Gedenkstätte Münchner Platz Dresden

Die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden ist ein Ort des Gedenkens an die Opfer politischer Strafjustiz im früheren Landgerichtsgebäude am Münchner Platz in der Dresdner Südvorstadt. Die Dauerausstellung sowie Ausstellungstafeln in den Gebäuden und Höfen des ehemaligen Justizkomplexes erinnern an das durch die Justiz begangene Unrecht während des Nationalsozialismus, der sowjetischen Besatzungszone und der frühen DDR.

Bedeutend ist der historische Ort insbesondere als frühere Hinrichtungsstätte: Am Münchner Platz in Dresden wurden während des Nationalsozialismus rund 1330 Menschen hingerichtet, davon rund zwei Drittel Tschechinnen und Tschechen. In der DDR ließ die Justiz dort weitere 83 Menschen töten. Zwischen 1952 und 1956 befand sich in einem Gebäude des Justizkomplexes die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR.

Nach der Übernahme des Gebäudekomplexes durch die Technische Hochschule Dresden richtete diese dort 1959 eine Gedenkstätte ein. Seit 1994 befindet sich die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden in Trägerschaft der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Die Gedenkstätte betreibt wissenschaftliche Forschung, vermittelt Besucherinnen und Besuchern die Geschichte des Ortes und organisiert Veranstaltungen. Seit 1999 leitet Birgit Sack die Gedenkstätte.

Unrechtsjustiz in Dresden

Nationalsozialismus

Während der nationalsozialistischen Diktatur wirkte die Justiz an der politischen Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung von Menschen mit. So führte das Dresdner Landgericht zahlreiche Verfahren auf Grundlage neuer Gesetze und Verordnungen durch, unter anderem wegen sogenannter „Rassenschande“. Darüber hinaus nutzten verschiedene Sondergerichte – insbesondere jene aus Freiberg, Dresden und Leslau (damals „Reichsgau Wartheland“, heute Włocławek) – den Münchner Platz als Gerichtssitz oder Tagungsort. Auch der in Berlin ansässige Volksgerichtshof hielt hier Verhandlungen ab. Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts verurteilten dessen Richter vor allem Mitglieder des tschechoslowakischen Widerstands aus dem „Protektorat Böhmen und Mähren“ sowie dem „Sudetengau“ und verhängten zahlreiche Todesurteile. Ebenso standen deutsche Kommunisten aus Sachsen vor dem Volksgerichtshof. Zusätzlich führte das Oberlandesgericht Posen am Münchner Platz Prozesse gegen polnische Widerstandskämpfer aus dem „Reichsgau Wartheland“ auf Grundlage der sogenannten „Polenstrafrechtsverordnung“.[1]

Ab 1936 gehörte der Münchner Platz zu den zunächst zwölf dauerhaft eingerichteten Hinrichtungsstätten des nationalsozialistischen Staates. Insgesamt wurden dort während der NS-Herrschaft 1.343 Menschen hingerichtet. Mit 848 Opfern – und einem Anteil von fast zwei Dritteln – stellen Tschechinnen und Tschechen die weitaus größte Gruppe, noch vor Deutschen und Polen.[2] Unter den Hingerichteten befanden sich außerdem Regimekritiker, Deserteure der Wehrmacht sowie Personen, die wegen Mordes oder anderer schwerer Gewaltverbrechen verurteilt worden waren.

Zur Geschichte des Justizunrechts in Dresden während des Nationalsozialismus gehört jedoch auch das Oberlandesgericht Dresden auf der Pillnitzer Straße. Zusammen mit dem angeschlossenen Gerichtsgefängnis auf der Mathildenstraße war es bis 1945 eng mit dem Justizkomplex am Münchner Platz verknüpft. So verurteilte auch das Oberlandesgericht Dresden politische Gegner und übernahm „minderschwere“ Fälle von Hoch- und Landesverrat im „Protektorat Böhmen und Mähren“. Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte mindestens acht Menschen wegen „öffentlicher Zersetzung“ zum Tode.[3]

Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurde der Justizkomplex am Münchner Platz teilweise zerstört. Das Oberlandesgericht mit angeschlossener Haftanstalt in der Mathildenstraße fiel vollständig in Trümmer. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Roten Armee kam es am 7. Mai 1945 am Münchner Platz zur Freilassung der noch verbliebenen Häftlinge.[4]

Sowjetische Besatzung und frühe DDR

In der Zeit nach Kriegsende bis etwa Mitte 1950 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht die Gebäude am Münchner Platz als Untersuchungs- und Durchgangsgefängnis sowie als Sitz eines Militärtribunals. Unter den dort Inhaftierten und Verurteilten befanden sich sowohl schwer belastete Kriegsverbrecher als auch niedrigere und mittlere Funktionäre der NSDAP und ihrer Organisationen. Gleichzeitig wurden jedoch auch Menschen ohne tragfähige Anschuldigungen festgehalten sowie Personen, die sich gegen die sich etablierende Diktatur in der SBZ und späteren DDR ausgesprochen hatten.[5]

Parallel dazu führte die ostdeutsche Justiz in den unzerstört gebliebenen Teilen der Haftanstalt Prozesse wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Dazu zählten unter anderem Verfahren gegen Ärzte und Pflegepersonal, die an den Krankenmorden in Pirna-Sonnenstein und anderen sächsischen „Pflegeanstalten“ beteiligt gewesen waren. In späteren Jahren verurteilten das Dresdner Landgericht und das daraus hervorgegangene Bezirksgericht an diesem Ort auch Menschen, die Widerstand gegen das politische System der DDR leisteten.

Bis zur Auflösung der ostdeutschen Länder im Jahr 1951 war die Hinrichtungsstätte in Dresden neben Zwickau für die Vollstreckung von Todesurteilen der sächsischen Justiz zuständig. Ab 1952 fungierte der Münchner Platz als zentrale Hinrichtungsstätte der DDR. Zwischen 1952 und 1956 wurden dort insgesamt 66 Todesurteile vollstreckt, die von den Bezirksgerichten der DDR oder vom Obersten Gericht in Berlin verhängt worden waren.[6] Unter den Hingerichteten befanden sich Beteiligte am Volksaufstand vom 17. Juni 1953, Mitglieder von Widerstandsorganisationen, abtrünnige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit sowie Mörder und NS-Verbrecher.

Hinrichtungsopfer

Hingerichtet wurden am Münchner Platz unter anderem folgende Personen:

Ausstellungen

Dauerausstellung

Die DauerausstellungVerurteilt. Inhaftiert. Hingerichtet. Politische Justiz in Dresden 1933–1945 || 1945–1957“ ist in drei thematische Ausstellungsbereiche gegliedert: die nationalsozialistische Strafjustiz von 1933 bis 1945, die Strafjustiz der sowjetischen Besatzungsmacht in den Jahren 1945 bis 1950 sowie die ostdeutsche Strafjustiz in der SBZ und der frühen DDR von 1945 bis 1957. In allen drei Bereichen wird insbesondere die Rolle des Justizareals am Münchner Platzes in seiner mehrfachen Funktion als Gericht, Haftanstalt und Hinrichtungsstätte dargestellt.

Die Ausstellung zeigt insgesamt rund 700 Fotografien, Zeichnungen, Objekte und Schriftstücke. Ergänzt wird die Präsentation durch Medienstationen, an denen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren persönlichen Erfahrungen berichten. Im Zentrum der Ausstellung stehen ausgewählte Lebensgeschichten von Menschen aus unterschiedlichen Opfergruppen und Verfolgungszusammenhängen.[9]

Die Ausstellung im Georg-Schumann-Bau der TU Dresden ist direkt vom Münchner Platz aus zugänglich sowie vom früheren Richthof aus.

Tafel-Ausstellung in den Gebäuden und im Außengelände

Auf dem Gelände des früheren Justizkomplexes sowie in den einzelnen Gebäuden informieren insgesamt 19 Text- und Bildtafeln über einzelne historische Orte und Denkmäler. Die Tafeln sind aufgrund ihrer roten Farbe und ihrer gitterartigen Struktur leicht zu finden.[10] Die Markierungen geben Auskunft über ausgewählte sichtbare Spuren, verweisen aber auch auf Orte, wo nichts oder fast nichts mehr von der ursprünglichen Nutzung erkennbar ist. Das betrifft etwa die frühere Gefängniskapelle im Hülsse-Bau, heute ein Festsaal der Wirtschaftswissenschaften, oder die frühere zentrale Hinrichtungsstätte der DDR-Justiz im Untergeschoss des heutigen Tillich-Baus.

