Landesfrauenschule Luisenhof

Die Landesfrauenschule Luisenhof ging aus einer wirtschaftlichen Frauenschule hervor, die 1914 im Kreis Bärwalde in der Neumark gegründet wurde. Sie war dem Reifensteiner Verband angeschlossen und diente der hauswirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Ausbildung junger Frauen nach den reformpädagogischen Leitlinien dieser Bewegung. Träger der Schule war der Verwaltungsrat der Evangelischen Frauenhilfe.

Landesfrauenschule Luisenhof

Der Bau der Schule erfolgte in enger inhaltlicher Anlehnung an die Ausbildungsmodelle des Reifensteiner Verbands, der seit dem späten 19. Jahrhundert ein Netzwerk wirtschaftlicher Frauenschulen auf dem Lande aufgebaut hatte. Der Träger arbeitete bei der Planung der Schule eng mit Ida von Kortzfleisch zusammen.[1][2]

Die Schule verfügte über ein eigenes Abzeichen, die sogenannte Maidennadel, deren Gestaltung sich an zeittypischen Symbolen – Schwert und Eichenlaub – orientierte. Der Name „Luisenhof“ bezog sich auf Königin Luise von Preußen, nach der zahlreiche soziale und pädagogische Einrichtungen des frühen 20. Jahrhunderts benannt wurden. Daran erinnert auch das stilisierte L auf der Maidennadel.[1]

Bereits im Gründungsjahr 1914 konnten, nach nur einem Jahr Bauzeit, die ersten Schülerinnen aufgenommen werden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte zwar zu kurzfristigen Einschränkungen des Schulbetriebs, dieser konnte jedoch fortgeführt werden und wurde in den folgenden Jahren ausgebaut. Bis Mitte der 1920er Jahre wird die Schule mit den „neusten Ausbildungswegen und modernster Haushaltstechnik ausgestattet“.[1]

In den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich der Luisenhof zu einer etablierten Ausbildungsstätte mit einem breit gefächerten Lehrangebot. Neben der theoretischen und praktischen Haushaltsführung umfasste der Unterricht unter anderem Gartenbau, Tierhaltung, Näh- und Handarbeitskurse, Kleinkindpflege sowie Volks- und Singkurse. Ergänzend nahmen Schülerinnen an Fortbildungsangeboten und Ausstellungen teil, etwa mit Vorkochen im Rahmen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) in Berlin oder auf der Ausstellung „Grüne Woche“. Die Schule verzeichnete zeitweise eine Belegung von bis zu 140 Schülerinnen.[1]

Die Schule im Zweiten Weltkrieg

Infolge des Zweiten Weltkriegs kam es bereits 1939, zu Beginn des Polenfeldzugs, zu Einquartierungen. Ab 1942 wurde etwa die Hälfte der Schule als Lazarett beschlagnahmt und durch die Schule versorgt. In diesem Zusammenhang wurde ein Teil des Schulbetriebs in Gebäude des Gutes Heinersdorf (Kreis Lebus) verlegt. Zum Zeitpunkt der vollständigen Evakuierung des Schulbetriebs finden sich unterschiedliche Angaben; teilweise wird ein Abschluss der Verlegung bereits für das Jahr 1943 angenommen. Mit dem Heranrücken der Frontlinie erfolgte im Januar 1945 schließlich der behördliche Räumungsbefehl für die letzten verbliebenen Lehrerinnen der Schule in Bärwalde. Für das Schulgebäude war eine Sprengung vorgesehen, die jedoch nicht mehr durchgeführt wurde, sodass die Anlage erhalten blieb.[1]

Die Bärwalder Schule nach 1945

Nach dem Krieg diente das Gebäude zeitweise als Unteroffiziersschule der polnischen Armee; um 1970 wurde es als in gutem baulichen Zustand beschrieben. In späterer Zeit wurde es von einem Gymnasium mit Internat genutzt.[1]

Der historische Schulkomplex in Mieszkowice wird heute von dem „Zespół Szkół Centrum Kształcenia Rolniczego im. Osadników Wojskowych“ genutzt, einer öffentlichen landwirtschaftlichen Bildungseinrichtung.[3]

Verlegung des Luisenhofs nach Heinersdorf

Im Zuge der kriegsbedingten Auslagerung des Schulbetriebs wurde die Landesfrauenschule Luisenhof ab 1942 teilweise im Schloss Heinersdorf (Kreis Lebus) untergebracht. Die Verlegung des Schulbetriebs erfolgte unter administrativen Vorbehalten und organisatorischen Schwierigkeiten. Die organisatorische Durchführung des Umzugs oblag der zuständigen Schulleitung in Abstimmung mit den Provinzialbehörden. Dazu gehörten die Unterbringung von Schülerinnen und Lehrerinnen, die Sicherstellung des laufenden Unterrichtsbetriebs sowie die Koordination mit örtlichen Verwaltungsstellen. Der Schulbetrieb wurde unter erschwerten Bedingungen fortgeführt.[4]

