Leuchtturm Schleimünde

Leuchtturm Schleimünde
Nordmole Lotseninsel
Blick auf den Leuchtturm, 2015
Ort: Schleimünde
Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein,
Deutschland Deutschland
Lage: Mole an der Schleimündung
Geographische Lage: 54° 40′ 17,2″ N, 10° 2′ 10,6″ O
Seekarte
Fahrwasser: Schlei, Kieler Bucht, Ostsee
Höhe Turmbasis: m ü. NHN
Turmhöhe: 14,3 m (46,9 ft)
Feuerhöhe: 15 m (49,2 ft)
Bauart: Mauerwerk
Bauform: Rundturm, nach oben verjüngt mit Galerie
Tageslicht-
Markierung:
weißer Turm, mittig horizontal grünes Band und grüne Laterne
Kennung: LFl(3) GWR. 20s
Sektorenfeuer: R: 144,5°-201°
G: -275°
W: -296°
R: -006°
W: (schwächer 6 sm) -100°
Nenntragweite weiß: 13 sm (24,1 km)
Nenntragweite grün: 11 sm (20,4 km)
Nenntragweite rot: 11 sm (20,4 km)
Optik: Gürtellinse, F = 400 mm
Betriebsart: elektrisch, seit 1963 automatisch
Nebelhorn: bis 2015 Horn(SN)30s, LED-Strahler 275°-296°
Funktion: Ansteuerungs- und Orientierungsfeuer
Bauzeit: 1870–1871[1]
Betriebszeit: seit 1. Dezember 1871
Listeneinträge
UKHO: C 1186[2]
NGA: 3000
ARLHS: FED-217
BSH: DE-201700

Denkmalliste: Kulturdenkmal des Kreises
Betreiber: WSA Ostsee[3]

Der Leuchtturm Schleimünde steht an der Ostsee in Schleswig-Holstein und ist das Wahrzeichen der ehemaligen Lotseninsel (dänisch Lodsø), die heute als Schleimünde bezeichnet wird. Der grün-weiße Leuchtturm auf der Nordmole dient der Schifffahrt als Ansteuerungs- und Orientierungsfeuer bei der Zufahrt in den Meeresarm der Schlei. Das erstmals 1871 gezündete Molenfeuer ist seit 1963 automatisiert und wird heute durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee von der Verkehrszentrale Travemünde ferngesteuert und überwacht.[4] Der 14,3 Meter hohe Turm steht unter Denkmalschutz und wurde als Baudenkmal in die Kreisdenkmalliste des Kreises aufgenommen.[5]

Für Besucher ist der Leuchtturm und die Lotseninsel nur per Schiff erreichbar, da kein offizieller Weg durch das nördlich gelegene Naturschutzgebiet führt.

Lage

Die Lotseninsel bildet das südliche Ende eines Nehrungshakens, der die ehemals nördlich liegenden Inseln verbunden hat. Auf dieser Halbinsel liegt das Naturschutzgebiet Schleimündung, das nicht betreten werden darf. Das ehemals in Bundesbesitz befindliche Gebiet gehört seit 2008 der Lighthouse Foundation[6], einer Stiftung mit Sitz in Hamburg. Der Leuchtturm steht am Ende einer 300 Meter langen Mole, die nach Südosten in die Ostsee ragt. Gegenüber auf der Südseite der 150 Meter breiten Fahrrinne zur Schlei befindet sich eine weitere Nehrung, die das Nordende der Halbinsel Schwansen bildet. Nach 1.000 Metern endet sie am Ostseeresort Olpenitz und dem Hafen des ehemaligen Marinestützpunkts in Olpenitz.

Rund vier Kilometer westwärts der Lotseninsel liegt auf einer Halbinsel in der Schlei der kleine Fischerort Maasholm. In südwestlicher Richtung an der ersten Engstelle der Schlei ist der touristische Mittelpunkt der Region, die Kleinstadt Kappeln. Von dort aus, sowie von Maasholm, kann per Ausflugsschiff die Lotseninsel erreicht werden. Alle Orte gehören verwaltungsmäßig zum Kreis Schleswig-Flensburg.

Geschichte

Der über 150 Jahre alte Leuchtturm in Schleimünde löste eine 1861 erbaute beleuchtete Bake aus dänischer Zeit ab.[4] Das Leuchtturmgebäude war 1870/71 aus gelben Ziegelsteinen errichtet worden und hatte eine Laterne aus Kupfer. Im Laufe der Zeit gab es verschiedene äußere Veränderungen und Umbauten technischer Art, wobei sich die Farbe der Tageskennung bisher acht Mal geändert hat. Bis heute ist er ein wichtiges Seezeichen im Mündungsbereich der Schlei.

