Kriegstetten

Kriegstetten
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Solothurn Solothurn (SO)
Bezirk: Wasseramtw
BFS-Nr.: 2525i1f3f4
Postleitzahl: 4566
Koordinaten: 612129 / 224906
Höhe: 453 m ü. M.
Kreisel in Kriegstetten
(Hauptstrassen 254 und 271)
Höhenbereich: 441–491 m ü. M.[1]
Fläche: 5,38 km²[2]
Einwohner: 3181 (31. Dezember 2024)[3]
Einwohnerdichte: 591 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
10,5 %
(31. Dezember 2024)[4]
Website: www.kriegstetten.ch
Im Zentrum von Kriegstetten
Lage der Gemeinde
{w

Kriegstetten (im lokalen Dialekt Chriegschtette) ist eine Einwohnergemeinde und Hauptort des Bezirks Wasseramt im Kanton Solothurn in der Schweiz. Auf den 1. Januar 2026 fusionierte Kriegstetten mit den Nachbargemeinden Halten und Oekingen zu einer neuen Gemeinde, die ebenfalls den Namen Kriegstetten trägt.

Geographie

Kriegstetten liegt auf 453 m ü. M., 6 km südöstlich des Kantonshauptortes Solothurn (Luftlinie), in der Ebene östlich der Emme im südlichen Solothurner Mittelland.

Das nur gerade 1,1 km² grosse Gemeindegebiet umfasst einen Abschnitt der grundwasserreichen Schotterebene im mittleren Wasseramt. Der Gemeindeboden von Kriegstetten ist völlig eben und erstreckt sich im Osten bis an die Ösch, im Nordwesten in das Eichholz. Die höchste Erhebung von Kriegstetten befindet sich mit 456 m ü. M. in der Ebene am südlichen Rand des Gebietes.

Von der Gemeindefläche entfielen 1997 43 % auf Siedlungen, 7 % auf Wald und Gehölze und 50 % auf Landwirtschaft.

Zu Kriegstetten gehören ausgedehnte neue Wohnquartiere. Nachbargemeinden von Kriegstetten sind Derendingen, Recherswil, Obergerlafingen und Gerlafingen. Das Siedlungsgebiet von Kriegstetten ist heute lückenlos mit denjenigen von Oekingen und Halten zusammengewachsen.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung Kriegstetten (Gemeinde bis 31. Dezember 2025)

Mit 3181 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) gehörte Kriegstetten zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Solothurn. Von den Bewohnern waren 95,6 % deutschsprachig, 1,0 % italienischsprachig, und 0,8 % sprachen Französisch (Stand 2000).

Um 1800 belief sich die Bevölkerungszahl von Kriegstetten auf 75 Einwohner.[5] 1827 beschrieb Markus Lutz in seinem Werk «Vollständige Beschreibung des Schweizerlandes» Kriegstetten als einen Kirchort mit 13 Häusern und 85 Einwohnern.[6] 1850 hatte Kriegstetten 186 Einwohner. Die Bevölkerungszahl stieg seither kontinuierlich an: 1900 340, 1950 689 und im Jahr 2000 1126 Einwohner.[5]

Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten[7][8] Anmerkung: 1980 fehlt, da Volkszählungsdaten nicht plausibel.

Bevölkerungsentwicklung Kriegstetten (inkl. ehemalige Gemeinden Halten und Oekingen)

Am 1. Januar 2026 wurden Halten und Oekingen in die Gemeinde Kriegstetten eingemeindet. Mit 3181 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) gehört Kriegstetten nach den Fusionen zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Solothurn. Von den Bewohnern der drei ehemaligen Gemeinden waren im Jahr 2000 96,5 % deutschsprachig, 0,9 % französischsprachig, und 0,6 % sprachen italienisch.

1850 hatten die drei Gemeinden Halten, Kriegstetten und Oekingen zusammen 657 Einwohner. Die Bevölkerungszahl stieg seither kontinuierlich an: 1900 1102, 1950 1671 und im Jahr 2000 2575 Einwohner.

Kriegstetten hatte bis 1900 die kleinste Einwohnerzahl der drei ehemaligen Gemeinden. Ab 1920 entwickelte sich die Bevölkerung in allen drei Gemeinden stetig; Kriegstetten wurde einwohnermässig klar die grösste der drei Gemeinden.

