Konzert- und Kongresshalle Bamberg
Die Konzert- und Kongresshalle Bamberg ist eine Konzert- und Veranstaltungshalle in Bamberg. Sie ist das Stammhaus der Bamberger Symphoniker. Daneben wird sie für Tagungen, Kongresse, Messen und Ausstellungen sowie Vortrags-, Podiums- und Musikveranstaltungen verschiedener Art genutzt. Angeschlossen an den gesamten Komplex sind zwei Hotels.
Die Konzerthalle Bamberg wurde zwischen 1989 und September 1993 für die Bamberger Symphoniker errichtet und 1993 eingeweiht. In Altstadtnähe unmittelbar am östlichen Ufer der Regnitz gelegen, bildet sie mit benachbarten historischen Gebäuden, wie dem Stadtarchiv Bamberg und dem ehemaligen Krankenhaus, ein städtebauliches Ensemble. Wichtige Blickachsen ergeben sich zu bekannten kulturellen Bauten Bambergs, vor allem zu dem auf dem Domberg gelegenen Kaiserdom zu Bamberg und dem ebenfalls erhöht liegenden Kloster Michelsberg. 2009 folgte eine umfangreiche Modernisierung und Renovierung der Konzerthalle nach den Ideen des Hamburger Designers Peter Schmidt, die sowohl die Erweiterung des Foyers durch zwei neue, gläserne Anbauten als auch ein neues Farbkonzept im Inneren des Gebäudes sowie eine Neugestaltung des Hallenvorplatzes einschloss.
Die Konzerthalle Bamberg beherbergt zwei Säle: den Joseph-Keilberth-Saal genannten Konzertsaal mit rund 1.400 Plätzen sowie den kleineren Hegel-Saal als Veranstaltungssaal, der bis zu 667 Personen fasst. Zusammen mit den Foyers verfügt die Konzerthalle über Räumlichkeiten von mehr als 6.000 m². Eigentümerin der Konzerthalle ist die Stadt Bamberg, Betreiberin die Bamberg Congress + Event GmbH, die auch die Brose Arena im Süden der Stadt betreibt.
Planung und Bau
Erste Überlegungen zum Bau einer Konzerthalle in Bamberg reichen zurück bis an das Ende der 1970er Jahre. Als James Loughran sein Amt als Chefdirigent in Bamberg am 1. September 1979 antrat, lenkte er, wie schon einige Vorgänger, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Fehlen einer adäquaten Veranstaltungsstätte für das Orchester. Die Bamberger Symphoniker nutzten seit 1950 als Konzertsaal die ehemalige Kirche des Bamberger Dominikanerklosters, den sogenannten „Kulturraum“, der aufgrund der räumlichen und akustischen Gegebenheiten allerdings nur als Provisorium zu betrachten war. Der im November 1977 eingesetzte „Förderverein Kongreß- und Konzerthalle Bamberg“ wirkte ebenfalls mit Nachdruck daraufhin, einen ausreichend großen und angemessenen Bau in Bamberg zu schaffen.[1] 1980 trat die Stadt in die konkrete Planungs- und Ausschreibungsphase ein. Nach den Plänen der Münchner Architekten Rollenhagen und Großmann wurde die Konzerthalle zwischen 1989 und 1993 durch die Stadt Bamberg errichtet. Die Eröffnung fand im Herbst 1993 statt.
Die Netto-Baukosten betrugen 60 Mio. DM, die Finanzierung wurde im Wesentlichen abgedeckt durch Fördermittel des Freistaats Bayern (60 % der Baukosten) und der Oberfrankenstiftung (Festbetrag von 5 Mio. DM), der Rest resultierte aus städtischen Eigenmitteln.
Joseph-Keilberth-Saal
Heimstatt der Bamberger Symphoniker
Der große Konzertsaal, der als Domizil der Bamberger Symphoniker fungiert, ist benannt nach dem langjährigen Chefdirigenten des Orchesters, Joseph Keilberth. Der Saal bietet ca. 1.400 Sitzplätze. Er wurde am 10. September 1993 mit der Aufführung von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 8, der „Symphonie der Tausend“, unter der Leitung des damaligen Chefdirigenten Horst Stein eingeweiht. 2008 wurde der Joseph-Keilberth-Saal durch den japanischen Akustikdesigner Yasuhisa Toyota akustisch optimiert und der Bühnenaufbau zur einer neuen, halbkreisförmigen und ansteigenden Orchesteraufstellung modifiziert.