Historische Gebäude und Höfe

Die Gedenkstätte befindet sich auf dem Areal des früheren Dresdner Landgerichts. Der 1907 eröffnete Justizkomplex am Münchner Platz in Dresden bestand aus drei zentralen Einrichtungen: dem Landgericht, einer Untersuchungshaftanstalt mit vier Flügeln sowie einer Hinrichtungsstätte, die sich im Innenhof des Gerichtsgebäudes befand.

Justizgebäude (Georg-Schumann-Bau)

Das imposante Gebäude des früheren Dresdner Landgerichts mit seinem 60 Meter hohen Uhrenturm (heute Georg-Schumann-Bau) verbindet stilistisch die Strenge und Monumentalität der Reformarchitektur mit funktionsbezogener Sachlichkeit, wobei es Elemente des Jugendstils und historische Assoziationen einbezieht.[11] Das Justizgebäude ist über den Haupteingang vom Münchner Platz aus zugänglich: Über eine große Eingangshalle gelangt man zu den Treppenhäusern und Aufzügen. Auf drei Stockwerken waren die Straf- und Zivilkammern des Landgerichts untergebracht, die Staatsanwaltschaft hatte hier Verhörzimmer, ebenso die Untersuchungsrichter. Auch das Dresdner Amtsgericht nutzte hier zunächst Räume.

Das Justizgebäude verfügte über insgesamt acht Verhandlungssäle. Der größte Gerichtssaal – der Schwurgerichtssaal im zweiten Stock – ist heute der größte Vorlesungsraum (A/251). Hier fanden besonders große und öffentlichkeitswirksam inszenierte Prozesse der NS-Sondergerichte statt. Während des Nationalsozialismus nutzte auch der Volksgerichtshof diesen Saal. In der frühen DDR fanden hier unter anderem der Dresdner Juristenprozess und der Euthanasieprozess sowie Verfahren gegen Protestierende vom 17. Juni 1953 statt.

Hinrichtungshof

Der Innenhof des Dresdner Landgerichts diente seit dessen Errichtung 1907 auch als Hinrichtungsstätte. Aus dieser Zeit stammte auch die Guillotine (Fallschwertmaschine), die bis 1945 im Einsatz war. Allerdings wurden im Kaiserreich äußerst selten Todesurteile vollstreckt, in der Weimarer Republik waren Hinrichtungen in Sachsen ausgesetzt. In der NS-Zeit stieg die Zahl der am Münchner Platz vollzogenen Hinrichtungen jedoch stark an, insbesondere nachdem der Ort 1936 zu einer von 11 zentralen Hinrichtungsstätten bestimmt worden war.[12]

Während des Nationalsozialismus ließ die Justiz im Richthof des Dresdner Landgerichts rund 1330 Menschen durch Scharfrichter töten. Die Guillotine wurde an den Tagen, an denen Hinrichtungen stattfanden – in den frühen Morgen- oder Abendstunden – hinter einem Vorhang aufgestellt. Heute bedeckt eine Betonplatte die Fläche, auf der die Guillotine mit Hilfe von Befestigungsbolzen fixiert wurde.

Zwischen 1945 und 1952 ließ die ostdeutsche Justiz 17 Menschen auf dem Hinrichtungshof enthaupten. Mit der Erklärung des Justizkomplexes am Münchner Platz zur zentralen Hinrichtungsstätte der DDR im Jahr 1952 wurde ein speziell dafür vorgesehener Raum eingerichtet, der bis 1956 in Gebrauch blieb.[13]

Zellengang

Vom historischen Richthof aus gelangen Besucher der Gedenkstätte heute in einen Gang mit sechs erhaltenen „Wegsteckzellen“ des früheren Landgerichts. In diesen engen Zellen warteten die Angeklagten maximal einige Stunden darauf, zur Gerichtsverhandlung geführt zu werden. Zu den Verhandlungssälen gelangten die Angeklagten über Aufzüge, die heute nicht mehr erkennbar sind. Aufgrund dieser Nutzung sind die Zellen zwar mit Klapptischen und -sitzen ausgestattet, nicht aber – wie die Einzelzellen in der Untersuchungshaftanstalt – mit einem Klappbett.