Einwohnerzahlen: Volkszählungsdaten[7][8]

Politik

Der Gemeinderat besteht aus 5 Mitgliedern. Für die aktuelle und die drei letzten Amtsperioden ergaben sich folgende Wahlergebnisse:

Partei 2021–2025 2017–2021 2013–2017[9][10] 2009–2013[11] 2005–2009[11]
Freie Liste / Parteilos
und FDP.Die Liberalen[  1][  2]
0 0 1 2 2
Christlichdemokratische Volkspartei  0 0 1 1 3
Schweizerische Volkspartei 1 1 1 1 0
Junges Kriegstetten 0 0 1 0 0
Interessengemeinschaft Kriegstetten 0 0 1 0 0
Sozialdemokratische Partei 0 0 0 1 0
Gemeinsam für Kriegstetten 4 4 0 0 0
  1. bis 2009 Freisinnig-Demokratische Partei
  2. Listenverbindung

Bei den Gemeinderatswahlen 2017 traten die bestehenden Parteien – ausgenommen die Schweizerische Volkspartei SVP – unter der Liste "Gemeinsam für Kriegstetten" auf und ergatterten auf Anhieb vier Sitze. Die Schweizerische Volkspartei erzielte einen Sitz. Die SVP stellte keinen Kandidaten für das Gemeindepräsidium, und damit wurde der bisherige Vizegemeindepräsident Simon Wiedmer (Liste Gemeinsam für Kriegstetten) still gewählt und wurde damit zum zweitjüngsten Gemeindepräsidenten im Kanton.[12] 2021 wurde die Sitzverteilung in stiller Wahl bestätigt.

Wirtschaft

Kriegstetten war bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf.

Von 1831 bis 1879 wurde in Kriegstetten das Bad Quellental als «Kaltwasserheilanstalt» betrieben. Das Bad ist auch Handlungsort einer Szene im Roman Anne Bäbi Jowäger von Jeremias Gotthelf.[13] Heute befindet sich im ehemaligen Bad Quellental ein Zentrum für Sonderpädagogik, das 1894 als «Anstalt für schwachsinnige Kinder» gegründet wurde.[14]

Heute haben der Ackerbau und der Obstbau sowie die Viehzucht nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und vor allem im Dienstleistungssektor vorhanden. Seit den 1960er-Jahren haben sich dank der guten Verkehrslage verschiedene Unternehmen in Kriegstetten niedergelassen. Die wichtigsten Betriebe konzentrieren sich heute auf die Elektrobranche, die Informationstechnologie und auf das Baugewerbe. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die hauptsächlich in den Regionen Solothurn und Bern arbeiten.

Verkehr

Die Gemeinde ist verkehrsmässig sehr gut erschlossen. Sie liegt an einer Kantonsstrasse von Derendingen nach Koppigen. Der nächste Anschluss an die Autobahn A1 (Bern – Zürich) befindet sich weniger als 1 km vom Ortskern entfernt. Durch die Buslinien der BSU, welche als Durchmesserlinien der Region Solothurn die Strecken von Recherswil nach Oberdorf bzw. von Kriegstetten nach Bellach bedienen sowie montags bis freitags durch die Linie Kriegstetten – Winistorf ist das Dorf an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.[15]

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1255 unter den Namen Kriechsteiten und Krechsteiten. Später erschienen die Bezeichnungen Criechstetin (1256), Criesteten (1264), Kriechsteten (1267) und Kriegstetten (1299). Der Ortsname leitet sich vom althochdeutschen Personennamen Criach ab. In Verbindung mit der Endung -stetten (Ort, Stelle, Platz) bedeutet er so viel wie bei den Wohnstätten des Criach.

Seit dem Mittelalter unterstand Kriegstetten der Herrschaft Halten, welche sich unter der Oberhoheit der Zähringer, ab 1218 der Grafen von Kyburg befand. Anlässlich des Gümmenenkrieges wurde das Dorf 1332 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Zusammen mit der Herrschaft Halten verkauften Küngold von Spiegelberg und Reinhart von Malrein Kriegstetten 1466 an Solothurn.[5] Kriegstetten wurde Mittelpunkt der Vogtei Kriegstetten. Diese umfasste etwa das Gebiet des heutigen Bezirks Wasseramt.

