Kunst- und Buchhandlung Landsberg

Die Kunst- und Buchhandlung Landsberg bestand am Kurfürstendamm 201 in Berlin-Charlottenburg von 1923 bis 1937.

Kunst- und Buchhandlung Landsberg

Am 15. Dezember 1923 gründete der jüdische Kunstsammler Robert Landsberg die Kunst- und Buchhandlung Landsberg am Kurfürstendamm 201.[1][2] Geschäftsführer und Prokurist war der Gebrauchsgraphiker Koo Bickenbach. Sie verkauften Bücher, Gemälde und Grafiken. 1924 übernahmen Anna Braff, die Prokuristin des Erich Reiss Verlages, und Hanns Wildt das Geschäft.[3] Sie organisierten auch Ausstellungen mit Werken von E. M. Lilien, Gustav Wunderwald und weiteren Künstlern und verlegten einige Bücher.[4][5] 1928 wurde die Kunsthandlung in eine GmbH umgewandelt, mit den Aufsichtsratsmitgliedern Fritz Cassirer, Fritz Landsberg und Robert Hilb.

Buch- und Kunsthandlung Camilla Speth

1935 verkaufte Anna Braff ihre Anteile gezwungenermaßen im Rahmen der Arisierung an Camilla Speth (* 1894), die diese seit 1937 als Buch- und Kunsthandlung Camilla Speth weiterführte.[6] 1956 klagte Anna Braff, die inzwischen in New York lebte, auf Wiedergutmachung gegen die Bundesrepublik Deutschland, das Ergebnis ist nicht feststellbar.[7] Die Kunsthandlung wurde am Kurfürstendamm 38/39 mit einer Galerie Miniature weitergeführt, in der in den 1960er und 1970er Jahren einige Ausstellungen stattfanden.[8][9][10][11] 1998 musste diese geschlossen werden.[12][13]

Publikationen

Im dazugehörigen Verlag Landsberg erschienen einige belletristische Bücher.[14]

  • Fred Hildenbrand, Tageblätter, 1923/1924
  • Alfred Rausch, Ephebische Trilogie, 1924
  • Megerle von Mühlenfeld, Möglichkeiten, 1924
  • Franz Blei, Die Frivolitäten des Herrn von Disemberg, 1925 Digitalisat
  • Hans Rewald, Es hat geklingelt, 1925
  • Victor Henning Pfannkuche, Flucht in die Dämmerung, 1925, mit Lithographien von Gustav Kámelhard
  • Hanns Heinz Ewers, Die traurige Geschichte meiner Trockenlegung, 1927, mit Illustrationen von Oscar Berger

Einzelnachweise

  1. Adreßbuch für den Berliner Buchhandel, 1924, S. 75; auch Berlinische Galerie, Nachlass Werner J. Schweiger, BG-WJS-M-1,41, mit Angaben über die Gründung
  2. Valerie Ender, Von wirtschaftlichem Erfolg, Verfolgung und Exil. Die Sammlung Thannhauser 1909–2005, Böhlau 2024, S. 153; berichtete über Robert Landsberg [1897–1932] und seine Frau Carlota [Charlotte, geb. Adler, 1899–1994], die 1926 ein Gemälde Femme en blanc von Picasso gekauft hatten und den jahrzehntelangen Rechtsstreit darüber, wahrscheinlich war es dieser, im Landsberg. In: Berliner Adreßbuch, 1927, I., S. 1905. „Landsberg, Robert, Bankier, Tiergartenstr 18“. war nur einer mit diesem Namen angegeben, 1923 keiner
  3. Adreßbuch für den Berliner Buchhandel, 1926, S. 91
  4. Die Weltbühne, 1924, 1, S. 754, mit Anzeige einer Ausstellungseröffnung mit Grafiken von E. M. Lilien im Logenhaus in der Kleiststraße 10 am 25. Mai 1924 (kurze Firmenanzeige auch auf S. 245); von E. M. Lilien gibt es auch eine Exlibris-Grafik für die Geschäftsführerin Anna Braff
  5. Hildegard Reinhardt, Gustav Wunderwald. Gemälde, Handzeichnungen, Bühnenbilder, Ausstellungskatalog, Berlin 1982, S. 19, 129 (kurze Auszüge), mit einer Einladung zur Ausstellung mit Werken von Gustav Wunderwald 1924 oder 1925
  6. Kunst- und Buchhandlung Landsberg Art Historicum, mit amtlichen Änderungseinträgen; auch Berliner Adressbücher mit jährlichen Einträgen
  7. Kunst- und Buchhandlung Landsberg Art Historicum, mit Verweis auf die Wiedergutmachungsakten
  8. Adressbuch des deutschsprachigen Buchhandels, 1967/1968, S. 294, mit Firmenangaben und dem Gründungsjahr 1923, Camilla Speth war noch als Eigentümerin angegeben
  9. Kürschners Graphiker Handbuch. Deutschland, Österreich, Schweiz, 1967, S. 385 (kurzer Auszug), mit Themenschwerpunkten der Galerie
  10. Die Berliner Buch- und Kunsthandlung Camilla Speth NDR, Kultur im Norden, vom 1. April 1965
  11. Ausstellungsbroschüren Camilla Speth Booklooker; auch Suche nach Camilla Speth. In: Deutsche Digitale Bibliothek
  12. Amtsblatt für Berlin, 2000, 1–10, S. 383 (kurzer Auszug), Konkursverfahren am 17. Januar 2000 beendet, es gab nur eine geringfügige Konkursmasse
  13. Nachruf Bernd Kuse Tagesspiegel [ohne Jahr]; Bernd Kuse hatte die Buchhandlung seit 1986 als einen Szeneladen geführt
  14. Franz Blei, Die Frivolitäten des Herrn von Disemberg, 1925, letzte Seiten, mit Verlagsanzeigen