Leopold Dobbrick

Leopold Dobbrick (* 28. Februar 1878 in Marzdorf; † 15. Mai 1934 in Hüsten) war ein deutscher Pädagoge und Naturforscher, der vor allem als Amateurornithologe nachhaltige Bekanntheit erlangte.

Leben

Herkunft, Ausbildung und Privatleben

Er entstammte einem westpreußisch-pommerschen Bauerngeschlecht[1] und kam 1878 in Marzdorf zur Welt – ungefähr 110 Kilometer östlich von Stettin. Das Dorf hatte damals etwas über 500 Einwohner und gehörte innerhalb des Deutschen Kaiserreiches zum Kreis Deutsch Krone der preußischen Provinz Westpreußen. In Schwetz an der Weichsel (Kreis Schwetz) absolvierte er das Lehrerseminar. Seine ornithologischen Forschungen führte er oft zusammen mit seinem knapp 13 Jahre jüngeren Bruder Waldemar durch, der ebenfalls Lehrer wurde.

Berufliche Karriere

Seinen Einstieg ins Berufsleben fand Leopold Dobbrick als Lehrer im „einsamen Dörfchen“[2] Swatno (Kreis Schwetz) in der Tuchler Heide und später wurde er nach Treul an der Weichsel, etwa fünf Kilometer südsüdwestlich von Neuenburg (ebenfalls Kreis Schwetz), versetzt. Als Deutschland nach Ende des Ersten Weltkrieges im Rahmen der Gebietsabtretungen Westpreußen verlor, zog Dobbrick nach Hüsten im Kreis Arnsberg in der preußischen Provinz Westfalen. Dort unterrichtete er bis zuletzt.[3]

Naturforschung

Neben seinem pädagogischen Hauptberuf widmete sich Dobbrick intensiv der ornithologischen Erforschung seiner Heimatregion. Er erwarb sich einen Ruf als „ausgezeichneter Beobachter und sorgfältiger Faunist“,[4] galt als „ausgezeichneter Kenner“[3] der westpreußischen Avifauna und verfasste „eine Reihe wertvoller, von guter Beobachtungsgabe zeugender Arbeiten“.[2] Seine Publikationen erschienen unter anderem im Journal für Ornithologie, in der Ornithologischen Monatsschrift, in den Berichten des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Vereins sowie später in den Abhandlungen aus dem Westfälischen Provinzial-Museum für Naturkunde. Als sein bekanntestes Werk gilt der 1912 erschienene, 76-seitige Fachartikel Ornis der Tuchler Heide.[2] Im Jahr 1917 gewährte ihm die Prof. Dr. Bail-Stiftung – verwaltet von der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig und gedacht für die Förderung naturwissenschaftlicher Forschungen vornehmlich zur Landeskunde Westpreußens – 150 Mark für „ornithologische Studien“.[5]

Nach seinem Umzug nach Westfalen sah er sich mit „der Kargheit der Vogelwelt gegenüber derjenigen Ostdeutschlands“[2] konfrontiert und begann daher, sich auch mit geologischen Fragestellungen zu beschäftigen. Darüber hinaus sammelte er im Sauerland Mollusken, Libellen und Amphibien.[3] Leopold Dobbrick wollte noch eine größere, zusammenfassende Schrift über die sauerländische Vogelwelt veröffentlichen, konnte diese aber nicht mehr vor seinem frühen Tod im Alter von 56 Jahren fertigstellen.[2]

Publikationen (Auswahl)

