][3]
Carl Vögele aus Kreuth gelangte vor der offiziellen Suchmannschaft an die Absturzstelle, fand unter den Trümmern eine Aktentasche mit Vorhängeschloss und Ketten, möglicherweise das „Paket“ und übergab diese den deutschen Behörden. Er soll dafür durch Göring persönlich ausgezeichnet und der Vorfall Hitler zum Vortrag gebracht worden sein.[5]
Die Leichname von Lorenz Mraz und den übrigen sechs polnischen Besatzungsmitgliedern wurden provisorisch in der Nähe der Absturzstelle am Berghang beigesetzt und im August 1948 auf den britischen Soldatenfriedhof in Dürnbach bei Gmund am Tegernsee überführt. Erst im August 1999 wurde ein Grabstein mit den Namen von Mraz und Löscher aufgestellt. Das österreichische Innenministerium lehnte es ab, sich an dessen Finanzierung zu beteiligen.[3]
Seine Ehefrau Hildegard Mraz erhielt erst 1995 genauere Informationen über die Todesumstände ihres Mannes. Sein letztes Lebenszeichen hatte sie 1941 in einem Brief von ihm aus Kujbyšev erhalten, wohin sein Lehrgang aus Moskau evakuiert worden war.[6]
Einzelnachweise
- ↑ DÖW - Erinnern - Biographien - Spanienarchiv online - Spanienfreiwillige: M - Mraz, Lorenz. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Agent Lorenz Mraz. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b c Barry McLoughlin: NKVD-SOE Cooperation and Austria 1941-1945. Abgerufen am 5. Oktober 2025 (en-en).
- ↑ Harro Ranter: Accident Handley Page Halifax Mk II V9976, Monday 20 April 1942. Abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Halifax V9976. In: https://unterirdisch.de. 22. Oktober 2009, abgerufen am 5. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ Mraz Hildegard. In: Österreichische Stalin-Opfer (bis 1945). Abgerufen am 5. Oktober 2025.