Die Bamberger Symphoniker genießen gemäß den Förderrichtlinien und einem Rahmenmietvertrag ein uneingeschränktes Vorbelegungsrecht des Joseph-Keilberth-Saals für alle Proben und Konzerte ebenso wie für ihre umfangreiche Aufnahmetätigkeit im Rahmen des Produktionsvertrages mit dem Bayerischen Rundfunk. In jeder Saison gibt das Orchester ca. 40 öffentliche Konzerte in dem mit einer großen Konzertorgel der Orgelbaufirma Jann ausgestatteten Saal, mehr als 600 Auftritte in dem Saal. Zum Konzertangebot der Bamberger Symphoniker im Joseph-Keilberth-Saal gehören neben den fünf Abonnementreihen des Orchesters auch Orgel- und Kammerkonzerte sowie Sonderkonzerte.
Die Besucherzahlen der Bamberger Symphoniker verdoppelten sich mit der Eröffnungssaison der Konzerthalle: Statt drei Abonnementreihen mit insgesamt 20 Konzerten wie zu Zeiten des Dominikanerbaus, der Platz für rund 1.100 Besucher bot, verfügt das Orchester seit der Spielzeit 1993/1994 über fünf Konzertreihen mit insgesamt 36 Konzerten, die allein von rund 6.000 Abonnenten besucht werden – bei einer Zahl von knapp 80.000 Einwohnern Bambergs. Die Auslastung aller Konzerte, der Abonnement- und der frei verkauften Konzerte, beträgt regelmäßig deutlich über 95 %.[2]
Jann-Orgel
Ein schon optisch prägendes Element des Joseph-Keilberth-Saals ist die große Konzertorgel, die 1992–1993 als Opus 193 von der Firma Georg Jann aus dem niederbayerischen Alkofen erbaut wurde. Die Konzeption des viermanualigen Instruments mit seinen 74 Registern und 5.830 Pfeifen ist von der Orgel des Konzerthauses Wien inspiriert.[3] Sie verbindet die klangliche Fülle einer spätromantischen Symphonieorgel mit der Durchsichtigkeit eines modernen Konzertsaalinstruments. Die Trägerschaft für die Bamberger Orgel übernahm der Verein der Freunde der Bamberger Symphoniker e. V.
Entsprechend der ursprünglichen Planungen ist die Jann-Orgel einer mehrfachen Aufgabenstellung verpflichtet: Mitwirkung an den großen spätromantischen Orchesterwerken und Oratorien mit Orgelbeteiligung, dazu Interpretation der Literatur für Orgel und Orchester sowie der Literatur für Orgel solo,[4] vor allem aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dafür enthält sie unter anderem reichlich Zungenstimmen deutscher und französischer Bauart, etliche Streicherregister, zwei offene 32 Füße für ein tragfähiges Baßfundament sowie vier Hochdruckregister im IV. Manual für einen markanten Orgelklang im Zusammenspiel mit einem groß besetzten Sinfonieorchester.[3]
Das Einweihungskonzert des Instruments fand am 9. Oktober 1993 statt, wenige Wochen nach der Eröffnung der Konzerthalle. Auf dem Programm standen Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und César Franck, die Ciacona op. 54 des Bamberger Komponisten Karl Höller sowie Max Regers Symphonische Fantasie und Fuge op. 57. Solist war der Bamberger Konzertorganist Edgar Krapp, der an der Konzeption der Orgel maßgeblich mitgewirkt hatte und seit der Einweihung die im Joseph-Keilberth-Saal beheimatete Orgelreihe der Bamberger Symphoniker künstlerisch betreute. Seit 2014 wird diese Konzertreihe vom Hauptorganisten der Bamberger Symphoniker, Christian Schmitt, betreut, der 2013 für seine cpo-Aufnahmen der symphonischen Werke Widors mit den Bamberger Symphonikern mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurde. Zu den Organisten, die bisher im Rahmen dieser Reihe konzertierten, gehören neben dem Bamberger Domorganisten Markus Willinger zum Beispiel Iveta Apkalna, Cameron Carpenter, Thierry Escaich, Simon Preston, Marie-Claire Alain, Daniel Roth, Olivier Latry, Jean Boyer, Vincent Warnier, Michel Bouvard und Wayne Marshall und Winfried Bönig.
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- Koppeln:
- Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
- Superoktavkoppeln: III/I, III/III
- Suboktavkoppeln: III/I, III/I
Hegel-Saal
Der Hegel-Saal der Konzerthalle Bamberg bezieht sich in seiner Namensgebung auf den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der 1807/1808 in Bamberg wirkte und dort auch sein erstes Hauptwerk, die Phänomenologie des Geistes, herausgab. Der nach ihm benannte Saal fasst, je nach Anordnung der Bestuhlung, bis zu ca. 667 Plätze. Mehrere Jahre nutzte der Musikverein Bamberg den Saal für seine Kammerkonzerte. Die Raumakustik ist indessen in erster Linie auf Sprachveranstaltungen ausgelegt, der Hegel-Saal ist primär Teil des Kongress- und Tagungsangebots des Hauses.