Tageskennung

1890 wurden die gelben Ziegel grauschwarz überstrichen. Diese Farbgebung entsprach der preußischen Vorgabe zur Betonnung, wonach die seitliche Begrenzung von Schifffahrtswegen in seewärtiger Richtung auf der Backbordseite (links) in schwarz erscheinen sollte.[7] Bei der Renovierung 1907 erhielt der Turm die heute noch vorhandene Laterne aus Gusseisen und der Turmschaft wieder eine gelbe Farbe. Von 1913 bis 1920 erstrahlte er in hellgrau und wurde anschließend schachbrettartig in Weiß und Rot angestrichen. Nach 35 Betriebsjahren musste 1955 zum Schutz der Ziegel vor der Witterung eine Verkleidung angebracht werden, die sich in Form von schwarzen und weißen Kunststoffplatten zeigte. Nach sechs Jahren wurde der Turm 1961 wieder in weiß angestrichen und zum Kontrast mit einem schwarzen Band versehen.[4] In diesem Zustand mit schwarzer Laterne war er mehr als 50 Jahre an der Ostseeküste zu sehen.

Die bisher letzte Farbänderung erfolgte 2014/15 bei der grundlegenden Instandsetzung. Nach Entfernung der Fassadenverkleidung konnte das alte Mauerwerk ausgebessert und mit vier Edelstahlringen gesichert werden, um eine weitere Rissbildung zu vermeiden. Nach Aufsetzen einer Vormauerschale kam zum Abschluss die heutige Vorhangfassade aus Aluminium zum Einsatz, die nun ein grünes Band auf weißem Grund zeigt. Die bisher schwarze Laterne erhielt dabei ebenfalls die grüne Farbe.[4] In dieser Farbgebung entspricht die Tageskennung den Vorgaben der international zuständigen Organisation für Seezeichen IALA, wonach laterale Schifffahrtszeichen für die „von See kommenden Schiffe“ auf der Steuerbordseite (rechts) in grün gehalten sein müssen.

Befeuerung

Die aus Glas geschliffene Gürtellinse von 1871 mit einer Brennweite von 400 mm findet als Leuchtfeueroptik bis heute Verwendung. Mit dem Fortschritt bei der Technik für die Befeuerung wurden entsprechende Anpassungen vorgenommen.[4]

Anfänglich zeigte der Turm ein rotes Feuer, das bis zu 8 sm (ca. 15 km) weit zu sehen war. Im Lauf der Zeit kam, neben der Umrüstung auf weißes Licht, ein Sektorenfeuer hinzu. Die farbig in rot und grün markierten Sektoren unterstützen die Schifffahrt bei der Ansteuerung und Einhaltung des korrekten Fahrwassers. Mit einer Reichweite von bis zu 13 sm (24 km) ist das weiße Licht des Leuchtturms bei Nacht an seiner Kennung eindeutig zu identifizieren. Die Abkürzung von „LFl(3)WRG.20s“ im Leuchtfeuerverzeichnis steht für ein Sektorenfeuer in den Farben Weiß, Rot, Grün mit drei Blinken und einer Wiederkehr von 20 Sekunden.[4]

Bei Errichtung des Turms basierte der Betrieb des Leuchtfeuers auf der Verbrennung von Rüböl, das später durch Petroleum und dann Gas ersetzt wurde. Mit der Elektrifizierung 1952 kam eine starke Glühlampe als Leuchtmittel zum Einsatz. Da damals ein Anschluss der Insel an das Stromversorgungsnetz als zu teuer erachtet wurde, baute man dafür extra eine Windkraftanlage mit Pufferbatterie. Seit 1963 ist der Turm automatisiert und wird aus dem öffentlichen Stromnetz versorgt. Dabei konnten Flutlichtstrahler eingeschaltet werden, die nachts den Turmschaft anstrahlen. Bei Netzausfall übernimmt eine Ersatzstromversorgungsanlage die betriebliche Energieversorgung.[7] Im Brennpunkt der Optik steht heute ein Lampenwechsler mit 4 Halogenlampen von jeweils 120 V, 500 W.[8] Diese Lampen besitzen eine lange Lebensdauer, sind energiesparsam und ermöglichen lange Wartungszyklen.

Nebelhorn

Um der Schifffahrt bei schlechten Sichtverhältnissen die Orientierung bei der Passage der Lotseninsel zu erleichtern, erfolgte 1964 der Aufbau einer Nebelhorn-Anlage, die auch gleichzeitig dem Objektschutz der Mole dient.[4] Die Anlage wurde nach der grundlegenden Renovierung abgeschaltet und seitdem markiert ein Nebelfeuer die Position des Leuchtturms bei Nebel. Sechs gelbe LED-Strahler erfüllen seit 2016 die gleiche Funktion, jedoch lautlos und energiesparend. Neben dem Ersatz des Flutlichts am Turm durch die LED-Lichttechnik wurde auch der komplette Blitzschutz erneuert.[7]

Weitere Leuchtfeuer

Die Ausfahrt aus der Schlei auf die Ostsee ist in der flachen Strandwalllandschaft von Schleimünde für Schiffsführer schwierig auszumachen. Daher gibt es zur Navigationshilfe zwei Richtfeuerlinien, um den rechten Kurs einhalten zu können.