  • L. Dobbrick: Zum Abzuge der Segler und Schwalben 1907. In: Monatsschrift des Deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt. Band 33, 1908, Seiten 247–248.
  • L. Dobbrick: Beobachtungen über den Frühlingszug der Vögel in der Tucheler Heide im Jahre 1907. In: Monatsschrift des Deutschen Vereins zum Schutze der Vogelwelt. Band 33, 1908, Seiten 517–528.
  • L. Dobbrick: Zum Abzuge des Zwergfliegenfängers (Muscicapa parva Bechst.). In: Ornithologische Monatsschrift. Band 35, № 2, Februar 1910, Seiten 117–118.
  • L. Dobbrick: Aus dem Leben des Waldwasserläufers (Totanus ochropus [L.]). In: Ornithologische Monatsschrift. Band 35, № 4, April 1910, Seiten 181–187.
  • L. Dobbrick: Sperberschlauheit. In: Ornithologische Monatsschrift. Band 35, № 6, Juni 1910, Seiten 263–264.
  • L. Dobbrick: Ornis der Tuchler Heide. In: Berichte des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Vereins. Band 34, 1912, Seiten 97–173.
  • L. Dobbrick: Unsere Baumläuferarten. In: Jahresbericht des Westpreußischen Lehrervereins für Naturkunde. 1913, Seiten 45–58.
  • L. Dobbrick: Acanthis hornemanni exilipes (Coues) und Acanthis linaria holboelli (Brehm) in Westpreußen. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 22, 1914, Seiten 79–82.
  • L. Dobbrick: Zur Ansiedlung von Carpodacus erythrinus (Pall.) in Westpreußen. In: Berichte des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Vereins. Band 37, 1915, Seiten 1–9.
  • L. Dobbrick: Die Nachtreiher-Kolonie am Draussensee. In: Berichte des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Vereins. Band 37, 1915, Seite 10.
  • L. Dobbrick: Studien an Horsten der Wiesenweihe. In: Journal für Ornithologie. Band 65, Heft 2 (= Festschrift für Anton Reichenow), 1917, Seiten 16–27.
  • L. Dobbrick: Nyroca rufina (Pall.) auf dem Drausensee bei Elbing. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 27, 1919, Seiten 30–31.
  • L. Dobbrick: Die Reiherente im Brutvogelleben westpreußischer Seen. In: Berichte des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Vereins. Band 41, 1919, Seiten 35–45.
  • L. Dobbrick: Beobachtungen an einem Mischsänger von Certhia familiaris brachydactyla. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 32, 1924, Seiten 4–6.
  • L. Dobbrick: Certhia familiaris im Sauerlande. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 32, 1924, Seiten 12–13.
  • L. Dobbrick: Ueber seltenere Brutvögel an der mittleren Ruhr. In: Jahresbericht der Zoologischen Sektion des Westfälischen Provinzial-Vereins für Wissenschaft und Kunst. Bände 50–52, 1924, Seiten 65–68.
  • L. Dobbrick: Rabenkrähen als Wintergäste und Durchzügler im nördlichen Randgebiet des Sauerlandes. In: Abhandlungen aus dem Westfälischen Provinzial-Museums für Naturkunde. Band 2, 1931, Seiten 27–33.
  • L. Dobbrick: Rotkehlchenwerbung. In: Beiträge zur Fortpflanzungsbiologie der Vögel mit Berücksichtigung der Oologie. Band 10, 1934, Seiten 125–127.

Einzelnachweise

  1. Ludwig Gebhardt: Waldemar Dobbrick zum Gedächtnis. In: Deutsche Vogelwelt – Zeitschrift für Vogelschutz und Vogelkunde. Band 77, Heft 2, 1956, Seiten 155–156.
  2. a b c d e Ludwig Schuster: Leopold Dobbrick †. In: Beiträge zur Fortpflanzungsbiologie der Vögel mit Berücksichtigung der Oologie. Bände 10/11, 1934, Seite 144.
  3. a b c Herbert Ant: Die Geschichte der Zoologie in Westfalen. In: Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen. Band 19, Heft 1 (= Festschrift „75 Jahre Westfälisches Landesmuseum für Naturkunde“), 1967, Seiten 44–64.
  4. Verstorben. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 42, 1934, Seite 96.
  5. Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 4, 1918, Seite VI.