Lachmunds Hotel

Lachmunds Hotel (ursprünglich Hotel „Zum Kronprinzen“, später „Haus Potsdam“) war ein renommiertes Hotel und Restaurant in der Stadt Burg im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Das denkmalgeschützte Gebäude in der Bahnhofstraße 8[1] gilt als historischer Gründungsort der Initiative zum Bau des Burger Bismarckturms. Nach 1933 diente das Haus unter anderem als Parteizentrale der NSDAP und später als Verwaltungsgebäude in der DDR.[2]

Geschichte

Gründung als „Zum Kronprinzen“ (1898–1902)

Das repräsentative Gebäude wurde im Jahr 1898 errichtet. Nach der Fertigstellung eröffnete in der Villa zunächst ein Gastronomiebetrieb unter dem Namen „Zum Kronprinzen“. Die Bewirtschaftung des neu eingerichteten Restaurants wurde dem Wirt R. Wellendorf übertragen.

Ära Carl Lachmund (1902–1933)

Im Mai 1902 übernahm Carl Lachmund das Haus und benannte es in „Lachmunds Hotel“ um. Das Haus wurde in überregionalen Reiseführern als „empfehlenswertes Hotel“ geführt. Lachmund positionierte das Etablissement als „größtes und elegantestes Hotel und Restaurant am Platz“.[3][4]

Das Haus entwickelte sich schnell zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Bekannt war es für sein gehobenes kulinarisches Angebot: In Zeitungsanzeigen wurden Delikatessen wie frischer Hummer, Oderkrebse sowie holländische und englische Austern beworben. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Hauses war der 27. Mai 1906. Nach der Einweihung der benachbarten katholischen Kirche St. Johannes der Täufer richtete die Kirchengemeinde die Feierlichkeiten bei Lachmund aus. Serviert wurde ein elf Gänge umfassendes Menü, das von Krebssuppe und Rheinlachs über Riesenspargel bis hin zu tropischen Früchten reichte.

Auch politisch spielte das Hotel eine Rolle: Bereits am 29. Januar 1906 fand hier unter Leitung von Stadtrat August Paasche die Gründungsversammlung des Arbeitsausschusses für den Bau des Bismarckturm (Burg bei Magdeburg) statt.

Für politisch interessierte Bürger bot Lachmund einen außergewöhnlichen Service: Bis zu 45 Tageszeitungen und Illustrierte lagen zur Lektüre aus. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs zeigte sich der Wirt patriotisch und ergänzte das Angebot um die Deutsche Kriegszeitung, das Kriegsecho und diverse Nachrichtenblätter.

In den 1920er Jahren firmierte das Haus auch als „Lachmund’s Hotel und Weinhandlung“. Ergänzt wurde der Hotelbetrieb durch einen rechtsseitigen Anbau, der als „Klein-Lachmund’s Bierstüb’l“ eine volkstümlichere Gastronomie bot.

NS-Zeit und „Haus Potsdam“

Die Weltwirtschaftskrise brachte das Hotel in finanzielle Bedrängnis. Am 9. Januar 1932 verkündete Carl Lachmund im Burger Tageblatt, dass er gezwungen sei, die Bewirtschaftung der Gasträume wieder selbst zu übernehmen, um das Hotel zu halten.

Ein Jahr später endete die Ära Lachmund. Das Hotel wurde an den überzeugten Nationalsozialisten Otto Ulrich verkauft, welcher auch die Burger Gerichtsschenke betrieb, die zu dieser Zeit auch als „Braunes Haus“ bekannt war, Am 30. April 1933 wurde das Hotel unter dem Namen „Haus Potsdam“ neu eröffnet. In der Folgezeit diente das Gebäude nicht mehr primär als Hotel, sondern wurde zur Geschäftsstelle und Parteizentrale der NSDAP-Ortsgruppe umfunktioniert.

Nutzung in der DDR und Gegenwart

Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Villa als Verwaltungsgebäude genutzt. Sie beherbergte unter anderem die Abteilung Landwirtschaft des Rates des Kreises Burg. Die ehemaligen prunkvollen Gasträume im Erdgeschoss dienten als Betriebskantine der Kreisverwaltung.

Nach der Wiedervereinigung von 1990 stand das Gebäude zunächst leer. In den Jahren 2006 und 2007 erfolgten in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz umfangreiche Sanierungsarbeiten. Dabei wurden insbesondere das Dach und die Fenster vollständig erneuert. Im Jahr 2017 wurde die Immobilie durch die Stadtwerke Burg an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Um das Jahr 2020 befand sich der Komplex im Besitz des Corneliuswerkes, mit Plänen zum Umbau in eine soziale Einrichtung. Aktuell (2025) steht das Gebäude leer und wird auf verschiedenen Seiten zum Verkauf angeboten.[5]

Architektur

Das Gebäude ist eine typische Villa des späten 19. Jahrhunderts im Stil des Jugendstils mit Elementen der Gründerzeit.

  • Haupthaus: Das dreigeschossige Gebäude wird durch einen zentralen Mittelrisalit dominiert, der in einem geschwungenen Zwerchgiebel endet.
  • Nebengebäude: Rechts an das Haupthaus schloss sich historisch ein eingeschossiger Anbau an, der als „Klein-Lachmund’s Bierstüb’l“ diente und über eine eigene Toreinfahrt für die Weinhandlung verfügte.
Commons: Lachmunds Hotel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Google Maps. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  2. Lachmund – Burg bei Magdeburg und Umgebung. Archiviert vom Original am 23. September 2020; abgerufen am 16. Dezember 2025 (deutsch).
  3. Ansichtskarte / Postkarte Burg bei Magdeburg, Lachmunds Hotel, Wein-Verkauf: (1918) Manuskript / Papierantiquität | akpool GmbH. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  4. Ak Burg bei Magdeburg, Kreishaus.. | Ansichtskarten günstig. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  5. Haus zum Verkauf, 39288 Sachsen-Anhalt - Burg. Abgerufen am 16. Dezember 2025.

Koordinaten: 52° 16′ 36,4″ N, 11° 50′ 51,2″ O