Das „Richtfeuer Schleimünde“ ging 1914 offiziell in Betrieb[9] und zeigt die Richtung von Maasholm nach Schleimünde. Die beiden Signalscheinwerfer im Abstand von 90 m besitzen heute eine Tragweite von 9 sm (16 km). Das 6 Meter hohe Unterfeuer steht auf einer Dalbe der Anlegerbrücke zur Lotseninsel und das Oberfeuer strahlt aus 8,3 m Höhe von der Leuchtturmmole. Das weiße Licht der Scheinwerfer erscheint im Rhythmus von vier Sekunden als unterbrochenes Feuer (Kennung Oc.W.4s), bei dem die Leuchtphase deutlich länger ist als die Dunkelphase.

Seit 1971 gibt es die „Richtfeuerlinie Lotseninsel-Schleimünde“[10], sodass ein Schiff von Kappeln kommend südlich an Maasholm vorbei zunächst auf die Halbinsel zu geleitet wird. Das Oberfeuer steht im Naturschutzgebiet an der Ostseeseite der Lotseninsel. Bei einer Feuerhöhe von 22 m ist das Gleichtaktfeuer (hell und dunkel gleich lang) bis zu 13 sm bzw. 24 km zu sehen. Das zugehörige Unterfeuer steht 800 m westlich im Wasser der Schlei an der südöstlichen Ecke des Schutzgebiets in 10 m Höhe. Beide Feuer senden ihr weißes Licht im Rhythmus von vier Sekunden (Iso.W.4s). Zusätzlich besitzt die Richtfeuerstrecke als Tageskennung ein Toppzeichen in Form von weißen Dreiecken mit roter Umrandung, die bei korrektem Kurs mit ihren Spitzen aufeinander zeigen müssen. Für die kleine Kursänderung zur Ausfahrt muss auf das Richtfeuer Schleimünde geachtet werden bis die beiden Lichter an der Lotseninsel genau übereinander stehen.

Gegenüber des Leuchtturms steht auf der kurzen „Südmole“ eine Stahlbake mit einem viereckigen Korb an der Mastspitze. Die weißen Blechplatten werden bei Dunkelheit durch Halogenstrahler angeleuchtet.

Leuchttürme in der Nähe

Galerie

Literatur

  • Heiko Grüterich: Die Lotseninsel - Kleinod in der Schleimündung In: Fjord & Schlei maritim, Ausgabe 02/2023, S. 27

Philatelistische Würdigung

Die erste Briefmarke, die den Leuchtturm Schleimünde zeigt, erschien am 2. Juli 2020 von der Deutsche Post AG. Die Marke gehört zur Serie Leuchttürme[11] (MICHEL-Nr.: 3552 und 3555) mit dem Wert von 60 ct. Der Entwurf stammt vom Grafiker Hanno Schabacker aus Berlin nach einer Fotografie von Jörg Braukmann aus Bad Orb.[12] Die Auflage betrug 3.727.100 Stück.

Siehe auch

Commons: Leuchtturm Schleimünde – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Russ Rowlett: Lighthouses of Germany: Eastern Schleswig-Holstein. In: The Public's Library and Digital Archive. University of North Carolina at Chapel Hill. 29. Juni 2025;.
  2. Registrierungen:
  3. WSA Ostsee - Startseite. In: wsa-ostsee.wsv.de. 29. September 2021, abgerufen am 26. September 2022.
  4. a b c d e f g 150 Jahre Leuchtturm. In: wsv.de. Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee, 28. Oktober 2021, abgerufen am 4. November 2025.
  5. Denkmalliste Schleswig-Flensburg. In: schleswig-holstein.de. SH Landesamt für Denkmalpflege, 18. März 2019, abgerufen am 22. November 2025.
  6. Die Lotseninsel Schleimünde. In: schlei-ostsee-urlaub.de. Abgerufen am 20. November 2025.
  7. a b c Leuchtturm Schleimünde. In: deutsche-leuchtfeuer.de. Abgerufen am 14. November 2025.
  8. Schleimünde, Schleswig-Holstein, Ostsee. In: leuchtturm-web.de. Abgerufen am 14. November 2025.
  9. Richtfeuer Schleimünde W. In: baken-net.de. 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  10. Richtfeuer Lotseninsel Schleimünde. In: baken-net.de. 2025, abgerufen am 26. November 2025.
  11. Leuchtturm-Briefmarke In: WSV.de Pressemitteilung
  12. Bundesfinanzministerium, abgerufen am 27. Oktober 2024