Kriegstetten bildete seit dem 13. Jahrhundert eine eigene Pfarrei. Von 1522 bis 1577 verbot Bern den katholischen Gottesdienst in der Pfarrkirche, weshalb die Gläubigen jeweils in die Sankt-Michaelskapelle in Hüniken zur Messe gehen mussten. Erst mit dem Wyniger Vertrag ging 1665 auch die hohe Gerichtsbarkeit von Bern an Solothurn über. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte Kriegstetten während der Helvetik zum Distrikt Biberist und ab 1803 zum Bezirk Kriegstetten, der 1988 offiziell in Bezirk Wasseramt umbenannt wurde.

Im Februar 2025 fällten die Stimmberechtigten von Kriegstetten und der benachbarten Gemeinden Halten und Oekingen den Beschluss, zu einer neuen Gemeinde zu fusionieren, die den Namen Kriegstetten tragen wird. Die Fusion wurde am 1. Januar 2026 vollzogen.[16]

Sehenswürdigkeiten

  • Die katholische Pfarrkirche Sankt Mauritius erhielt ihre heutige Gestalt beim Neubau im Jahr 1844, der 1907 umgestaltet und 1973 renoviert wurde. Die Ausstattung stammt zum Teil noch vom Vorgängerbau, darunter der Taufstein von 1680.[17]
  • Die reformierte Kirche wurde 1964 erbaut.
  • Der Gasthof zum Kreuz im Dorfkern wurde 1774 im Stil des Klassizismus errichtet.
  • Gebäude der ehemaligen Bank in Kriegstetten BiK, heute Baloise Bank SoBa, entworfen und gebaut vom Architekten Fritz Haller, Projekt 1961, Bau 1962–1963

Wappen

Blasonierung

In Gelb drei (2 über 1) grüne Lindenblätter

Ab dem 1. Januar 2026 wird die neue Fusionsgemeinde Kriegstetten, gebildet aus den bisherigen Gemeinden Kriegstetten, Halten und Oekingen, ein neues Wappen verwenden, das aus den Wappen der drei Gemeinden zusammengesetzt ist.[18] Die Blasonierung des neuen Wappens lautet:

Gespalten: 1: In Schwarz weisser Turm; 2: In Gelb drei grüne Lindenblätter; Schildfuss: In Rot weisses, fliehendes Pferd.[18]
Commons: Kriegstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  2. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
  3. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
  4. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
  5. a b c Othmar Noser: Kriegstetten (Gemeinde). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 31. August 2006, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  6. Nicolas Russi: Kriegstetten. Die Geschichte eines Dorfes von den Anfängen bis heute. Gemeinde Kriegstetten, Kriegstetten 2025, ISBN 978-3-03311401-2, S. 20.
  7. a b Martin Schuler: Kanton Solothurn - Die Bevölkerungszahlen auf lokaler Ebene vor 1850. (CSV; 15 kB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 25. Dezember 2025.
  8. a b Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 25. Dezember 2025 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  9. GR Wahlen Kriegstetten 2009 - Listenergebnisse (Memento des Originals vom 1. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kriegstetten.ch (PDF; 150 kB)
  10. Solothurner Zeitung: So setzen sich die neuen Gemeinderäte zusammen
  11. a b Aargauer Zeitung: Gemeinderatswahlen: Bezirke Lebern, Bucheggberg und Wasseramt
  12. SVP kneift – Simon Wiedmer ist in stiller Wahl gewählt. Abgerufen am 10. November 2020 (Schweizer Hochdeutsch).
  13. Nicolas Russi: Kriegstetten. Die Geschichte eines Dorfes von den Anfängen bis heute. Gemeinde Kriegstetten, Kriegstetten 2025, ISBN 978-3-03311401-2, S. 152–153.
  14. Armin Gugelmann: Sonderschule in Kriegstetten gibt es schon seit 125 Jahren. In: Solothurner Zeitung. 1. Oktober 2019, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  15. Kriegstetten, Dorfplatz. In: www.oev-info.ch. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
  16. Nicolas Russi: Kriegstetten. Die Geschichte eines Dorfes von den Anfängen bis heute. Gemeinde Kriegstetten, Kriegstetten 2025, ISBN 978-3-03311401-2, S. 44–45.
  17. Fabrizio Brentini, Rudolf Schmid: Die Pfarrkirche St. Mauritius in Kriegstetten. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 916, Serie 92). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-065-2.
  18. a b Gemeindefusion im Kanton Solothurn: Kriegstetten. Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen, abgerufen am 10. Dezember 2025.