Diese Zellen wurden in der DDR-Gedenkstätte fälschlich als „Todeszellen“ ausgegeben, in denen die zum Tode Verurteilten auf ihre Hinrichtung warteten. Die heutige Verbindung des Zellengangs mit dem ehemaligen Richthof über zwei Türen ist jedoch nicht authentisch. Sie stammt in der heutigen Form aus den 1960er-Jahren und sollte größeren Gruppen einen „Rundgang“ ermöglichen.

Haftanstalt (Hülsse-Bau)

Das frühere Untersuchungsgefängnis (heute: Hülsse-Bau) ist ein vierflügeliges Bauwerk mit einem kreuzförmigen Grundriss. Durch die umliegenden Nebengebäude war das Gefängnis aus der unmittelbaren Nachbarschaft nicht einsehbar. Das Untersuchungsgefängnis, eingeteilt in drei Männer- und abgetrennt davon einen Frauenflügel (Ostflügel), war für 550 männliche und 130 weibliche Gefangene angelegt. Die Zellen waren an beiden Seiten mit Galerien zu den Ganghallen angeordnet und mit Brücken und Treppen untereinander verbunden. Am Kreuzungspunkt der Flügel befand sich mittig der Lichthof, die sogenannte „Spinne“ mit einer erhöhten Kanzel für das Wachpersonal. An dieser Stelle befindet sich heute eine doppelte Wendeltreppe. Das Gebäude galt zur Erbauungszeit als mustergültiges Reformgefängnis.[14]

Durch die von der Technischen Hochschule durchgeführten Umbaumaßnahmen Ende der 1950er-Jahre verlor das Gebäude seinen früheren Charakter als Haftanstalt. Während die kleinen Fenster vergrößert wurden und ohne Vergitterung heute deutlich mehr Licht eintreten lassen, sind die Flure im Inneren sehr dunkel, da – anders als während der Nutzung als Haftanstalt – kein Licht durch die von unten nach oben offenen und mit Dachfenstern versehenen Ganghallen fällt.

Denkmale

In ihrem äußeren Erscheinungsbild ist die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden bis heute stark durch das memoriale Erbe der früheren DDR-Gedenkstätte geprägt. Die bis 1989 entstandene Anlage mit seinen Denkmalen steht unter Denkmalschutz.[15] Sie lädt zur kritischen Auseinandersetzung mit staatlich oder gesellschaftlich verordnetem Gedenken und rituellen Praktiken des Erinnerns ein.

Figurengruppe „Widerstandskämpfer“

Die Figurengruppe „Widerstandskämpfer“ stammt von dem Künstler Arnd Wittig. Sie wurde 1962 im Mittelpunkt des früheren Hinrichtungshofes aufgestellt. Die Bronzeplastik zeigt insgesamt fünf Personen – drei Männer und zwei Frauen – die ihre Hinrichtung erwarten und jeweils auf unterschiedliche Weise damit umgehen. Die Figurengruppe dient auch heute noch dem individuellen und kollektiven Gedenken, etwa wenn Angehörige von Opfern Blumen niederlegen oder Vertreter der Politik Kränze.

Gedenkstein mit angeblichem Georg-Schumann-Zitat

In einer Ecke im ehemaligen Richthof befindet sich seit 1959 eine Gedenkplatte aus Theumarer Schiefer mit den angeblich letzten Worten des am Münchner Platz hingerichteten Widerstandskämpfers Georg Schumann: „Das Deutschland des Friedens und der Menschlichkeit, das sozialistische Deutschland, wird geschaffen von denen, die nach uns kommen werden, auch wenn wir sterben müssen.[16] Neben der Gedenkplatte befindet sich eine früher genutzte Feuerschale. Zu DDR-Zeiten wurde behauptet, dass sich an dieser Stelle während der NS-Zeit der Standort der Guillotine befunden hatte. Dies ist jedoch nachweislich nicht der Fall: Den tatsächlichen Standort markiert eine graue Einlassung auf dem Boden des früheren Richthofes.

