Lê Quang Đạo

Lê Quang Đạo (* 8. August 1921 in Từ Sơn, Provinz Bắc Ninh, Französisch-Indochina; † 24. Juli 1999 in Hanoi) war ein vietnamesischer Offizier sowie zuletzt Generalleutnant der Volksarmee und Politiker der Kommunistischen Partei KPV, der unter anderem zwischen 1987 und 1992 Präsident der Nationalversammlung und zugleich stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates sowie von 1994 bis zu seinem Tode 1999 Vorsitzender der Vaterlandsfront war.

Leben

Lê Quang Đạo nahm als Mitglied der Demokratischen Jugendbewegung (Thanh niên Dân chủ) mit seinem Onkel Nguyễn Duy Thân an revolutionären Aktivitäten gegen die Kolonialmacht von Französisch-Indochina teil und wurde 1940 Mitglied der Indochinesischen Kommunistischen Partei (Đảng Cộng sản Đông Dương). Er war später in den Parteikomitees von Hanoi und der Provinz Bắc Giang tätig und trat während des Indochinakrieges in die Volksarmee (Quân Đội Nhân) ein. Während des Krieges nahm mit der Liga für die Unabhängigkeit Vietnams (Việt Nam Ðộc Lập Ðồng Minh Hội) er unter anderem an der Schlacht an der Route Coloniale 4 (30. September bis 7. Oktober 1950) sowie der Schlacht um Điện Biên Phủ (13. März bis 8. Mai 1954) teil und war zwischen Januar 1951 und 1955 Leiter der Propagandaabteilung der Politischen Hauptabteilung der Volksarmee. Im Juni 1954 gehörte er als Oberst zu den Verbindungsoffizieren des Oberkommandos der Volksarmee, die mit der Überwachung des Friedens im Zuge der Genfer Indochinakonferenz.[1]

Nach Ende des Indochinakrieges übernahm er weitere Funktionen innerhalb der Volksarmee und war zwischen Mai 1955 und 1976 stellvertretender Leiter der Hauptabteilung für Politik der vietnamesischen Volksarmee, wodurch er Stellvertreter von Nguyễn Chí Thanh[2] beziehungsweise ab 1961 von Song Hào.[3] 1959 wurde er zum Generalmajor befördert. Auf dem Dritten Parteitag (5. bis 10. September 1960) der damaligen Partei der Werktätigen Vietnams PdWV (Đảng Lao động Việt Nam) wurde er zudem Kandidat des Zentralkomitees der PdWV und fungierte von 1961 bis zu seiner Ablösung durch Lê Đình Thiệp 1962 außerdem als Oberster Richter des Zentralen Militärgerichts. Während des Vietnamkrieges war er insbesondere an Planung, Organisation und Durchführung der Schlacht um Khe Sanh (21. Januar bis 9. Juli 1968), der Operation Lam Son 719 (8. Februar bis 24. März 1971), der Schlacht um Quảng Trị (30. März bis 1. Mai 1972) sowie der Hồ Chí Minh-Kampagne (26. April bis 30. April 1975) beteiligt. Zum Ende des Krieges wurde er des Weiteren nach seiner Beförderung zum Generalleutnant 1974 als Nachfolger von Lê Hiến Mai Direktor der Militärpolitischen Akademie und behielt diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Lê Xuân Lựu 1981.

Nach Ende des Vietnamkrieges und der Wiedervereinigung Vietnams wurde Lê Quang Đạo auf dem Vierten Parteitag (14. bis 20. Dezember 1976) erstmals zum Mitglied des ZK der der nunmehrigen Kommunistischen Partei KPV (Đảng Cộng sản Việt Nam) gewählt und gehörte diesem Parteigremium nach seiner Wiederwahl auf dem Fünften (27. bis 31. März 1982) und Sechsten Parteitag (15. bis 18. Dezember 1986) bis zum 27. Juni 1991 an. Gleichzeitig war er nach dem Fünften Parteitag und seiner Bestätigung auf dem Sechsten Partei vom 20. Dezember 1976 bis zum 18. Dezember 1986 fast zehn Jahre lang Mitglied des Sekretariats des ZK[4][5][6][7] und fungierte daneben als Nachfolger von Bùi Thanh Khiết zwischen 1984 und seiner Ablösung durch Đặng Quốc Bảo im Juni 1987 als Vorsitzender des Zentralkommission für Wissenschaft und Bildung.

