Gelterkinden
| Gelterkinden | |
|---|---|
| Staat: | Schweiz |
| Kanton: | Basel-Landschaft (BL) |
| Bezirk: | Sissach |
| BFS-Nr.: | 2846 |
| Postleitzahl: | 4460 |
| UN/LOCODE: | CH GKR |
| Koordinaten: | 631513 / 257187 |
| Höhe: | 404 m ü. M. |
| Höhenbereich: | 387–680 m ü. M.[1] |
| Fläche: | 9,78 km²[2] |
| Einwohner: | 6458 (31. Dezember 2024)[3] |
| Einwohnerdichte: | 660 Einw. pro km² |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) |
19,9 % (31. Dezember 2024)[4] |
| Website: | www.gelterkinden.ch |
| Dorfplatz Gelterkinden
| |
| Lage der Gemeinde | |
Gelterkinden (schweizerdeutsch: Gälterchinde []) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Basel-Landschaft. Sie gehört zum Bezirk Sissach.
Geographie
Gelterkinden liegt im Oberbaselbiet im Ergolztal. Das Ortszentrum liegt auf rund 400 m ü. M. Die am tiefsten gelegene Stelle im Gemeindegebiet befindet sich am westlichen Rand der Ortschaft im Bachbett der Ergolz (386 m ü. M.) und der höchste Punkt auf 680 m ü. M. am Osthang des Chienbergs, nordwestlich von der Dorfsiedlung. Im Nordosten steigt das Gemeindegebiet am Südgrat des Farnsbergs bis auf 568 m ü. M. Die beiden Anhöhen Chienberg und Farnsberg mit dem dazwischen liegenden Tal des Rickenbächli liegen im Perimeter des Landschaftsschutzgebiets «Tafeljura nördlich von Gelterkinden», das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung ausgewiesen ist.[5]
Im Süden gehört der letzte, 2,4 Kilometer lange Abschnitt des Eibachs zu Gelterkinden. Das Eibachtal, durch welches die Bahnstrecke von Basel zum Hauenstein-Basistunnel führt, ist ein schmaler Einschnitt zwischen zwei Plateaus des Tafeljuras, mit dem Grampelestock im Osten und dem «Berg» im Westen. Der Berg mit dem höchsten Punkt auf 619 m ü. M. ist eine durch kleine Täler stark gegliederte, mehrere Quadratkilometer grosse, bewaldete Landschaft. Gelterkinden hat über diesen Höhenzug hinaus Anteil bis in das südlich gelegene Tal des Homburgerbachs und umfasst auch das Gebiet mit der Haltestelle «Sommerau» an der älteren Hauensteinstrecke.
Aus den Wäldern im Süden der Gemeinde fliessen der Müntelbach (oder Mületenbächli) und das Frändletenbächli zum Eibach.
Markante Punkte auf der Gemeindegrenze von Gelterkinden sind die Burgruine Scheidegg, die Haltestelle Sommerau und die Thürnerflue.
Die Nachbargemeinden von Gelterkinden sind Rickenbach, Ormalingen, Tecknau, Rünenberg, Rümlingen, Wittinsburg, Diepflingen, Thürnen und Böckten.
Geschichte
Nach Bodenfunden war das Gebiet von Gelterkinden in mehreren Epochen von der jüngeren Steinzeit bis ins Mittelalter besiedelt. Seit dem späten Frühmittelalter erhob sich über dem Dorf eine dem Apostel Petrus geweihte Kirche. Am Fuss des Kirchhügels befand sich der Hennenbühlhof, den die Grafen von Frohburg an die Herren von Gelterkinden verliehen. Später fiel er an die Grafen von Thierstein, die ihn 1399 zusammen mit dem Kirchensatz dem Deutschordenshaus in Schloss Beuggen verkauften. Weitere Güter in Gelterkinden besassen das Kloster St. Alban, das Stift St. Leonhard, das Domkapitel von Basel und verschiedene weltliche Herren. Im Jahre 1461 erwarb die Stadt Basel mit der Herrschaft Farnsburg auch das Dorf Gelterkinden. Die Farnsburg (in der Nachbargmeine Ormalingen gelegen), von wo aus Basler Landvögte mehr als 300 Jahre lang das Amt regierten, wurde 1798 von revolutionär gesinnten Landleuten in Brand gesteckt.
