Kriegerdenkmal Hünenburg
Das Kriegerdenkmal auf der Hünenburg (zeitgenössisch auch: Hünenborg-Denkmal, Hünenburgdenkmal) ist ein im Jahr 1927 errichtetes, monumentales Kriegerdenkmal auf dem Thieberg im Ortsteil Wadelheim in der Stadt Rheine im nordrhein-westfälischen Landkreis Steinfurt. Es erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen 780 Bürger der Stadt Rheine.[1]
Beschreibung
Das Denkmal aus Ibbenbürener und Baumberger Sandstein liegt auf dem höchsten Punkt der Hünenburg, dem Areal der frühmittelalterlichen, abgegangenen Burg auf dem Thieberg, und hat seinen Namen von dieser Flurbezeichnung übernommen. Es ähnelt stark einem Steinkreis der Art, wie die steinzeitliche Steinsetzung von Stonehenge vor ihrem Verfall ausgesehen haben könnte.[1]
Zwölf bruchrauh ausgeführte Steinpfeiler von etwa 0,8 mal 1 Meter Grundfläche sind längsseitig zu einem Kreis von rund 12 Metern Durchmesser angeordnet. Die Pfeiler sind oben durch zwölf waagrecht aufliegende Decksteine zu einem geschlossenen Ring miteinander verbunden. Die Pfeiler tragen auf ihrer Innenseite auf geglätteter Oberfläche in Antiqua-Schrift in alphabetischer Reihenfolge die eingemeißelten Namen der 780 im Krieg gefallenen Bürger der Stadt. Die Decksteine tragen in eingemeißelter, runenähnlicher Schrift an ihrer Außenseite die Namen von zwölf europäischen Kriegsschauplätzen des Ersten Weltkrieges im Uhrzeigersinn: Flandern, Skagerrak, Isonzo, Balkan, Karpathen, Gorlice, Tannenberg, Somme, Verdun, Marne, Champagne, Arras. Auf der Innenseite der Decksteine sind in gleicher Schriftart die Namen vierer außereuropäischer Kriegsschauplätze eingemeißelt: Südsee, Afrika, Kiautschou und Coronel. Die Steinsetzung ist rund 6 Meter hoch und steht auf einem runden dreistufigen, steinernen Unterbau von rund 13 Metern Durchmesser. Dieser Unterbau wiederum ruht auf einer aufgeschütteten, mehrgliedrigen kreisförmigen Erhebung von rund 40 Metern Durchmesser.[1]
Im Zentrum des Steinkreises und der gesamten Anlage liegt ein altarartiger Steinquader von 2,2 Metern Kantenlänge und 1 Meter Höhe, auf dessen Oberfläche vollflächig ein erhaben ausgemeißeltes Relief in Form eines Eisernen Kreuzes liegt. Der Quader trägt an seiner zum Zugang des Denkmals gerichteten Seite die eingemeißelte Aufschrift UNSEREN 780 GEFALLENEN KAMERADEN – DER KRIEGERBUND RHEINE. Ansonsten ist das Kriegerdenkmal völlig frei von nationaler, nationalistischer oder religiöser Symbolik. Das Denkmal ist bezogen auf die Kanten des zentralen Steinquaders grob in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Eine tiefere Bedeutung hat diese Ausrichtung nicht; sie ist der bei seiner Erbauung günstigsten Zuwegung zum Denkmal geschuldet.[1]
Geschichte
Der erste Anstoß zur Errichtung eines weiteren, dem Ersten Weltkrieg gewidmetem Kriegerdenkmals erfolgte im Jahr 1924 aus dem im gleichen Jahr gegründeten Kriegerbund Rheine, einem Zusammenschluss von damals acht in Rheine bestehenden Kriegervereinen. Im September 1925 bildete sich ein Preisgericht, das aus vier von auswärtigen Künstlern noch anzufordernden Denkmals-Entwürfen einen Siegerentwurf auswählen sollte. Im Oktober 1925 wurde in der lokalen Tageszeitung der Entwurf des Malers Carl Murdfield als der „bis jetzt einzig in Frage gekommene Entwurf“ vorgestellt. Tatsächlich setzte sich dieser Entwurf später durch – wobei Murdfield immer offen erklärt hatte, dass die Grundidee für das Ehrenmal nicht von ihm selbst stamme und er auf ähnliche, frühere Denkmalsentwürfe anderer hinwies. So gab es schon aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche weitere, an das Vorbild Stonehenge angelehnte, aber nicht umgesetzte Denkmalsentwürfe, wovon Murdfield mit ziemlicher Sicherheit einige im Detail gekannt haben dürfte.[1]
Schon bevor der Entwurf im Sommer 1926 bestätigt wurde, war im Preisgericht eine kontroverse Diskussion um den möglichen Standort des Denkmals entbrannt. Vier Vorschläge standen im Raum, später kamen zwei weitere hinzu – wobei es aber im Kern um die Frage gegangen sein dürfte, ob das Denkmal rechts oder links der die Stadt durchfließenden Ems gebaut werden solle. Die Hünenburg befand sich nicht unter den vorgeschlagenen Plätzen. Weitere Quellen über den Verlauf dieser Diskussion fehlen, bis der rückblickend überraschend wirkende Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 18. Juni 1926 das städtische Flurstück auf der Hünenburg für den Denkmalbau zur Verfügung stellt. Dafür dürften schließlich mehrere Gründe ausschlaggebend gewesen sein. Zunächst konnte das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt werden, da es sich ohnehin im Besitz der Stadt befand. Die schon aus der Ferne sichtbare Lage des Denkmals auf der Kuppe des Thieberges dürfte ein weiterer Grund gewesen sein – und nicht zuletzt der Name Hünenburg, der dem nationalistischen Zeitgeist entsprechend, eine Brücke vom Denkmal hin zur germanischen Vergangenheit schlug.[1]
Am 20. August 1926 stellte der Kriegerverein den Bauantrag, der bereits am 25. August genehmigt wurde. Anfang September 1926 war der Unterbau fertiggestellt; Mitte September wurden die Steine geliefert. Ende Januar 1927 war das Denkmal im Wesentlichen bis auf einige Steinmetz- sowie Garten- und Landschaftsarbeiten fertiggestellt. Am 24. Juli 1927 erfolgte die feierliche Einweihung.[1]
Während der Zeit des Dritten Reiches nutzten die Nationalsozialisten die Kulisse des monumentalen Denkmales bereits ab Juli 1933 für Aufmärsche und Sonnenwendfeiern. Im Jahr 1934 wandelten die Nationalsozialisten den nach dem Ersten Weltkrieg eingeführten Volkstrauertag in einen Heldengedenktag. Damit stand während des Nationalsozialismus auf der Hünenburg nicht mehr das Totengedenken, sondern die Heldenverehrung im Mittelpunkt.[1]
Heute wird am Kriegerdenkmal auf der Hünenburg am Volkstrauertag der Gefallenen beider Weltkriege gedacht.
Seit dem 20. Oktober 1982 ist das Kriegerdenkmal auf der Hünenburg als Baudenkmal eingetragen.