Die Nutzung des Anwesens erfolgte nicht ausschließlich durch die Schule. Das Gutshaus wurde weiterhin von der Eigentümerfamilie Schulz bewohnt;[5] hinzu kamen mehrere kriegsbedingt aus Berlin evakuierte Familien. Zu den zeitweise im Gutshaus untergebrachten Personen gehörte auch die Familie des Generalleutnants Hans-Alexander von Voß, die infolge der Zerstörung ihrer Berliner Wohnung dort Aufnahme gefunden hatte. Darüber hinaus ist für diesen Zeitraum die Einquartierung einer Nachrichtenabteilung einer nach Heinersdorf verlegten SS-Formation belegt.[6]

Suizid im Schlossgarten

Im November 1944 kam es im Schlossgarten von Heinersdorf zum Suizid des dort einquartierten Generalleutnants Hans-Alexander von Voß, der als Mitwisser des Attentats vom 20. Juli 1944 galt. Zeitgenössische Berichte erwähnen, dass die Leiterin der Landfrauenschule, Margarethe van Semmern, die Schülerinnen nach dem Suizid von Voß zu einem Schweigemarsch um das Schloss aufforderte.[6]

Gut Heinersdorf – Nutzung nach 1945

Ein regulärer Schulbetrieb der Landesfrauenschule Luisenhof ist nach dem 1. Januar 1945 nicht mehr nachweisbar. Nach dem Ende des Schulbetriebs wurde das Gut Heinersdorf vielfältig nachgenutzt, unter anderem als Lazarett sowie als Wohn- und Bildungseinrichtung. Die weitere Nutzungsgeschichte des Gebäudes ist im Artikel zum Herrenhaus Heinersdorf dargestellt.[7]

Schulleitung

Zu den Leiterinnen der Landesfrauenschule Luisenhof zählen:[4][8]

Zeitraum Name Funktion
unbekannt von Tettau Direktorin
bis 1942 Josephine von Bescherer Direktorin
1942–1945 Margarethe van Semmern kommissarische Leiterin
geplant ab 1945 Elisabeth Nagel vorgesehen, eine tatsächliche Amtsübernahme ist nicht belegt.

Darstellung in der Literatur

Einen detaillierten Eindruck vom baulichen Umfeld, dem Alltag und dem sozialen Leben am Luisenhof Bärwalde vermittelt die Romanbiographie *Helga Friederike Karoline* von Lore de Chambure, deren Handlung in den 1930er Jahren, unter anderem im Jahr 1937, angesiedelt ist. Das Schulgelände wird als weitläufiger, in sich geschlossener Komplex mit Hauptgebäude, Terrassen, Maidenzimmern, Wirtschaftsgebäuden und gärtnerischen Anlagen beschrieben, der den Alltag der Schülerinnen räumlich wie organisatorisch prägte.

Der Schulalltag erscheint als streng strukturiert und gemeinschaftlich organisiert. Die Schülerinnen – als „Maiden“ bezeichnet – lebten und arbeiteten in weitgehend männerloser Umgebung und waren in Unterricht, praktische Arbeit sowie gemeinschaftliche Rituale eingebunden. Beschrieben werden unter anderem geregelte Tagesabläufe, gemeinsames Singen, formalisierte Zusammenkünfte sowie die klare Trennung von Lern-, Arbeits- und Rückzugsräumen. Die literarische Darstellung hebt dabei sowohl den hohen Anspruch an Ordnung, Disziplin und fachliche Ausbildung als auch das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl unter den Schülerinnen hervor, das durch gemeinsames Arbeiten, Wohnen und Freizeitgestaltung entstand.[8]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Luisenhof 1914–1945 – Reifensteiner Verband eV. In: Yumpu. Abgerufen am 5. Januar 2026.
  2. Der Luisenhof – eine Landfrauenschule des Reifensteiner Verbandes. (PDF) In: BrandenburgKurier, 25. Jahrgang, Nr. 1 (März 2011). Stiftung Brandenburg, abgerufen am 3. Januar 2026.
  3. Kontakt des landwirtschaftlichen Bildungszentrums in Mieszkowice. Zespół Szkół Centrum Kształcenia Rolniczego im. Osadników Wojskowych, abgerufen am 5. Januar 2026 (polnisch).
  4. a b Personalakte Margarethe van Semmern (Rep. 36157 Nr. 25 – Personalakte mit Lebenslauf, Fragebogen, Anstellungsvertrag, Besoldungsberechnung, Schriftverkehr und amtsärztlichen Zeugnissen). In: Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA). Abgerufen am 27. November 2025.
  5. Jörg Opel: Günther Schulz von Heinersdorf. (Webseite) Abgerufen am 11. Januar 2026.
  6. a b Gerhard Ringshausen: Hans-Alexander von Voß (1907–1944). (PDF) In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 52. Jahrgang, Heft 3 (Juli 2004). Abgerufen am 3. Januar 2026.
  7. Das Herrenhaus Heinersdorf – Vom Adelssitz zur Dorfgemeinschaft. (PDF) In: Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum. Denk-mal-Kultur e. V. Heinersdorf, 2023, abgerufen am 5. Januar 2026.
  8. a b Helga Friederike Karoline – Free (Romanbiographie). (PDF) In: Yumpu.com. Abgerufen am 3. Januar 2026 (Erwähnung von „Fräulein van Semmern“ im fiktiven Kontext der Landfrauenschule Luisenhof).