Bei den Kantonstrennungswirren 1832–1833 hielt Gelterkinden anfänglich zur Stadt und forderte zu seinem Schutz Basler Truppen an. Darauf stürmten Landschäftler die Gemeinde (Gelterkindersturm vom April 1832) und verjagten die Basler. So kam Gelterkinden doch noch zum neu gegründeten Kanton Basel-Landschaft.
1864 verzeichnete Gelterkinden 290 Posamenterstühle und zwei Seidenbandfabriken. Da die Hauensteinlinie der Centralbahn nicht durch Gelterkinden führte, wurde die Ortschaft 1891 bis 1916 von Sissach aus mit der Trambahn Sissach-Gelterkinden-Bahn erschlossen. Das Projekt der Schafmattbahn von Sissach über Gelterkinden nach Aarau scheiterte. Seit der Eröffnung der Hauenstein-Basislinie im Jahre 1916 hat das Dorf einen eigenen Bahnhof.
Name
Der Ortsname ist erstmals in einem historischen Dokument von 1102 oder 1103 als Gelterkingen erwähnt. Er bedeutet «bei den Höfen der Leute des Gelterich». Das ursprüngliche Ortsnamensuffix -ingen wurde von späteren Schreibern hyperkorrekt zu ‑inden verformt, in falscher Analogie zur kanzleisprachlichen Wiedergabe des (früheren) mundartlichen ng in Wörtern wie Ching, finge als Kind, finden.[6]
Wappen
Das Gemeindewappen ist senkrecht in den Farben Blau, Weiss (Silber) und Rot dreigeteilt. Dies entspricht dem Wappen des frohburgischen Ministerialengeschlechts der Herren von Gelterich.
Politik
Die Kommunalpolitik kennt die beiden Gruppierungen Bürgerlicher Zusammenschluss Gelterkinden (BZG) und SP Gelterkinden. Neben Mitgliedern dieser Gruppierungen kämpfen oft auch parteilose Kandidaten um Ämter auf Gemeindeebene. Der BZG ist ein Zusammenschluss bürgerlich gesinnter Einwohner. Viele Mitglieder gehören entweder der FDP Gelterkinden oder der SVP Gelterkinden und Umgebung an.
Der Gemeinderat (Exekutive) besteht aus sieben Stimmberechtigten. Gemeindepräsident (2024–2028) ist Christoph Belser (SP, Stand 2025).
Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Gelterkinden: SVP 28,1 % (2019 23,6 %), SP 27,3 % (24,8 %), FDP 13,1 % (14,2 %), Grüne 12,4 % (22,6 %), Mitte 6,6 % (5,0 %), glp 6,3 % (4,3 %), EVP 5,0 % (5,4 %), EDU 0,3 % (–).[7]
Sport
In Gelterkinden sind diverse Sportvereine ansässig, darunter auch der FC Gelterkinden, welcher in der 2. Liga regional spielt.
Zu den grössten Erfolgen in der Sportgeschichte Gelterkindens hat wohl die Gymnastikgruppe des TV Gelterkinden beigetragen, welche in der Disziplin Gymnastik Grossfeld mehrfach den Titel Schweizer Meister errang. Letztmals holte sich die Gruppe unter der Leitung von Franco Polsini den Titel im September 2014 an den Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen in Lyss. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe durch Kurt «Kuri» Wirz ca. im Jahre 1983. Er prägte die Entwicklung vom Turnen hin zu Choreographien mit Witz und eigenem Stil und leitete die Gruppe während gut 20 Jahren.
Die 1836 gegründete Schützengesellschaft setzt sich aus den Sektionen Pistole auf 50 Meter und Gewehr auf 300 Meter zusammen.
Der Volleyballclub Gelterkinden spielte über mehrere Jahre in der Nationalliga A.
Wirtschaft
Viele Einwohner von Gelterkinden arbeiten als Pendler ausserhalb der Gemeinde, da diese einen geringen Bestand an industriellen und gewerblichen Arbeitsplätzen hat. Im 20. Jahrhundert haben sich die Wohnquartiere des Dorfes stark entwickelt.
Verkehr
Strasse
Der Autobahnanschluss Sissach an die A2 befindet sich durch den Chienbergtunnel A22 in fünf Kilometer Distanz.
