Landgericht Konstanz
Das Landgericht Konstanz ist ein Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit, dessen Zuständigkeit die Bezirke von sieben Amtsgerichten umfasst.
Gerichtsbezirk und -sitz
Der Sitz des Gerichtes ist Konstanz. In Villingen-Schwenningen unterhält das Landgericht eine Außenstelle, in der auch Gerichtsverhandlungen durchgeführt werden. Zum Bezirk des Landgerichtes Konstanz gehören elf staatliche Notariate und sieben Amtsgerichte:
Donaueschingen, Konstanz, Radolfzell, Singen am Hohentwiel, Stockach, Überlingen und Villingen-Schwenningen.
Der Landgerichtsbezirk umfasst rund 590.000 Einwohner.[1]
Gebäude
Hauptgebäude des Gerichts ist der historische Blarersche Domherrenhof, der (bis) 1620 von Johann Jakob Blarer von Wartensee an der heutigen Adresse Gerichtsgasse 15 erbaut wurde.[2] Dieses Gebäude konnte nach umfangreichen Umbaumaßnahmen 1847 durch das damals noch Hofgericht genannte Gericht bezogen werden. In der Folgezeit wird von vielen baulichen Mängeln berichtet, insbesondere die schlechte Heizung führte zu Beschwerden und weiteren Baumaßnahmen.[3]
Wirkliche Abhilfe gab es erst im 20. Jahrhundert. 1962 konnte der vom Leiter des Staatlichen Hochbauamts Franz Hitzel und seinem Mitarbeiter Johannes Weber entworfene moderne Erweiterungsbau bezogen werden. Es handelt sich dabei um eine zeittypische Beton-Skelettkonstruktion, die im Süden über einem transparenten Zwischenbau an den Altbau angeschlossen ist. Dort befindet sich der heutige Haupteingang, weshalb die Adresse des Landgerichts jetzt Untere Laube 27 lautet. Vier Flügel – einer davon, etwas höher, enthält den neuen Gerichtssaal – umgeben einen grünen Innenhof. Der zweistöckige Flachdachbau von 1964 gilt als bedeutendes Beispiel der Nachkriegsarchitektur in Konstanz.[4]
Einige Abteilungen des Landgerichts sind in anderen Gebäuden in naher Umgebung untergebracht, etwa im früheren Bischöflichen Spital (Torgasse 6) oder im früheren Gebäude der IHK in der Schützenstraße 8.
Übergeordnete Gerichte
Das Gericht ist dem Oberlandesgericht Karlsruhe untergeordnet.
Aufbau
Das Landgericht Konstanz besteht aus insgesamt sechs Zivil-, neun Straf- und drei Kammern für Handelssachen. Die 1. und die 6. Zivilkammer sind Berufungs- und Beschwerdegerichte. Bei der 1. und 3. Strafkammer handelt es sich um große Strafkammern, die 5. und 6. sind kleine Strafkammern. Als Schwurgericht fungiert die 4. Strafkammer. Die Aufgabe der Jugendkammer nehmen die 2. (große Jugendkammer) und 7. (kleine Jugendkammer) Strafkammer wahr.[5] Derzeit sind 33 Richter mit rund 65 weiteren Mitarbeitern am Landgericht tätig.
Geschichte
Das Landgericht ist aus dem seit 1836 in Konstanz residierenden badischen Hofgericht hervorgegangen. Zuvor bestand das Hofgericht Meersburg, das 1813 als viertes Hofgericht im Großherzogtum Baden errichtet worden war.[6]
Im Jahr 1857 wurden im Großherzogtum Baden die Amtsgerichte eingeführt und damit die Trennung von Judikative und Exekutive vorangetrieben. Dem Hofgericht Konstanz waren die Amtsgerichte Blumenfeld, Bonndorf, Konstanz, Donaueschingen, Engen, Meersburg, Meßkirch, Neustadt, Pfullendorf, Radolfzell, Salem, Stockach, Stühlingen, Überlingen und Villingen zugeordnet.
