Kotha Raghuramaiah
Kotha Raghuramaiah (Telugu: కొత్త రఘురామయ్య; * 6. August 1912 in Sangam Jagarlamudi, Distrikt Guntur, Präsidentschaft Madras, Britisch-Indien; † 5. Juni 1979 in Neu-Delhi) war ein indischer Politiker des Indischen Nationalkongresses (INC), der unter anderem von 1952 bis 1980 Mitglied der Lok Sabha und mehrmals Minister war.
Leben
Kotha Raghuramaiah, Sohn von K. Jaganatham, absolvierte ein Studium am Andhra Christian College in Guntur, das er mit einem Master of Arts (M.A.) beendete, sowie ein Studium der Rechtswissenschaften an der University of Lucknow und schloss dieses mit einem Bachelor of Laws (LL.B.) ab. Er wurde mit dem 1. Preis (Goldmedaille) beim All India Inter-University Oratorical Contest in Englisch ausgezeichnet, der 1932 bis 1933 in Lucknow stattfand. Nachdem er seine anwaltliche Zulassung bei der Rechtsanwaltskammer (Inns of Court) von Middle Temple erhalten hatte, war er zwischen 1937 und 1941 al Rechtsanwalt (Barrister-at-Law) am Madras High Court tätig. 1941 trat er in den Justizdienst der Präsidentschaft Madras ein und bekleidete zwischen 1941 und 1951 verschiedene Positionen. Er war unter anderem stellvertretender Sekretär der Rechtsabteilung, stellvertretender Direktor für Beschäftigung und regionaler Öffentlichkeitsbeauftragter für Madras in der Umsiedlungsabteilung des Arbeitsministeriums, stellvertretender Rechtsberater (Solicitor) des Justizministeriums, stellvertretender Sekretär und Gemeinsamer Sekretär der Rechtsabteilung der Regierung von Madras sowie zuletzt bis 1951 Rechtssekretär und Beauftragter für Rechtserinnerungsverfahren der der Regierung von Madras. Neben seinen Tätigkeiten im Regierungsdienst engagierte er sich vor 1942 in Madras auch als Sekretär der Harijan Sevak Sangh, eine ehemals als All India Anti Untouchability League bekannte gemeinnützige Organisation, die 1932 von Mohandas Karamchand Gandhi[1] gegründet wurde, um die Unberührbarkeit in Indien zu beseitigen und sich für die Harijan oder Dalit sowie die Verbesserung der Lebensbedingungen der unterdrückten Kasten Indiens einzusetzen, sowie als Vizepräsident der Gewerkschaft Madras Corporation Labour Union.[2]
Nach seinem aus dem Staatsdienst wurde Raghuramaiah 1951 als Rechtsanwalt beim Obersten Gerichtshof (Supreme Court of India) zugelassen. Bei der ersten Parlamentswahl in Indien 1951/1952 wurde er für den INC im Wahlkreis „Tenali“ zum Mitglied der Lok Sabha gewählt, des Unterhauses des Parlaments (Bhāratīya Sansad), und gehörte dieser nach seiner Wiederwahlen bei der Parlamentswahl zwischen dem 24. Februar 1957 und dem 15. März 1957, der Parlamentswahl vom 19. bis 25. Februar 1962, der Parlamentswahl vom 15. bis 21. Februar 1967, der Parlamentswahl vom 1. bis 10. März 1971 sowie der Parlamentswahl vom 16. bis 20. März 1971 bis zur Parlamentswahl am 3. und 6. Januar 1980 an, wobei er seit 1957 den Wahlkreis „Guntur“ vertrat. Während seiner Parlamentszugehörigkeit war er zwischen 1952 und 1957 Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und wurde 1954 erst Mitglied des Haushaltsausschusses, ehe er zwischen 1955 und 1957 Mitglied des Ausschusses für Allgemeine Angelegenheiten und des Geschäftsordnungsausschusses war. Er fungierte außerdem von 1955 bis 1957 als Vorsitzender des Petitionsausschusses und gehörte 1954 dem Exekutivausschuss der Kongresspartei im Parlament an, dessen Sekretär er 1957 wurde.[2]
Darüber hinaus gehörte Kotha Raghuramaihah von 1953 bis 1957 dem Indischen Zentralen Tabakkomitee (Indian Central Tobacco Committee) an und war zwischen 1955 und 1956 dessen Vizepräsident. Zudem war er 1954 Vorsitzender der Tabakdelegation der Regierung für den Fernen Osten sowie zwischen 1956 und 1957 auch Vorsitzender des Tabakexportkomitees. 1954 wurde er des Weiteren Mitglied des Exekutivausschusses des Indian Institute of Public Administration, des Eisenbahnkorruptionsuntersuchungsausschusses sowie Präsident der Post- und Telegrafenarbeitergewerkschaft des damaligen Bundesstaat Andhra. Zugleich wurde er 1955 Herausgeber der Zeitschrift „Asian Recorder“ und gehörte zwischen 1955 und 1959 dem All India Congress Committee (AICC), dem Präsidium der Kongresspartei als Mitglied an, und wurde 1956 auch Mitglied von dessen Rechtsberatungsausschuss. Er war außerdem von 1955 bis 1957 Mitglied des Exekutivkomitees der indischen Parlamentsgruppe. 1956 übernahm er weiterhin die Posten als Präsident der Vereinigung der Angestellten in der Lebensversicherung in Andhra Pradesh und der Allindischen Postangestelltengewerkschaft in diesem Bundesstaat. Des Weiteren fungierte er 1956 als stellvertretender Delegierter im Treuhandrat der Vereinten Nationen, als Vertreter im UN-Ausschuss für Informationen aus nichtselbstverwalteten Gebieten sowie als stellvertretender Delegierter bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen.[2]