Durch das Ergolztal führt die Hauptstrasse 309 (Sissacherstrasse/Ergolzstrasse). In Gelterkinden zweigen von dieser Route die Hauptstrasse 541 nach Rheinfelden und die Tecknauerstrasse ab.
Schienenverkehr
Die Lage an der Hauensteinstrecke sichert gute Bahnverbindungen in den Kantonshauptort Liestal sowie nach Basel und Olten
- S 3 Laufen – Basel Dreispitz – Basel SBB – Pratteln – Liestal – Sissach – Olten (SBB)
- 27 Basel SBB – Olten – Luzern
Busverkehr
- 100 Rheinfelden, Bahnhof – Magden – Maisprach – Buus – Gelterkinden, Bahnhof
- 102 (Salhöhe) – Kienberg – Anwil – Rothenfluh – Hemmiken – Ormalingen – Gelterkinden
- 103 Gelterkinden, Bahnhof – Tecknau Bahnhof – Wenslingen – Oltingen, Postplatz
- 104 Gelterkinden, Bahnhof – Rünenberg – Kilchberg BL – Zeglingen
- 105 Bahnhof Sissach – Böckten – Gelterkinden, Post
Die Gemeinde ist Ausgangspunkt der Postautolinien nach Rheinfelden, Wegenstetten, Oltingen und Zeglingen sowie der Buslinie nach Sissach.
Kultur
Gelterkinden wurde im Titel Düsseldorf der amerikanischen Songwriterin Regina Spektor erwähnt. Der Text enthält die Zeilen: «In Gelterkinden I forgot to frown / then remembered again» sowie «In Gelterkinden I remembered how to laugh / and I never ever forgot it again». Der Song erschien als B-Seite der Single-CD On the Radio sowie in Europa als vierter Titel auf der Bonus-CD zum Album Begin to Hope.
Des Weiteren wird Gelterkinden im Lied Hans Zbinde auf dem Album Roots 44 der Schweizer Rap-Gruppe TAFS erwähnt. Das Lied erzählt eine kurze Geschichte aus dem Leben des «Hans Zbinde us Gälterchinde».
Religion
Auf dem Sonnenhof in Gelterkinden leben Schwestern der Communauté de Grandchamp.
Sehenswürdigkeiten
- Burgruine Scheidegg
- Dorfplatz mit evangelisch-reformierter Kirche[8]
- Jundthuus
Persönlichkeiten
- Arnold Baader (1842–1888), Arzt, Gönner und Förderer
- Caspar Baader (* 1953), Politiker und Anwalt
- Johann Jakob Baader (1810–1879), Arzt, Land- und Nationalrat
- Baschi (* 1986), Sänger
- Jakob Buser (1847–1914), Bankdirektor, Oberst, Land-, National- und Ständerat
- Anna-Tina Groelly (* 1989), Landrätin (Grüne)
- Emil Müller (1893–1974), Architekt und Politiker
- Fritz Pümpin (1901–1972), Kunstmaler
- Fredy Schär (* 1964), Liedermacher und Kabarettist
- Jakob Schaub (1862–1950), Drucker, Verleger und Redaktor
- Eduard Strübin (1914–2000), Lehrer, Volkskundler, Baselbieter Chronist und Autor
- Beat Sutter (* 1962), Fussballspieler
- Paul Vosseler (1890–1979), Geograph
- Jakob Wagner (1861–1915), Landschaftsmaler
- Albert Adolf Zehntner (1895–1975), Maler, Heraldiker und Restaurator
Literatur
- Walter Dettwiler: Gelterkinden. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Hans-Rudolf Heyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft. Band III: Der Bezirk Sissach. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1986 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 77). ISBN 3-7643-1796-5, S. 49–79.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Gelterkinden
- Bundesamt für Kultur: Gelterkinden im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
- ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
- ↑ Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
- ↑ Objektblatt «Tafeljura nördlich von Gelterkinden» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
- ↑ Die Orts- und Flurnamen des Kantons Basel-Landschaft. Lemmata (= Baselbieter Namenbuch. Band 2). Hrsg. und bearb. von Markus Ramseier. Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2017, S. 178.
- ↑ Nationalratswahlen 2023: Stärkste Partei, Kanton Basel-Landschaft. Gemeinde Gelterkinden. Bundesamt für Statistik, 22. Oktober 2023, abgerufen am 11. Juni 2025.
- ↑ Hans-Rudolf Heyer: Kirche Gelterkinden BL (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 115). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1991.