Lars Mährholz
Lars Mährholz (* 14. Juli 1979 in Berlin) ist ein deutscher Querfront-Aktivist der neurechten Neuen Friedensbewegung.
Leben und Beruf
Nach eigenen Angaben besuchte er die Kopernikus-Oberschule in Steglitz (Westberlin) und lernte Büro- und Versicherungskaufmann bei der Allianz und Industriekletterer im Berufskletterzentrum Potsdam.[1] Auf seinen Namen sind mehrere Firmen und Vereine registriert. Er ist ehemaliger Unternehmer (im Bereich Eventmanagement, DaBrain GmbH),[2] Journalist und Berufsfallschirmspringer (SkyLars).[3] Er vermietete Ferienwohnungen, bis er 2014 als Verschwörungs-Unternehmer öffentlich auftrat. Hiernach versuchte er sich als Coach verdient zu machen.[4]
Politische Aktivitäten
Er gilt als Gründer und zentrale Figur der Friedensmahnwachen zu Beginn der Russischen Besetzung der Ukraine 2014. Er prägte die bis heute erkennbaren Praktiken der Selbstverharmlosung, Vereinnahmung linker Symboliken, der ahistorische Imitation beliebiger Vorbilder („Montagsdemonstrationen“), aber vor allem der Verbindung grundverschiedener politischer Millieus mittels Antisemitismus.[5] Erstmals kamen die „9/11-Truth Movement“ mit Reichsbürgern, Esoterikern, Fundamentalisten, der Neuen Rechten, Hippies, Druffis und der traditionellen Friedensbewegung auf der Straße zusammen.[6] Die Bewegung kann im Nachhinein als Vorgänger der rassistischen Pegida-Proteste, der Corona-Maßnahmen-Kritischen Proteste, der heutigen neuen Friedensbewegung und russland-nahen Organisationen wie dem BSW angesehen werden. Inhaltlich gibt man sich rebellisch und bezeichnet sich als „Systemkritiker“, bedient werden hauptsächlich bestehende Verschwörungsideologien (Chemtrails), klassische antisemitische Narrative (Jüdische Weltverschwörung) und rassistische Ressentiments (Wahlweise "gelenkte" oder "unkontrollierte" Migration & Great Reset).[7] Speziell an dieser Anfangszeit war der Fokus auf die Weltwirtschaft und die Kritik am sogenannten Zinssystem sowie der Antiamerikanismus, was als Anlehnung an die linke Anti-Globalisierungs-Bewegung (1999 bis 2007) und die ideologie-offenere Graswurzel-Bewegung Occupy (2011 bis 2013) verstanden werden konnte, die wiederum unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise 2007 bis 2008 und linker Hegemonie entstanden waren.
Vor den Mahnwachen 2014–2015
Mährholz gab sich „unpolitisch“, war aber in seiner Jugend CDU- und kurzzeitig FDP-Mitglied und saß von 2001 bis 2007 im Beirat des Journalistenverband "DJV" des Rechtspopulisten Torsten Witt (Bund freier Bürger).[8][9] Witt wurde u. a. mit „Montagsdemonstrationen“ gegen das geplante Holocaust-Mahnmal oder gegen die Doppelte Staatsbürgerschaft mit dem Ex-Linken Neonazi Horst Mahler bekannt.[10][11]
Friedenswinter
Mährholz gibt an, sich nach einer Lebenskrise mit Unfall, Wohnungsbrand und Autodiebstahl durch einen Facebook-Post ermutigt gefühlt zu haben, „auf die Straße zu gehen“: „Innerhalb weniger Wochen waren das 120 Städte.“[12] Am 17. März 2014 fand am Brandenburger Tor die erste „Mahnwache für den Frieden“ unter dem Motto „Für Mut und Liebe! Gegen Angst und Hass statt.“[13] Am 31. März 2014 verkündet er auf dem Potsdamer Platz „dass die (Zentralbank) Federal Reserve die Regierungsgeschäfte der Vereinten Staaten von Amerika an sich gerissen hat.“[14] Antifa-Recherchen legen nahe, dass die Bewegung nicht „spontan“ entstanden war, sondern als Gegenbewegung der pro-westlichen Maidan-Proteste auftrat.[15] Gegen die Behauptung „weder rechts noch links“ zu sein, wurde anhand prominenter rechter Redner wie KenFM, Jürgen Elsässer und Andreas Popp argumentiert.[16] „Seiner Facebook-Seite kann man entnehmen, dass er enge Verbindungen zu den rechtsextremen ‚Reichsbürgern‘ hat“, so Jutta Ditfurth laut Bochumer Stadt- und Studierenden Zeitung.[17] Auch wenn der Vergleich mit der historischen Querfront der Weimarer Republik umstritten ist[18], spricht für den Charakter einer Querfront die Beteiligung prominenter Aktivisten aus der alten und neuen Linken, wie Pedram Shahyar (attac), Reiner Braun (IPB) und Lucas Wirl (IALANA) und Diether Dehm (zu der Zeit MdB für Die Linke).[19]
"Viele der Redner_innen, vor allem aber die Moderationsbeiträge von Lars Mährholz, dem Hauptorganisator der »Mahnwachen«, wiederholen immer wieder mantra-artig »Liebe, Freiheit und Gerechtigkeit«, welche die Teilnehmenden in der Gesellschaft verbreiten wollen. Häufig erinnert das sinnentleerte Zwiegespräch zwischen Bühne und Publikum an Treffen von Sekten oder evangelikale Gottesdienste." APABIZ[20]
Mährholz vertritt Thesen, die der Reichsbürger-Szene gleichen. So seien seiner Meinung nach Personalausweis und Reispass nicht geeignet, eine deutsche Staatsbürgerschaft zu belegen. Deutschland stehe auch „unter Verwaltung“.[21]
