Kraftwerk Ibbenbüren
| Kraftwerk Ibbenbüren | |||
|---|---|---|---|
| Panoramafoto des Kraftwerks (2005) | |||
| Lage
| |||
|
| |||
| Koordinaten | 52° 17′ 12″ N, 7° 44′ 47″ O | ||
| Land | Deutschland | ||
| Ort | Ibbenbüren | ||
| Daten
| |||
| Typ | Dampfkraftwerk | ||
| Primärenergie | Fossile Energie | ||
| Brennstoff | Steinkohle | ||
| Leistung | 838 Megawatt | ||
| Eigentümer | RWE Generation | ||
| Projektbeginn | Baubeginn 1981 | ||
| Betriebsaufnahme | 1985 | ||
| Stilllegung | 2021 | ||
| Kessel | Schmelzkammerkessel | ||
| Feuerung | Schmelzkammerfeuerung | ||
| Schornsteinhöhe | 275 m | ||
| Stand | 2023 | ||
Das Kraftwerk Ibbenbüren, ehemals mit dem Zusatz Block B, war ein 2021 stillgelegtes deutsches Steinkohlekraftwerk in Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen. Kesselhaus und Kühlturm wurden im April 2025 niedergelegt. Die Sprengung des Schornsteins sollte im Oktober 2025 erfolgen, die Übergabe zur Nachnutzung ist für Sommer 2026 anvisiert.
Beschreibung und Geschichte
Das Kraftwerk wurde ab Juli 1981 errichtet und hatte ursprünglich eine Leistung von 808 Megawatt, seit der Revision 2009 von 838 Megawatt. Das Kraftwerk mit seinem 275 Meter hohen Kamin ging am 19. Juni 1985 um 18:05 Uhr für einen 30-stündigen Probebetrieb erstmals ans Netz.[1] Offiziell in Betrieb genommen wurde das Kraftwerk am 29. November 1985 durch einen symbolischen Knopfdruck des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau.[2] Es war hauptsächlich als Grund- und Mittellastkraftwerk eingesetzt. Ende der 1980er Jahre wurde das Kraftwerk mit der zu diesem Zeitpunkt modernsten Filtertechnik und Anlagen zur Rauchgasentschwefelung ausgerüstet.
Ein Einsatz von Orimulsion als Zünd- und Stützbrennerbrennstoff war nach einer Umrüstung und Anpassung an den neuen Brennstoff ab März 1998 möglich, zuvor wurde ausschließlich schweres Heizöl zur Stützfeuerung genutzt.[3]
Ab Dezember 2000 wurden hochkalorische Ersatzbrennstoffe in kleinen Mengen zur normalen Steinkohle verfeuert. Als Ersatzbrennstoffe wurden zunächst Teppichbodenreste und Verbundstoffe eingesetzt, ab April 2001 kam noch Tiermehl hinzu.[4][5]
Während der Revision vom 17. August bis zum 22. Oktober 2001 wurde der Generator des Kraftwerks getauscht. Als Ersatz wurde ein baugleicher Generator des kurz zuvor stillgelegten Gaskraftwerks in Meppen eingebaut. Der 380 Tonnen schwere Generator wurde per Bahn angeliefert, zuletzt über die Zechenbahn des Bergwerks.[6] Ebenfalls in der Revision wurden die oberen 20 Meter des 275 Meter hohen Kamins instandgesetzt. Die dazu benötigten Gerüstteile wurden am 19. August 2001 mit einem Hubschrauber an die Spitze gebracht, diese war von der Witterung in Mitleidenschaft gezogen worden und benötige eine neue Beschichtung.[7]
Versorgt wurde das Kraftwerk bis 2019 hauptsächlich mit Anthrazitkohle aus der benachbarten Zeche Ibbenbüren im Tecklenburger Land. Die Kohle ist sehr hart und erfordert eine Schmelzkammerfeuerung. Der Kessel des Kraftwerks in Ibbenbüren war 2005 der größte Schmelzkammerkessel der Welt. Jährlich wurden circa 1,4 Mio. Tonnen Anthrazitkohle im Kraftwerk verstromt. Ab 2020 wurde nach der Schließung des Bergwerkes und des Abbaus der Kohlehalden Weltmarktkohle verfeuert. Dafür hatte die RWE AG die Zechenbahn gekauft, die ehemalige Werksbahn des Bergwerks.[8]
Das Kraftwerk beschäftigte rund 140 Menschen. Der Betreiber des Kraftwerks war die RWE Generation.
Stilllegung
RWE nahm mit dem Block B am Ausschreibungsverfahren zur Reduzierung der Verstromung von Steinkohleanlagen und Braunkohle-Kleinanlagen zum Gebotstermin 1. September 2020 teil. Am 1. Dezember 2020 wurde das Ergebnis des Verfahrens gemäß § 24 Abs. 1 Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) von der Bundesnetzagentur öffentlich bekannt gegeben. Block B erhielt neben zehn weiteren Kohleblöcken einen Zuschlag, wodurch das Vermarktungsverbot am 1. Januar 2021 und das Kohleverstromungsverbot für diesen Block im Juli 2021 in Kraft trat.[9][10][11]
Netzanschluss
Der Netzanschluss erfolgte über die Schalt- und Umspannanlage Westerkappeln auf der 380-kV-Höchstspannungsebene. Bis zur Revision 2013, bei der der Maschinentransformator erneuert wurde, wurde nur mit 220 kV in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion eingespeist.[12] Sowohl die Leitung vom Kraftwerk nach Westerkappeln als auch die gleichzeitig gebaute Leitung von Westerkappeln zum Umspannwerk Lüstringen waren bei ihrem Bau 1984 schon für 380 kV ausgelegt.