Im Anschluss wurde er 1987 Mitglied der Nationalversammlung (Quốc hội Việt Nam) und gehörte dieser in der achten, neunten und zehnten Legislaturperiode bis zu seinem Tode am 24. Juli 1999 an. Unmittelbar darauf wurde er am 17. Juni 1987 als Nachfolger von Nguyễn Hữu Thọ[8] Präsident der Nationalversammlung[9] und bekleidete das Amt des Parlamentspräsidenten bis zu seiner Ablösung durch Nông Đức Mạnh[10] am 23. September 1992. Gleichzeitig war er zwischen dem 17. Juni 1987 bis zum 23. September 1992 Vizepräsident des Staatsrates und damit Stellvertreter von Staatspräsident (Vorsitzender des Staatsrates) Võ Chí Công.[11] Zuletzt übernahm er als Nachfolger von Nguyễn Hữu Thọ am 17. August 1994 Vorsitzender und Sekretär des Parteikomitees des Zentralrates der Vietnamesischen Vaterländischen Front (Mặt Trận Tổ Quốc Việt Nam), die Dachorganisation der „Massenbewegung“ des Blockparteiensystems mit engen Verflechtungen zur Kommunistischen Partei und der Regierung, und bekleidete diese Funktionen bis zu seinem Tode am 24. Juli 1999, woraufhin Phạm Thế Duyệt seine Nachfolge antrat. Er war mit Nguyễn Thị Nguyệt Tú verheiratet und wurde nach seinem Tode auf dem Mai Dịch-Friedhof in Hanoi beigesetzt.

Veröffentlichung

  • Đại đoàn kết dân tộc vì sự nghiệp dân giàu, nước mạnh, xã hội công bằng, văn minh, („Große nationale Einheit für ein reiches Volk, ein starkes Land, eine gerechte und zivilisierte Gesellschaft“), Hanoi 1996

Literatur

  • Lê Quang Đạo, tuyển tập, („Le Quang Dao, Anthologie“), Hanoi 2009
  • Nguyễn Duy Hùng (Herausgeber): Lê Quang Đạo tiểu sử, („Le Quang Dao Biographie“), Hanoi 2021
  • Nguyễn Quang Bắc, Nguyễn Nguyệt Tĩnh (Herausgeber): Nhật ký Quảng Trị 1972, („Quang Tri Tagebuch 1972“), Hanoi 2022

Einzelnachweise

  1. Genf behandelt Überwachung des Waffenstillstandes, in: Neues Deutschland vom 27. Juni 1954
  2. Đại tướng Nguyễn Chí Thanh. In: Vietnamesische Regierung (Volksarmee). Abgerufen am 26. September 2025 (vietnamesisch).
  3. Thượng tướng Song Hào. In: Vietnamesische Regierung (Volksarmee). Abgerufen am 26. September 2025 (vietnamesisch).
  4. Fest und geeint gehen Vietnams Kommunisten an ihre Aufgabe. IV. Parteitag fasste weitreichende Beschlüsse über den Aufbau des Sozialismus im ganzen Land. Im Dienst des ganzen werktätigen Volkes, in: Neues Deutschland vom 21. Dezember 1976
  5. DDR-Delegation gab in Hanoi einen Empfang. Herzlichkeit und Freundschaft prägten das Beisammensein am Sonnabend im Präsidentenpalast, in: Neues Deutschland vom 5. Dezember 1977
  6. Beratung von ZK-Sekretären der Bruderparteien in Sofia. Horst Dohlus überbrachte Kampfesgrüße Erich Honeckers, in: Neues Deutschland vom 30. Mai 1984
  7. Beratung von Sekretaren der ZK kommunistischer und Arbeiterparteien sozialistischer Länder, in: Neues Deutschland vom 31. Mai 1984
  8. Nguyen Huu Tho. In: rulers.org. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  9. Staatsoberhaupt und Regierungschef Vietnams gewählt, in: Neues Deutschland vom 19. Juni 1987
  10. Nong Duc Manh. In: rulers.org. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
  11. Vo Chi Cong. In: rulers.org. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).