Gedenkwand mit mehrsprachigen Tafeln

In unmittelbarer Nähe zum Durchgang vom früheren Gefängnisgebäude zum Richthof befindet sich seit 1988 eine Sandsteinblock mit eingelassenen Schrifttafeln in deutscher, tschechischer, polnischer, russischer und englischer Sprache. In den Texten wird die Zahl der während der NS-Zeit Hingerichteten übertrieben hoch angegeben, indem von 2000 Opfern die Rede ist. Die Gedenkwand mit der Losung „Ruhm und Ehre den Opfern des antifaschistischen Widerstandskampfes 1933–1945“ wird aufgrund der Mehrsprachigkeit nach wie vor insbesondere von tschechischen und polnischen Gruppen für das Anbringen und Ablegen von Gedenkzeichen genutzt.

Georg-Schumann-Stele

Eine ebenfalls von Arnd Wittig geschaffene Stele zu Ehren Georg Schumanns befindet sich im ehemaligen südwestlichen Freiganghof. Besucher der DDR-Gedenkstätte sollten diese passieren, ehe sie zum früheren Richthof gelangten. Die Skulptur wurde am 11. Oktober 1989 eingeweiht, als sich in Dresden bereits Massenproteste gegen die SED-Herrschaft formiert hatten.[17]

Plastik „Namenlos. Ohne Gesicht“

Im Nordosthof des ehemaligen Gefängnisses erinnert seit 1995 eine von Wieland Förster geschaffene Plastik an „die zu Unrecht Verfolgten“ nach 1945. Der Künstler gab ihr den Titel „Namenlos. Ohne Gesicht“.[18] Wieland Förster war 1946 als 16-Jähriger drei Monate lang von der sowjetischen Geheimpolizei am Münchner Platz festgehalten worden, ehe ihn ein sowjetisches Militärtribunal wegen „konterrevolutionärer Sabotage“ zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilte.[19]

Geschichte der Gedenkstätte

DDR-Gedenkstätte

Schon bald nach Kriegsende 1945 forderten Opfer und Angehörige die Errichtung einer Gedenkstätte für die Hingerichteten des NS-Regimes. Seit 1947 veranstaltete die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) Gedenkveranstaltungen in dem Gerichtsgebäude und auf dem nach wie vor für Hinrichtungen genutzten Hof.[20]

1957/58 übernahm die Technische Hochschule Dresden (ab 1961: Technische Universität Dresden) den bisherigen Justizkomplex. Der frühere Richthof samt angrenzendem Zellentrakt wurde daraufhin in eine Gedenkstätte verwandelt. Die Initiative war von der SED-Hochschulparteileitung ausgegangen.[21] Gleichzeitig verschwanden die meisten Spuren an den Gebäuden, die an die Nutzung durch die Justiz erinnerten: So war etwa aus dem ehemaligen Haftgebäude – dem jetzigen Hülsse-Bau – ein Universitätsgebäude mit Büros und Vorlesungssälen geworden. Die Gedenkstätte bestand anfangs lediglich aus dem ehemaligen Hinrichtungshof, in dessen Mitte seit 1962 Arnd Wittigs Figurengruppe „Widerstandskämpfer“ stand mit einem angeschlossenen Gang mit Haftzellen, die als „Todeszellen“ bezeichnet wurden. Zunächst gab es außerdem ein dürftig eingerichtetes „Traditionszimmer“, 1968 kam der bis heute bestehende Veranstaltungsraum mit 70 Plätzen hinzu.[22]

