Lina Maier-Mutschler

Lina Maier-Mutschler, auch Karolina Maria Mutschler (Taufname) (* 1. September 1900 in Basel; † 24. März 1997 ebenda) war eine Schweizer Schneiderin, Journalistin und Pionierin des Frauenstimmrechts im Baselbiet.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Lina Mutschler war die Tochter von Johannes Mutschler, deutscher Staatsbürger, und Katharina, geborene Lüthy.[1] Sie hatte eine Schwester, Fanny, und zwei Halbbrüder aus der ersten Ehe ihrer Mutter. Als Zweijährige zog Lina mit ihrer Familie von Basel nach Gelterkinden um, wo ihr Vater eine Konditorei betrieb. Nach dessen frühem Tod 1905 übernahm ihre Mutter die beiden Ladengeschäfte, häkelte und gab Klavierstunden. Auch Lina musste ihren Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, weshalb sie nach der obligatorischen Schulzeit von 1915–1916 eine Lehre als Schneiderin machte, anstatt die gewünschte Ausbildung zur Lehrerin zu absolvieren. Nach einem Sprachaufenthalt in der Romandie von Oktober bis Dezember 1917 lernte sie als Vorarbeiterin in einer Seidenbandfabrik die jungen Arbeiterinnen an.

Aktivistin und Journalistin

Lina Mutschler trat um 1919 dem Blauen Kreuz bei, war dort Mitgründerin eines Töchterbundes und gehörte ab den frühen 1920er Jahren zum Kantonalvorstand. Mutschler sass damals in Gelterkinden als einzige Frau im Präsidium eines Blaukreuzvereins. Ab 1926 begann sie auch journalistisch tätig zu werden. So schrieb sie Artikel für zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen wie die Volksstimme von Baselland, den Basler Tages-Anzeiger und das Schweizer Frauenblatt.[2]

Frauenrechtlerin

Ihre Sekundarlehrerin Eva Gerster war eine wichtige Wegbegleiterin, die Mutschler zum Beitritt in den Frauenverein von Gelterkinden bewegte.[1] Dort lernte sie Elisabeth Vischer-Alioth kennen, die ihr 1928 eine Teilnahme am «Kurs für Fraueninteressen» des Schweizerischen Verbands für Frauenstimmrecht in Rapperswil vermittelte. Während des Kurses traf sie führende Persönlichkeiten der Frauenbewegung und lernte das Halten von Vorträgen, Protokollführung sowie das Leiten von Vereinen. Anschliessend engagierte sich Mutschler stark für die Entwicklung der basellandschaftlichen Frauenstimmrechts-Bewegung. Sie nahm am 28. September 1929 an der Gründungsversammlung der Vereinigung für Frauenstimmrecht Baselland teil und schrieb über deren erste Mitgliederversammlung am 11. Dezember 1929 in der «Volksstimme Baselland».

Schweizer Bürgerin

Ihrer deutsche Staatsbürgerschaft erwies sich bei ihren Engagements immer wieder als Nachteil, weshalb sich Mutschler in verschiedenen basellandschaftlichen Gemeinden einzubürgern versuchte, jedoch erfolglos.[2] Sie erwarb sich schliesslich 1933 in Basel, wo sie seit drei Jahren lebte, das Bürgerrecht.

1936 heiratete sie den Basler Kaufmann Ernst Maier, der sie in ihrem Engagement für die Frauenbewegung unterstützte. Lina Maier-Mutschler beendete dann allerdings ihre Erwerbstätigkeit, um sich um den Haushalt und die Erziehung der beiden Söhne zu kümmern.

Ehrung

Lina Maier-Mutschler wurde 1992 im Rahmen einer Ausstellung zum Gleichstellungsartikel im Kantonsmuseum Liestal für ihre Pionierarbeit auf dem Weg zum Frauenstimmrecht geehrt.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c Tamara Suter: Maier-Mutschler, Lina. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 10. März 2022, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  2. a b Manuela Nipp: Lina Maier-Mutschler – Personenlexikon BL. Kanton Basel-Landschaft, abgerufen am 26. Dezember 2025.