Die Silhouette des Kraftwerks und des Bergwerks Ibbenbüren war das bekannteste Ibbenbürener Wahrzeichen und galt als Wahrzeichen des Tecklenburger Landes.
Abriss und Zukunft des Standorts
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion kaufte das Grundstück im Jahr 2023 von der RWE Generation. Die Amprion plant auf dem Gelände die Errichtung einer Konverterstation für das Offshore-HGÜ-System BalWin2, zum Anschluss von Offshore-Windparks in der Nordsee. Das System soll 2030 fertiggestellt sein[13] und 2000 Megawatt Anschlussleistung bieten. Das Abbruchunternehmen Hagedorn aus Gütersloh übernahm 2023 den Rückbau des Kraftwerks und die Vorbereitung des Geländes.[14]
Die Sprengung des Schornsteins und des Kesselhauses wurde im März 2025 verschoben.[15] Das Kesselhaus wurde am 6. April 2025 gesprengt. Am selben Tag wurde der 125 Meter hohe Kühlturm abgerissen. Dieser wurde nicht gesprengt, weil er auf asbesthaltigen Stützen ruhte. Für den Abriss wurde um den Turm ein acht Zentimeter starkes Stahlseil gelegt, das von schweren Maschinen zusammengezogen wurde, bis der Turm einstürzte.[16]
Der Schornstein sollte ursprünglich im Oktober 2025 gesprengt werden. Im November 2025 wurde bekannt gegeben, dass die Sprengung nun am 22. Februar 2026 stattfinden soll. Dabei soll auch die Rauchgasreinigungsanlage und die Rauchgas-Entschwefelungs-Anlage gesprengt werden. [17] Das Gelände soll im Sommer 2026 an den Nachnutzer Amprion übergeben werden.[18]
Vorgängerkraftwerke
Gleich westlich befanden sich die Vorgängerkraftwerke:
- Kraftwerk Ibbenbüren Block A, das von 1967 bis 1987 betrieben wurde.
- Preussag Ballastkraftwerk Ibbenbüren, das von 1954 bis 1985 in Betrieb war.
Das erste Kraftwerk Ibbenbürens, das Nike-Kraftwerk Ibbenbüren, befand sich direkt oberhalb des Bahnhofs Ibbenbüren.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ Neues Ibbenbürener Kraftwerk verkaufte zum erstmal Strom. In: Ibbenbürener Volkszeitung. 22. Juni 1985.
- ↑ Uwe Gebauer: Ibbenbürener Kraftwerk ist jetzt am Netz. In: Ibbenbürener Volkszeitung. 30. November 1984, S. 1.
- ↑ Klaus Rotte: Dr. Gerhard Ackmann:„1997 war für uns ein Rekordjahr“. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 5, 7. Januar 1998, S. ibb1 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 25. Dezember 2025]).
- ↑ Klaus Rotte: Kein Einstieg in die Verbrennung von Hausmüll. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 303, 31. Dezember 2000, S. ibb1 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 1. Oktober 2025]).
- ↑ Christoph Boll: Verbrennung von Abfall ist eng begrenzt. In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 69, 22. März 2001, S. ibb1 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 20. Oktober 2025]).
- ↑ Klaus Rotte: „Organspende“ für Block B vom Kraftwerk in Meppen. In: archiv.ivz-aktuell.de. Ibbenbürener Volkszeitung, 14. September 2001, abgerufen am 21. August 2021.
- ↑ Claus Kossag: Pilot Klaus Müller betreibt einen kniffligen "Frühsport". In: Ibbenbürener Volkszeitung. Nr. 182, 19. November 2001, S. ibb1 (ivz-aktuell.de [abgerufen am 20. November 2025]).
- ↑ Zukunft der Zechenbahn Ibbenbüren. Kohle soll bergauf fahren. In: Westfälische Nachrichten. 5. Juni 2018, abgerufen am 11. September 2018.
- ↑ § 51 KVBG - Einzelnorm. Abgerufen am 3. Dezember 2020.
- ↑ Bundesnetzagentur - Gebotstermin 1. September 2020. Abgerufen am 3. Dezember 2020.
- ↑ Ende einer Ära: Letzte RWE-Steinkohlekraftwerke gehen vom Netz. In: Zeitung für kommunale Wirtschaft. 8. Juli 2021, abgerufen am 9. Oktober 2021.
- ↑ Kraftwerksliste. Bundesnetzagentur, 19. Juli 2023, abgerufen am 21. Juli 2023.
- ↑ BalWin2: Amprion kauft Kraftwerksgelände in Ibbenbüren für Konverterstation. Amperion, 19. Juli 2023, abgerufen am 6. April 2025.
- ↑ Amprion baut Stromumwandler in Ibbenbüren. WDR, 19. Juli 2023, abgerufen am 21. Juli 2023.
- ↑ Sprengung des Ibbenbürener Kohlekraftwerks aus Sicherheitsgründen verschoben. In: WDR.de p. 20. Februar 2025, abgerufen am 1. März 2025.
- ↑ Petra Brönstrup: Ibbenbüren und der große Knall: Kesselhaus und Kühlturm erfolgreich gesprengt. WDR, 6. April 2025, abgerufen am 6. April 2025.
- ↑ Nächste Sprengung am ehemaligen Kraftwerk Ibbenbüren. In: Radio RST. 13. November 2026, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Jan Kappelhoff: Kraftwerk Ibbenbüren: Hagedorn zum Schornstein: Noch kein Termin. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 16. Oktober 2025, abgerufen am 6. November 2025.