Kurt Schlosser

Kurt Paul Schlosser (* 18. Oktober 1900 in Dresden; † 16. August 1944 ebenda) war ein Dresdner Bergsteiger, Kommunist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn wegen „Hochverrats und Feindbegünstigung“ zum Tode, er wurde auf dem im Richthof des Dresdner Landgerichtes Münchner Platz hingerichtet.

Leben

Kurt Schlosser wurde 1900 als fünftes von acht Kindern des Schuhmachers Josef Schlosser (1860–1944) und seiner Ehefrau Helene Clara, geb. Poley (1863–1946) in Dresden geboren. Kurz nach Beginn seiner Ausbildung zum Möbeltischler 1915 verlor er durch einen Betriebsunfall seinen rechten Unterarm.[1] Trotzdem bestand er seine Gesellenprüfung und fand 1919 eine Anstellung in den Deutschen Werkstätten Hellerau als Polierer, Beizer und Anschläger (Beschläge-Montierer). Er trat dem Deutschen Holzarbeiterverband bei und wurde Betriebsratsmitglied.

Im April 1930 sollte Kurt Schlosser wegen der angeblichen Beleidigung eines Mitglieds der Direktion der Deutschen Werkstätten Hellerau entlassen werden, was er aber vor Gericht zunächst abwenden konnte.[2] Zum Jahresende 1930 verlor Schlosser jedoch im Rahmen einer Entlassungswelle seinen Arbeitsplatz. Daraufhin richtete eine eigene Tischlerwerkstatt in der Leipziger Straße in Dresden ein.

Bereits 1923 hatte sich Schlosser der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angeschlossen. Ob er tatsächlich 1931 aus der Partei wieder austrat, weil diese ihn in seiner Arbeitslosigkeit nicht materiell unterstützte, wie er später in einem Verhör angab, ist nicht geklärt.[3] Jedenfalls bewegte er sich weiterhin in kommunistischen Kreisen. Im November 1931 wurde Schlosser aus politischen Gründen von den sozialdemokratisch geprägten „Naturfreunden“ ausgeschlossen. Trotz seines fehlenden rechten Unterarms hatte sich Kurt Schlosser nämlich bereits in seiner Lehrzeit zu einem begeisterten Bergsteiger entwickelt. Er schloss sich nun der „Naturfreunde-Opposition. Vereinigte Kletterabteilungen (NFO-VKA)“ an, die sich im Juli 1930 nach dem Ausschluss des kommunistischen Vorsitzenden der Kletterabteilung der Naturfreunde, Erich Glaser, gegründet hatte. Mitte der 1920er-Jahre war Schlosser drei Jahre lang Obmann der Fotoabteilung der NFO-VKA. Von 1931 an war er Organisationsleiter der Gesangsabteilung. Seine Fähigkeiten als Tischler setzte der umtriebige Schlosser in den Aus- und Umbau von Naturfreunde-Häusern in der Sächsischen Schweiz ein.

Politischer Widerstand und Hinrichtung im Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der erzwungenen Auflösung der Arbeitersportgruppen, gehörte Kurt Schlosser nicht zu jenen, die aktiv Widerstand leisteten. 1934 fand bei ihm zwar eine Hausdurchsuchung statt, Schlosser wurde jedoch nicht verhaftet. Einem früheren Mitglied der Gesangsabteilung zufolge wollte er in diesen Jahren „in nichts verwickelt werden und nicht auffallen“.[4] Er blieb ein aktiver Bergsteiger, seit 1935 gehörte er der Sektion Meißner Hochland beim Deutsch-Österreichischen Alpenverein an.

1942/43 änderte sich Schlossers politische Haltung: Gemeinsam mit früheren Genossen verfolgte er die Idee, Vertrauensleute der illegalen KPD in Dresdner Betrieben zu installieren. Im Augenblick des Zusammenbruchs der NS-Herrschaft sollten diese die Kontrolle übernehmen. Allerdings verriet der Teilnehmer Kurt Sindermann die Zusammenkünfte in Schlossers Werkstatt an die Gestapo. Am 3. Dezember 1943 wurden Herbert Blochwitz, Arthur Weineck und Kurt Schlosser verhaftet, noch bevor sie Kontakte zu möglichen Vertrauensleuten in den Betrieben aufgebaut hatten.

In einem nichtöffentlichen Prozess am 30. Juni 1944 vor dem in Dresden tagenden Zweiten Senat des Volksgerichtshofs wurden Herbert Blochwitz, Arthur Weineck, Otto Galle und Kurt Schlosser zum Tode wegen „Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung“ verurteilt. Frieda Landgraf, die Geliebte Schlossers, wurde als Mitwisserin zu einer fünfjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.[5] Die vier zum Tode Verurteilten, darunter Kurt Schlosser, starben am 16. August 1944 im Richthof des Dresdner Landgerichts am Münchner Platz unter dem Guillotine.

