Krauss-Typ XLVcb

Krauss Typ XLVcb
Werkfoto von Krauss
Nummerierung: Schmalspur GmbH
BUBIAG Frielendorf 14–17
Anzahl: 10
Hersteller: Krauss
Fabriknummern 7821–7830
Baujahr(e): 1921
Ausmusterung: bis 1965
Bauart: Bn2t
Spurweite: 900 mm
Länge über Puffer: 7600 mm
Länge: 6350 mm
Höhe: 3000 mm
Breite: 2200 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 40 m
Leermasse: 20 t
Dienstmasse: 22 t
Reibungsmasse: 22 t
Radsatzfahrmasse: 11 t
Höchstgeschwindigkeit: 18 km/h
Indizierte Leistung: 180 PS
Anfahrzugkraft: 55 kN
Steuerungsart: Stephenson
Zylinderanzahl: 2
Bremse: Wurfhebelbremse

Die Baureihe Typ XLVcb waren schmalspurige Dampflokomotiven mit einer Spurweite von 900 mm für Tagebaue der Lokomotivfabrik Krauss & Comp. in München. Es wurden zehn Lokomotiven der Serie gefertigt, die an die Schmalspur GmbH in Berlin geliefert wurden. Später wurden sie an die Braunkohlen- und Brikett-Industrie AG zum Abraumtransport im Tagebau Frielendorf gegeben. Die Lokomotiven wurden bis 1965 dort verwendet und dann ausgemustert sowie verschrottet.

Geschichte

Vorgeschichte

Zweiachsige Krauss-Lokomotiven in Tagebaubetrieben mit der Spurweite von 900 mm gab es schon um 1901.

1921 wurden mit den Fabriknummern 7821 bis 7830 zehn zweiachsige Lokomotiven an die Schmalspur GmbH in Berlin geliefert. Diese Lokomotiven erhielten die Typbezeichnung XLVcb.[1] Gegenüber der Krauss Typ XLVai waren die Lokomotiven etwas leistungsstärker und hatten einen größeren Kessel.

Der erste Einsatzort der Lokomotiven ist nicht bekannt. Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt gelangten die Maschinen Krauss 7822, 7824, 7827 und 7830 zur Braunkohlen- und Brikett-Industrie AG (BUBIAG) und wurden im Tagebau Frielendorf im Abraumbetrieb eingesetzt. Das Aufgabengebiet der Lokomotiven war sehr vielfältig: normaler Abraumbetrieb, Beförderung von Ton und von Basaltschotter auf dem weitläufigen Tagebaubaugelände. Die Kohleproduktion wurde bis zuletzt von einem Kabelbagger mit Haupt- und Gegenturm und Seilführung zwischen beiden durchgeführt.[2] Versorgt mit Wasser wurden sie über eine Wasserleitung in der Grube, die von einem Wasserbehälter an der höchsten Stelle des Tagebaues gespeist wurde.[3]

Nachkriegsgeschichte

Die Lokomotiven haben bis zum Ende des Bergbaubetriebes im Tagebau Frielendorf überlebt.[4] Nach der Stilllegung des Tagebaubetriebes wurde für die Loks auf Grund ihres Alters kein Käufer mehr gefunden. Sie wurden ausgemustert und verschrottet.

Konstruktive Merkmale

Die Lokomotiven sind ähnlich der Krauss Typ XLVai und weichen von dieser Lok mit ein paar Maßen wie der Höhe und der Breite ab. Der Kessel war größer und erbrachte eine Leistungssteigerung um 30 PS.[5] Der mit einer Blechstärke von 12 mm ausgeführte Blechrahmen war als Wasserkastenrahmen ausgebildet. Die Lokomotive besaß neben dem Kessel zwei seitliche Kästen, die zur Bunkerung des Kohlenvorrates und eines Teils des Wasservorrates dienten. Die Pufferbohlen trugen die als Mittelpufferkupplung ausgebildete Kupplung, die mit breiten Stoßblechen als Entgleisungsschutz beim Schieben von Wagen in engen Bogenradien ausgebildet war. Im Rahmen waren die beiden Achsen gelagert, die mit Blattfedern abgefedert waren. Die Loks besaßen einen freien Kesseldurchblick ohne Behinderung der Steuerungsteile.

Die Nassdampflokomotiven besaßen einen gewalzte Flammrohrkessel war mit einer stählernen Feuerbüchse. Der Kessel bestand aus zwei Schüssen. Auf dem ersten Schuss saß der Dampfdom mit Regler, der durch ein Gestänge bedient wurde. Auf dem zweiten Kesselschuss saß der Sanddom, von dem zwei Sandfallrohre zwischen den ersten und zweiten Radsatz herabführten. Die Sandung erfolgte mit Handbedienung. Die Rauchkammer besaß einen runden Verschluss. Auf dem Hinterkessel waren zwei Sicherheitsventile angeordnet. Gespeist wurde der Kessel durch zwei Injektoren. Die Maschine besaß zwei leicht geneigt angeordnete Zylinder mit Flachschieber, die über eine Stephenson-Steuerung den zweiten Radsatz antrieben. Der Kreuzkopf wurde zweischienig auf der Gleitbahn geführt.

Die Handbremse wirkte auf den hinteren Radsatz. Zum Wasserfüllen waren beidseitig auf dem Umlauf hinter der Rauchkammer mit dem Wasserrahmen verbundene Stutzen vorhanden, in die ein Schlauch gesteckt werden konnte. Die Lokomotiven besaßen zwischen Zylinder und Pufferbohle eine Bohle als Rangiertritt.

Literatur

  • Bernhard Schmeiser: Krauss-Lokomotiven mit vollständiger Lieferliste. Verlag Slezak, Wien 1977, ISBN 3-900134-36-7.
  • Andreas Christopher: Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen. Verlag im Biebertal, Biebertal 1993, ISBN 3-9801447-2-0.

Einzelnachweise

  1. Bernhard Schmeiser: Krauss-Lokomotiven mit vollständiger Lieferliste, Wien 1977, Verlag Slezak, ISBN 3-900134-36-7, Seite 115
  2. Andreas Christopher: Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen. Verlag im Biebertal, Biebertal 1993, ISBN 3-9801447-2-0, S. 56.
  3. Andreas Christopher: Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen. Verlag im Biebertal, Biebertal 1993, ISBN 3-9801447-2-0, S. 60.
  4. Andreas Christopher: Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen. Verlag im Biebertal, Biebertal 1993, ISBN 3-9801447-2-0, S. 63.
  5. Andreas Christopher: Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen. Verlag im Biebertal, Biebertal 1993, ISBN 3-9801447-2-0, S. 67.