Die Gedenkstätte konzentrierte sich auf die antifaschistischen Widerstandskämpfer, die Pluralität der Opfergruppen wurde nicht abgebildet. Im Sinne der SED-Herrschaft stellte die Gedenkstätte den Aufbau des Sozialismus in der DDR als Vermächtnis des antifaschistischen Widerstands dar. Die Gedenkstätte sollte in erster Linie das herrschende System legitimieren.[23] Eine herausgehobene Bedeutung erhielt der Widerstandskämpfer und ehemalige Reichstagsabgeordnete der KPD, Georg Schumann (1886–1945) zugewiesen. Bereits mit der Eröffnung der Gedenkstätte im Herbst 1959 hatte auch der vormalige Justizkomplex seinen Namen bekommen. Nachdem 1973 der Münchner Platz in „Salvador-Allende-Platz“ umbenannt worden war, erhielt die Gedenkstätte den Namen „Mahn- und Gedenkstätte im Georg-Schumann-Bau der Technischen Universität Dresden“.[24] Ihr Besuch gehörte zum Programm unzähliger Jugend- und Studierendengruppen, von Betriebskollektiven und Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA).[25]

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wurde die Gedenkstätte ausgebaut und aufgewertet. Der an den Richthof angrenzende ehemalige Gefängnishof wurde in die Gestaltung einbezogen und mit einem Eingangsbereich und weiteren Denkmälern versehen. Die Besucher sollten im Gedenkstättenbereich eine „Erlebnisfolge“ durchlaufen.[26] 1986 eröffnete ein „Museum des antifaschistischen Widerstandskampfes“. Die ständige Ausstellung orientierte sich jedoch nur zu einem kleineren Teil an den Ereignissen im Justizkomplex am Münchner Platz, dabei blieb sie auffallend unkonkret.[27] Die Zahl der Gedenkstätten-Mitarbeitender wuchs auf 6 Personen.[28]

Die Gedenkstätte nach 1990

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Ausscheiden der letzten bisherigen Gedenkstättenmitarbeiter 1992 war die Fortexistenz der Gedenkstätte ungewiss. Das 1992 gegründete „Münchner Platz-Komitee“, in dem sich auch Opfer des Nationalsozialismus wie der SED-Diktatur zusammenfanden, setzte sich für die Weiterentwicklung der Gedenkstätte ein. Dabei sollten wissenschaftliche Maßstäbe gelten und das nach 1945 am Münchner Platz begangene Justizunrechts mit aufgearbeitet werden. In der Folge gelangte die Gedenkstätte über das kurzzeitig bestehende „Institut für Widerstandsforschung“ der TU Dresden schließlich 1994 unter das Dach der „Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft“.[29]

Nach der Schließung des „Museums des antifaschistischen Widerstandskampfes“ im Oktober 1996 organisierte die Gedenkstätte Veranstaltungen und Wechselausstellungen zur Widerstands- und Justizgeschichte in den Ausstellungsräumen. Ende 2012 eröffnete die neue Dauerausstellung auf einer erweiterten Fläche, 2021 die Tafel-Ausstellung in den historischen Gebäuden und im Außengelände.

Die Gedenkstätte dokumentiert und erforscht das von der Justiz begangene Unrecht und widmet sich insbesondere den Lebens- und Verfolgungsgeschichten der Opfer. Ein Schwerpunkt der heutigen Gedenkstättenarbeit liegt auf zielgruppenorientierten Bildungs- und Vermittlungsangeboten, etwa für Schülerinnen und Schüler sowie Justizreferendare. Mit Veranstaltungen wendet sich die Gedenkstätte zudem an eine breite Öffentlichkeit. Aktuell sind vier feste Mitarbeitende in der Gedenkstätte beschäftigt (Stand: Ende 2025).[30]