Privates

Kurt Schlosser heiratete 1923 Frieda Wallisch aus Dresden. Bereits im April 1922 hatten sie den gemeinsamen Sohn Heinz Schlosser (1922–2001) bekommen, der später ein wichtiger Sportfunktionär in der DDR wurde. Es blieb ihr einziges Kind. Mit Frieda Landgraf, die mit ihm 1944 verurteilt wurde, hatte Kurt Schlosser eine langjährige Beziehung.

Erinnerung und Gedenken

In der Deutschen Demokratische Republik (DDR) wurde der Widerstand der Gruppe um Kurt Schlosser überhöht. Aus einer eher losen, nur kurzzeitig aktiven und keineswegs von der Partei gesteuerten Gruppe wurde im Nachhinein die Leitung des „KPD-Bezirks“ Dresden.[6] In der öffentlichen Erinnerung wurde die Gruppe zunehmend auf den Namen Kurt Schlosser reduziert, der zu einem heldenhaften Widerstandskämpfer stilisiert wurde. Daran hatte sein Sohn Heinz Schlosser einen entscheidenden Anteil: Dieser veröffentlichte ab den 1950er-Jahren eine ganze Reihe von Beiträgen über seinen Vater – und regte die Benennung von zahlreichen Kollektiven und Institutionen nach seinem Vater an.

Seit 1949 trägt zudem der Sächsische Bergsteigerchor Kurt Schlosser seinen Namen.[7] Dies trägt bis heute zur öffentlichen Bekanntheit Kurt Schlossers bei. 1962 wurde die Josephinenstraße in Dresden in Kurt-Schlosser-Straße umbenannt. 1963 brachte die DDR ihm zum Gedenken eine Briefmarke heraus.

Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR 1989 wurde die Erinnerung an den kommunistischen Widerstand im Nationalsozialismus vielerorts getilgt. Auch die „Ehrennamen“, die an Kurt Schlosser erinnerten, verschwanden weitgehend. Die Kurt-Schlosser-Straße in Dresden erhielt wieder ihren ursprünglichen Namen Josephinenstraße, während in Riesa der Straßennamen bestehen blieb.

Bis heute sind in Dresden einige Erinnerungszeichen an Kurt Schlosser erhalten:

  • Seit 1958 befindet am Werkeingang der Deutschen Werkstätten Hellerau, der früheren Arbeitsstätte Kurt Schlossers, eine Gedenktafel auf einem Stein.
  • Seit 1965 steht der Name „Kurt Schlosser“ auf einem Gedenkstein „zu Ehren der Opfer des Faschismus“ auf dem Ehrenhain des Heidefriedhofs in Dresden.
  • In der Pöppelmannstraße 2 in der Johannstadt – vor dem langjährigen Probelokal des Bergsteigerchors – befindet sich ein Denkmal, das ursprünglich an anderer Stelle gestanden hat.
  • In der Leipziger Straße 72 im Dresdner Stadtteil Pieschen wurde 2015 an der Stelle, an der sich früher Schlossers Werkstatt befunden hatte, ein Stolperstein zur Erinnerung an Kurt Schlosser verlegt.

Literatur

  • Birgit Sack: Kurt Schlosser (1900–1944). Widerstandskämpfer und Erinnerungsfigur. In: Das „linke“ Dresden. Eine Spurensuche über 100 Jahre (= Dresdner Hefte 35. Jg. Heft 130 2/2017). Dresdner Geschichtsverein e. V., Dresden 2017, S. 66–73.
  • Peter Salzmann: Bergfreundschaft: Aus der Chronik des Bergsteigerchors „Kurt Schlosser“. Transpress-Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1987.

Einzelnachweise

  1. Peter Salzmann: Bergfreundschaft: Aus der Chronik des Bergsteigerchors »Kurt Schlosser«. Transpress-Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1987, S. 88.
  2. Birgit Sack: Kurt Schlosser (1900–1944). Widerstandskämpfer und Erinnerungsfigur. In: Das „linke“ Dresden. Eine Spurensuche über 100 Jahre (= Dresdner Hefte 35. Jg. Heft 130 2/2017). Dresdner Geschichtsverein e. V., Dresden 2017, S. 67.
  3. Birgit Sack: Kurt Schlosser, S. 67.
  4. Birgit Sack: Kurt Schlosser, S. 68.
  5. Birgit Sack: Kurt Schlosser, S. 70.
  6. SED-Bezirksleitung Dresden (Hrsg.): Zum Höchsten der Menschheit. Chronik zur Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes im Bezirk Dresden 1933-1945, Dresden 1977, S. 61f.
  7. Peter Salzmann: Bergfreundschaft, S. 38.