Das Institut für Bewegungsforschung der TU Berlin stellte fest: zu den Protesten kamen relativ junge Menschen, die sich überwiegend über das Internet informierten.[22] Der Studie zufolge würden sich nur 2 % der Teilnehmenden als politisch rechts einordnen. "In dieser Hinsicht war der Initiator Lars Mährholz mit der Idee, dass die US-amerikanische Zentralbank FED an allem schuld sei, sehr erfolgreich." sagte ein Autor der Studie, Peter Ulrich der TAZ.[23]
Höhepunkt des Friedenswinter war eine größere, zentrale Demonstration am 13. Dezember 2014 vor dem Sitz des Bundespräsidenten Gauck, Schloß Bellevue in Berlin. Mitglieder der Linkspartei sympathisierten öffentlich jeweils für die Demo, an der auch KenFM teilnahm, oder mit dem anti-antisemitischen Gegenprotest.[24]
Nach den Mahnwachen
Er steht zu seinem Wirken und sagte am 21. August 2023 „Manche Mahnwachen haben bis heute durchgehalten“.[25] Wer Kritik an ihn übe, solle ihn doch erst einmal kennenlernen, schreibt er auf seiner Internetseite.[26] 2025 wurde er als Initiator der Mahnwachen von dem verschwörungsideologischen Portal Nuoviso interviewt.[27]
Siehe auch
Weblinks
- Webpräsenz von Lars Mährholz (Weiterleitung von Mahnwachen.info)
- "Lars Mährholz"-Archiv auf Vice.de
- Sein Artikel auf Inrur
- Sein Artikel auf Psiram
Einzelnachweise
- ↑ Lars Mährholz: LinkedIn-Profil von Lars Mährholz. In: LinkedIn. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz – Sonnenstaatland-Wiki. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz (DaBrain-Matrix.info): WM 2010 STUNT & AKTION SKYDIVE FOR GERMANY SCHLAND O SCHLAND. 21. Juni 2010, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz – InRuR. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Kristiana Ludwig, Erik Peter: Neue Montagsmahnwachen: Spontan für Frieden. In: Die Tageszeitung: taz. 23. Juni 2014, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. November 2025]).
- ↑ Frida Thurm: Proteste: Die ganz eigene Welt der Montagsdemonstranten. In: Die Zeit. 22. April 2014, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 21. November 2025]).
- ↑ Markus Liske: Nach der Farce die Tragödie. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Internet Archive: Scheduled Maintenance. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Torsten Witt | Antifaschistisches Infoblatt. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Stefan Lauer: Montagsdemo-Initiator Lars Mährholz verschweigt seine rechte Vergangenheit. In: VICE. 21. Mai 2014, abgerufen am 20. November 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Horst Mahlers Montags-Demonstration | Antifaschistisches Infoblatt. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz (DaBrain-Matrix.info): Transformation & Widerstand–Lars Mährholz im SHIFT Summit 2025 | Das tiefste Gespräch meines Lebens! 11. Juni 2025, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz, Benny Ott, Anna Kowalke: Wiederkehrender Facebook-Event für Friedensmahnwachen "Für Mut und Liebe". In: Facebook / heute Meta. 21. April 2014, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Sir Weiwel: MenschTV unterwegs - Mahnwache 31 03 2014. 1. April 2014, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Völkische Friedensbewegung goes Reichsbürger | antifa-berlin.info. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ "Friedensmahnwachen": Rechte, Linke, Verschwörungtheoretiker - die neue "Querfront". In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 20. November 2025]).
- ↑ Rechtsesoterische Stimme für Frieden – BSZ. 22. April 2014, abgerufen am 20. November 2025 (deutsch).
- ↑ Der Begriff Querfront. Eine historische Betrachtung | Antifaschistisches Infoblatt. Abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Christian Jakob: Neurechte Friedensbewegung: Tausend Mal berührt. In: Die Tageszeitung: taz. 13. März 2015, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 21. November 2025]).
- ↑ Nicht zu unterschätzen – »Montagsmahnwachen für den Frieden«. 26. Juni 2015, abgerufen am 22. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz im RT Deutsch-Interview: 1,5 Jahre "Mahnwachen für den Frieden". In: RT Deutsch. (rt.com [abgerufen am 21. November 2025]).
- ↑ Priska Daphi, Dieter Rucht, Wolfgang Stuppert, Simon Teune, Peter Ullrich: Occupy Frieden - Eine Befragung von Teilnehmer/innen der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ 2. Auflage. In: http://protestinstitut.eu. Technische Universität Berlin, 19. Juni 2014, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Erik Peter: Bewegungsforscher über Montagsdemos: „Anfällig für bizarre Deutungsmuster“. In: Die Tageszeitung: taz. 23. Juni 2014, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. November 2025]).
- ↑ Demo "Friedenswinter" in Berlin: Verschwörungstheoretiker, Linke und Neonazis gegen Gauck. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 22. November 2025]).
- ↑ Nuothek: Revolution des Mittelstandes. 21. August 2023, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz – DaBrain-Matrix. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Lars Mährholz – DaBrain-Matrix. Abgerufen am 20. November 2025.