Am 17. April 1957 wurde er im dritten Kabinett von Premierminister Jawaharlal Nehru[3] stellvertretender Verteidigungsminister und fungierte im darauf folgenden Kabinett Nehru IV zwischen dem 16. April und dem 14. November 1962 als Staatsminister für Verteidigung, ehe er am 14. November 1962 zum Minister für Verteidigungsproduktion ernannt wurde, wobei er dieses Amt zwischen dem 27. Mai und dem 9. Juni 1964 auch unter Interim-Premierminister Gulzarilal Nanda[4] bekleidete. Während dieser Zeit war er im April 1960 auch Mitglied der UN-Seerechtskonferenz in Genf. Am 9. Juni 1964 wurde er im Kabinett von Premierminister Lal Bahadur Shastri[5] am 9. Juni 1964 zum Staatsminister im Ministerium für Arbeit und Beschäftigung sowie am 13. Juni 1964 zum Versorgungsminister im Ministerium für Industrie und Versorgung ernannt, ehe er am 3. Oktober 1964 zum Minister für Versorgung und technische Entwicklung berufen wurde und diese Funktion zwischen dem 11. und dem 24. Januar 1966 auch unter Interim-Premierminister Gulzarilal Nanda weiter bekleidete. Im ersten Kabinett von Premierministerin Indira Gandhi[6] wurde er am 13. März 1967 zum Staatsminister im Justizministerium, zum Staatsminister im Ministerium für Erdöl und Chemie sowie Staatsminister im Ministerium für Planung und Soziales berufen. Im Anschluss übernahm er am 5. September 1967 den Posten als Staatsminister im Ministerium für Erdöl und Chemie sowie als Staatsminister im Ministerium für Soziales. Daraufhin wurde er am 23. August 1968 zum Minister für Erdöl und Chemie und am 14. Februar 1969 zum Minister für Parlamentsangelegenheiten und Schifffahrt und Verkehr ernannt.[2][7]
Im Rahmen einer Umbildung des ersten Kabinetts Indira Gandhi wurde Raghuramaiah Kabinettsminister für Parlamentsangelegenheiten und bekleidete diesen Posten bis zum 18. März 1971. Daneben übernahm er am 26. Juni 1970 als Nachfolger von V. K. R. V. Rao[8] auch die Funktion als Kabinettsminister für Schifffahrt und Verkehr und behielt dieses Ministeramt ebenfalls bis zum 18. März 1971.[9] In dieser Funktion war er 1970 Leiter der Delegation bei der Internationalen Straßenkonferenz in Montreal. Im darauf folgenden Kabinett Indira Gandhi II löste er am 5. Februar 1973 Raj Bahadur[10] als Minister für parlamentarische Angelegenheiten ab und bekleidete dieses Ministeramt bis zum Ende von Indira Gandhis Amtszeit am 24. März 1977, wobei er in dieser Funktion 1975 Leiter der indischen Delegation bei der 21. Parlamentskonferenz des Commonwealth of Nations in Neu-Delhi sowie 1976 Leiter der Delegation bei der 22. Commonwealth-Parlamentskonferenz in Mauritius war. Als Nachfolger von Bhola Paswan Shastri[11] übernahm er am 10. Oktober 1974 auch den Posten als Minister für öffentliche Arbeiten, Wohnungsbau und Stadtentwicklung und behielt dieses Amt bis zum 23. Dezember 1976, woraufhin Hitendra Kanaiyalal Desai[12] ihn ablöste. In dieser Funktion nahm er 1975 an der Colombo-Konferenz der Wohnungsbauminister in Sri Lanka teil und war im Juni 1976 auch Leiter der Delegation bei der UN-Habitatkonferenz in Vancouver. Im Zuge einer weiteren Umbildung des zweiten Kabinetts von Indira Gandhi war er vom 1. bis 21. Dezember 1975 auch kommissarischer Minister für Versorgung und Rehabilitation sowie in erneuter Nachfolge von Raj Bahadur zwischen dem 22. Dezember 1976 und dem Ende von Indira Gandhis Amtszeit am 24. März 1977 des Weiteren Minister für Tourismus und Zivilluftfahrt.[2][7][13]
Kotha Raghuramaihah erhielt 1975 eine Ehrendoktorwürde von der Andhra University sowie im Januar 1977 eine weitere Ehrendoktorwürde von der Sri Venkateswara University in Tirupati. Aus seiner am 3. Juli 1937 geschlossenen Ehe mit K. Lakshmi Raghuramaiah ging eine Tochter hervor.
Einzelnachweise
- ↑ Gandhi, Mohandas (Karamchand). rulers.org, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e Member Detail. Lok Sabha, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ Nehru, Jawaharlal. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Nanda, Gulzarilal. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Shastri, Lal Bahadur. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Gandhi, Indira (Priyadarshini). rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ a b Raghuramaiah, Kotha. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Vijayendra Kasturi Ranga Varadaraja Rao. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Council of Ministers Gandhi 2 ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Bahadur, Raj. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Shastri, Bhola Paswan. rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Desai. Desai, Hitendra (Kanaiyalal). rulers.org, abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ COUNCIL OF MINISTERS GANDHI 3 ( vom 8. Februar 2020 im Internet Archive)