Long Tack Sam

Lung Te Shan, Bühnenname: Long Tack Sam (chinesisch 郎德山, Pinyin Láng Déshān; geb. 16. September 1884, Wuqiao Shandong, Kaiserreich China; gest. 7. August 1961, Linz, Österreich) war ein chinesischer Magier, Akrobat und Vaudeville-Künstler.

Leben

Lung Te Shan wurde im Kreis Wuqiao geboren, einem Gebiet in der Provinz Shandong in Nordost-China, welches als Wiege der chinesischen Akrobatik gilt.[1][2][3][4][5]

Über Longs frühe Jahre ist wenig bekannt; man weiß jedoch, dass er um die Jahrhundertwende der Akrobatengruppe Tian-Kwai beitrat und mit ihr auf Welttournee ging.[2] Einige Jahre später, angesichts der Unruhen in seiner Heimat, brachte Long seine Truppe nach Amerika.[6] wo er bald Erfolge feierte. Seine prächtig gekleidete Truppe trat in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in Metropolen rund um den Globus auf. Obwohl er als Künstler von seinem zeitgenössischen Publikum weitgehend vergessen wurde, galt er als einer der größten Vaudeville -Künstler des frühen 20. Jahrhunderts.

Longs Karriere führte ihn als Vorprogramm der Marx Brothers, und er wurde sogar Mentor von Orson Welles. 1922 wurde er Mitglied von Harry Houdinis Magierclub. Bennett Cerf berichtete einmal von einer Anekdote aus dem New Yorker Palace Theatre: Der Entertainer Bert Fitzgibbon geriet in Rage, als er erfuhr, dass Long auf dem Programmheft über ihm stand und somit nach dem Magier auftreten sollte.[7] Später am Abend, als Long seine Show beendete, betrat Fitzgibbon die Bühne, drückte ihm ein Bündel schmutziger Hemden in die Hand und sagte angeblich: „Ich will die bis Samstagabend zurück und sparsam mit der Stärke sein!“ („I want these back by Saturday night and go easy on the starch!“) Long reagierte mit einem Aufwärtshaken, woraufhin Fitzgibbon unter dem Applaus und Jubel des Publikums von der Bühne getragen wurde. Ob Fitzgibbon seinen geplanten Schlussapplaus noch genießen konnte, ist unklar.[7]

Long und seine Familie beschlossen, nach Australien und Neuseeland zu reisen, um sein Programm einem neuen Publikum vorzustellen. Er warb für seine Show, indem er mit dem Fallschirm über Bondi Beach sprang und Flugblätter abwarf, in denen er Freikarten für die Abendvorstellung anbot. Sam und seine „wonder workers“ (Wundertäter) traten in den 1920er und 1930er Jahren in unzähligen Theatern in ganz Australien auf, darunter das State Theatre in Sydney, das Tivoli Theatre in Melbourne, das Regent Theatre in Adelaide, das Prince of Wales Theatre in Hobart, das Ambassadors Theatre in Perth und das Wintergarden Theatre in Brisbane.

1958 fand Longs letzter Auftritt ebenfalls in New York statt, im Roxy Theatre. Dort führte er seinen berühmten Wasserschüssel-Trick vor, bei dem er im Alter von 73 Jahren einen Salto schlug und schließlich mit einem Goldfischglas in der linken Hand dastand.

Persönliches

Nach jahrzehntelangen Auftritten und ausgedehnten Weltreisen zogen Long und seine Frau Leopoldi (genannt Poldi), die aus Waidhofen an der Ybbs in Österreich stammte, nach New York City.[8] Long war Freimaurer und erreichte den 32. Grad innerhalb des Ordens.[2][9] Vermutlich pflegte er seine Verbindungen zum Orden auch während seines Aufenthalts in New York. Nach einem schweren Autounfall zogen er und Poldi nach Linz in Österreich, unweit ihrer Heimatstadt. Long Tack Sam starb dort 1961 im Alter von 76 Jahren. Poldi starb zwei Jahre später in Wien.[4][5][8]

Dokumentarfilm

Die umfangreichste Quelle historischer Informationen über das Leben von Long Tack Sam ist der kanadische Dokumentarfilm „The Magical Life of Long Tack Sam“.[10] Geschrieben, inszeniert, recherchiert und animiert von Longs Urenkelin Ann Marie Fleming, bietet der Film eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Leben des Magiers. Durch sechsjährige Recherche und die Unterstützung mehrerer Magiehistoriker konnte Fleming ein umfassendes Porträt ihres Großvaters herstellen.

Memoiren

Im September 2007 erschien das Buch „The Magical Life of Long Tack Sam: An Illustrated Memoir“ von Ann Marie Fleming. Das Buch erweitert die Informationen des biografischen Films und stellt Long Tack Sams Leben in einen umfassenderen historischen Kontext. 2008 wurde es mit dem Doug Wright Award (Doug-Wright-Preis) für das beste Buch ausgezeichnet. Die Illustrationen stammen von Julian Lawrence.[11]

Einzelnachweise

  1. Wuqiao: Home of Chinese Acrobatics. Archiviert vom Original am 24. Juni 2011; abgerufen am 8. September 2011 (englisch).
  2. a b c Frank Cullen, Florence Hackman, Donald McNeilly: Vaudeville Old and New 2007: S. 700.
  3. Index to Petitions for Naturalization filed in New York City, 1792–1989 Record for Sam Tack Long (1954).
  4. a b Passenger Manifest SS President McKinley Sept. 6, 1932.
  5. a b Reports of Deaths of American Citizens (Sam Tack Long) 7. August 1961.
  6. Sessional indexes to the Annals of Congress: Register of Debates, Volume 2. United States Historical Documents Institute. 1908
  7. a b Winona Daily News (Minnesota) Friday, 11. Oktober 1957: S. 6.
  8. a b Reports of Deaths of American Citizens (Poldi Long) September 6, 1963
  9. Asian and Asian American Magicians. thaoworra.blogspot.com.
  10. NFB collections page: Long Tack Sam. onf-nfb.gc.ca.
  11. Riverhead Books, Penguin Publishing. Ann Marie Fleming on the „Long Tack Sam“ graphic novel. In: AsianAmericanFilm.com. Abgerufen am 20. Februar 2010 (englisch).
Commons: Long Tack Sam – Sammlung von Bildern