Im Zuge der Großen Badischen Justizreform im Jahr 1864 wurden an Stelle der vier Hofgerichte sechs Kreisgerichte und fünf Kreis- und Hofgerichte errichtet. Das Hofgericht Konstanz wurde zum Kreis- und Hofgericht Konstanz. Parallel dazu entstanden die Kreisgerichte Waldshut und Villingen. Das Amtsgericht Bonndorf wurde dem Kreisgericht Waldshut zugeordnet, die Amtsgerichte Villingen und Donaueschingen dem Kreisgericht Villingen. Die Amtsgerichte Blumenfeld, Salem und Stühlingen wurden aufgehoben. Das Amtsgericht Neustadt wurde dem Kreis- und Hofgericht Freiburg zugeordnet.
Das Kreisgericht Villingen wurde bereits im Jahr 1872 aus Kostengründen wieder aufgelöst, wobei die Amtsgerichte Villingen und Donaueschingen dem Kreis- und Hofgericht Konstanz zugeordnet wurden. Dem Amtsgericht Villingen wurden Teile des aufgelösten Amtsgerichts Triberg zugeschlagen. Gleichzeitig wurde das Amtsgericht Meersburg aufgehoben und dem Amtsgericht Überlingen zugeordnet.[7] Mit Inkrafttreten der Reichsjustizgesetze im Jahr 1879 wurde das Kreis- und Hofgericht Konstanz zum Landgericht Konstanz.
Im Jahr 1929 wurde das Amtsgericht Singen errichtet.
Im Zuge der Kommunalreform von 1973 wurden auch die Gerichtsbezirke angepasst. Die Amtsgerichte Pfullendorf, Engen und Meßkirch wurden aufgehoben. Die Amtsgerichte Pfullendorf und Meßkirch wurden größtenteils dem Amtsgericht Sigmaringen und damit dem Landgericht Hechingen und dem Oberlandesgericht Stuttgart zugeordnet. Weitere Anpassungen der Gerichtsbezirke waren erforderlich, um zu verhindern, dass sich Teilorte einer Gemeinde in unterschiedlichen Amts- und Landgerichtsbezirken befanden.[8]
Siehe auch
Literatur
- Hans-Wolfgang Strätz: 175 Jahre Hof- und Landgericht Konstanz. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1988
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Zuständigkeit. Landgericht Konstanz, abgerufen am 30. August 2023.
- ↑ siehe Inschrift über dem Portal
- ↑ Hans-Wolfgang Strätz: 175 Jahre Hof- und Landgericht Konstanz. 2. erweiterte Auflage. Universitätsverlag Konstanz GmbH, 1994, ISBN 3-87940-352-X, S. 70 ff.
- ↑ Frank Mienhardt: Erweiterung Landgericht. In: Markus Löffelhardt (Hrsg.): Konstanz Kreuzlingen Architektur seit 1918. 1. Auflage. Edition Quadrat in Edition Panorama, 2017, ISBN 978-3-941001-31-2, S. 224.
- ↑ vgl. Geschäftsverteilungsplan des Landgerichts Konstanz unter http://www.landgericht-konstanz.de/pb/,Lde/Startseite/Landgericht/Geschaeftsverteilung
- ↑ Hans-Wolfgang Strätz: 175 Jahre Hof- und Landgericht Konstanz. Universitätsverlag Konstanz, Konstanz 1988, Seite 9.
- ↑ Baden: Gesetzes- und Verordnungs-Blatt für das Großherzogthum Baden: 1872. Malsch & Vogel, 1872, S. 8 (google.de [abgerufen am 15. November 2025]).
- ↑ Gesetzblatt für Baden-Württemberg Nr. 2 1974. Stuttgart 18. Januar 1974, S. 25- 27.
Koordinaten: 47° 39′ 53,3″ N, 9° 10′ 27,9″ O