Literatur

  • Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet. Politische Justiz in Dresden 1933–1945 / 1945–1957 (Katalog zur Ausstellung), Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-95498-202-8.
  • Birgit Sack: Die Gedenkstätte Münchner Platz In: Dresdner Hefte 31 (2013) 115, S. 24–32.
  • Wolfgang Rother: Synthese von Modernität und Tradition. Das Justizgebäude am Münchner Platz in Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Gustav Kiepenheuer, Leipzig 2001, ISBN 978-3-378-01049-9, S. 14–30.
  • Stefanie Endlich: Formen und Überformungen. Zur memorialen Gestaltung der Gedenkstätte Münchner Platz, Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Gustav Kiepenheuer, Leipzig 2001, ISBN 978-3-378-01049-9, S. 260–282.
  • Norbert Haase: „Wo Steine ihren Beruf wechselten.“ Zur Geschichte der Gedenkstätte Münchner Platz, Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Gustav Kiepenheuer, Leipzig 2001, ISBN 978-3-378-01049-9, S. 283–301.
  • Gerhard Lehmann: Was war und was ist. Die Mahn- und Gedenkstätte am Münchner Platz in Dresden: der Umgang mit einem Erbe, Edition Ost, Berlin 2004, ISBN 3-89793-096-X
Commons: Gedenkstätte Münchner Platz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Birgit Sack: Die Gedenkstätte Münchner Platz In: Dresdner Hefte 31 (2013) 115, S. 24–32, hier S. 24
  2. Birgit Sack: Die Gedenkstätte Münchner Platz In: Dresdner Hefte 31 (2013) 115, S. 24–32, hier S. 24
  3. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet. Politische Justiz in Dresden 1933–1945 / 1945–1957 (Katalog zur Ausstellung), Sandstein Verlag, Dresden 2012, S. 90
  4. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 197
  5. Birgit Sack: Die Gedenkstätte Münchner Platz In: Dresdner Hefte 31 (2013) 115, S. 24–32, hier S. 25
  6. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 329
  7. seliggesprochen am 13. Juni 1999 als die „fünf Märtyrer vom Münchener Platz“; vgl. St. Paulus Dresden-Plauen: „Die Fünf“ (Memento vom 10. Mai 2007 im Internet Archive)
  8. seliggesprochen am 13. Juni 1999; vgl. St. Paulus Dresden-Plauen: Br. Grzegorz Boleslaw Frackowiak SVD (Memento vom 23. September 2005 im Internet Archive)
  9. Website der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden: Ausstellungen Abgerufen am 14. Dezember 2025
  10. Website der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Meldung vom 30.03.2020: Neue Informationsstelen der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden Abgerufen am 14. Dezember 2025
  11. Wolfgang Rother: Synthese von Modernität und Tradition. Das Justizgebäude am Münchner Platz in Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Leipzig 2001, S. 14–30, hier S. 29
  12. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 134f.
  13. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 328
  14. Wolfgang Rother: Synthese von Modernität und Tradition. Das Justizgebäude am Münchner Platz in Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Leipzig 2001, S. 14–30, hier S. 27
  15. Stefanie Endlich: Formen und Überformungen. Zur memorialen Gestaltung der Gedenkstätte Münchner Platz, Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Leipzig 2001, S. 260–282, hier S. 260
  16. Birgit Sack: Die Gedenkstätte Münchner Platz In: Dresdner Hefte 31 (2013) 115, S. 24–32, hier S. 25f.
  17. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 368
  18. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 379
  19. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 241
  20. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 359
  21. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 360
  22. Norbert Haase: „Wo Steine ihren Beruf wechselten.“ Zur Geschichte der Gedenkstätte Münchner Platz, Dresden In: Norbert Haase/Birgit Sack (Hrsg.): Münchner Platz, Dresden. Die Strafjustiz der Diktaturen und der historische Ort, Leipzig 2001, S. 283–301, hier S. 289 und 291
  23. Norbert Haase: „Wo Steine ihren Beruf wechselten.“, S. 283
  24. Norbert Haase: „Wo Steine ihren Beruf wechselten.“, S. 293
  25. Birgit Sack, Gerald Hacke (Hrsg.): Verhaftet. Inhaftiert. Hingerichtet, Dresden 2012, S. 357
  26. Stefanie Endlich: Formen und Überformungen. Zur memorialen Gestaltung der Gedenkstätte Münchner Platz, Dresden, S. 270
  27. Norbert Haase: „Wo Steine ihren Beruf wechselten.“, S. 296
  28. Gerhard Lehmann: Was war du was ist. Die Mahn- und Gedenkstätte am Münchner Platz in Dresden: der Umgang mit einem Erbe, Berlin 2004, S. 45
  29. Birgit Sack: 1992: Die Anfänge des Münchner-Platz-Komitees Abgerufen am 14. Dezember 2025
  30. Website der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden Abgerufen am 14. Dezember 2025

Koordinaten: 51° 1′ 45″ N, 13° 43′ 21″ O