Modernisierung und Renovierung der Konzerthalle
Im Sommer 2008, 15 Jahre nach ihrer Eröffnung, folgte der erste Schritt einer umfassenden Modernisierung der Konzerthalle Bamberg durch die klangliche Optimierung des Joseph-Keilberth-Saals. Federführend war der japanische Akustik-Designer Yasuhisa Toyota, der auch für den Klang der Suntory Hall in Tokio, der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und der Elbphilharmonie in Hamburg verantwortlich zeichnet. Im Zuge der Arbeit an der Akustik der Bamberger Konzerthalle wurde die Orchesteraufstellung durch den Einsatz neu angefertigter, variabler und halbkreisförmig angeordneter Podeste modifiziert.[5] Die Kosten von ca. 200.000 Euro wurden von der Oberfrankenstiftung, aus Eigenmitteln der Bamberger Symphoniker sowie durch den Verein der Freunde der Bamberger Symphoniker e. V. getragen.
Im Laufe des Jahres 2009 schloss sich eine dreifache Neugestaltung und Renovierung der Konzerthalle Bamberg an: Das Foyer wurde durch zwei neue, mit einer gläsernen Fassade ausgestattete Anbauten vergrößert, der Joseph-Keilberth-Saal und das Foyer erhielten ein neues Farbkonzept und der Vorplatz der Konzerthalle wurde neu gestaltet. Ideengeber war der Hamburger Designer Peter Schmidt. Die Innenraumrenovierung des Bestandes wurde durch das Bamberger Architekturbüro Rebhan durchgeführt. Die planerische Umsetzung der Foyererweiterung übernahmen die Bamberger Architekten Mietusch und Partner. Das Foyer der Konzerthalle verzeichnet durch die Erweiterung auf zwei Geschosse eine Vergrößerung der Fläche um 850 m². Der gesamte Prozess des Umbaus und der Sanierung der Konzerthalle Bamberg wurde nach acht Monaten reiner Bauzeit abgeschlossen. Die Kosten des Projektes beliefen sich auf 6,3 Mio. Euro, die zu gleichen Anteilen vom Freistaat Bayern, der Oberfrankenstiftung und der Stadt Bamberg als Eigentümerin der Konzert- und Kongresshalle aufgebracht wurden. Auf dem Vorplatz der Konzerthalle aufgestellt ist eine gemeinhin als „Stimmgabel“ bezeichnete Skulptur von Erwin Wortelkamp.
Im Rahmen eines Festkonzerts wurde am 25. September 2009 die Wiedereröffnung des Joseph-Keilberth-Saals mit einer Aufführung von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 3 gefeiert. Jonathan Nott, Chefdirigent in Bamberg, dirigierte die Bamberger Symphoniker, den Chor der Bamberger Symphoniker und die Knaben des Bamberger Domchors, den Solopart sang die britische Mezzosopranistin Jane Irwin.
Literatur
- Sinfonie an der Regnitz. Eine Festschrift zur Eröffnung der Konzert- und Kongresshalle Bamberg. Hrsg. vom Verlag Fränkischer Tag und der Stadt Bamberg, 1993.
- Marco Frei: Der Weg zum vollendeten Klang. Yasuhisa Toyota optimiert die Bamberger Konzert- und Kongresshalle. In: „Das Orchester“ 10/2008, ISSN 0030-4468, S. 38.
- Es gibt keine Hitliste für gute Akustik. Interview mit Yasuhisa Toyota. In: „Fränkischer Tag“, Bamberg, ZDB-ID 2221814-2, vom 3. Juli 2008.
Einzelnachweise
- ↑ Wolfgang Pfister: Die Bamberger Symphoniker. 50 Jahre Orchesterkultur in Bamberg. Hrsg.: Verlag Fränkischer Tag. Verlag Fränkischer Tag, Bamberg 1996, S. 167.
- ↑ Quelle: Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie.
- ↑ a b Textheft zur CD: Franz Liszt: Orgelwerke / Edgar Krapp an der Jann-Orgel der Konzerthalle Bamberg, Label: Calig Nr. CAL 50 934
- ↑ Nähere Informationen zur Orgel (PDF-Datei)
- ↑ Marco Frei: Der Weg zum vollendeten Klang. Yasuhisa Toyota optimiert die Bamberger Konzert- und Kongresshalle. In: Das Orchester. 10/2008, S. 38.
Weblinks
Koordinaten: 49° 53′ 48″ N, 10° 52′ 44″ O