Kolpen (Lohsa)
Koordinaten: 51° 25′ N, 14° 28′ O
Kolpen, obersorbisch Kołpin, war ein Ortsteil von Ratzen im heutigen Landkreis Bautzen in der Nähe von Lohsa, der 1960 für den Tagebau Lohsa devastiert und abgebrochen wurde.
Geschichte
Historische Belege für Kolpen finden sich 1531 als Golpan, 1538 als Golppen, 1539 als Kollppen, 1612 als Kholpen, 1704 und 1768 als Kolpen sowie 1835 als Kołpin. Der Ortsname dürfte sich aus der sorbischen Bezeichnung für Schwan (kołp) gebildet haben.
Die Siedlung bestand aus einem Rundweiler mit Großblockflur innerhalb der Ratzener Flur.
Bis zur Feudalablösung gehörte Kolpen zum Rittergut Ratzen sowie anteilig zur Landvogtei Bautzen.
Zumindest seit dem 16. Jahrhundert war die Siedlung nach Lohsa eingepfarrt.[1]
Im Forstrevier von Kolpen lagen vier Teiche: westlich der Kuscherteich, im Norden der Alte Jagdhausteich, weiter westlich davon der Dianateich und der Mischtrutzteich.
Das Kolpener Jagdschloss war ein aus Holz errichtetes Gebäude mit zwei Nebengebäuden, das der Unterbringung von Personen bei der Jagd diente. Ab dem Jahr 1945 wurde es als Wohnraum genutzt. Der Plan zweier Familien in den 1950er-Jahren, das Jagdschloss zu erwerben, es an einen anderen Ort zu versetzen und zum Wohnhaus umzubauen, wurde seitens der Staatlichen Forstwirtschaft abgelehnt, da sie das Gebäude für eigene Zwecke benötige. Von 1939 bis 1945 gab es in Kolpen zwei Forsthäuser und ein kleines Kriegsgefangenenlager im Wald. In der Zeit der DDR war das Gebiet zwischen Kolpen und Geißlitz militärisches Übungsgelände der NVA und der Armeen des Warschauer Pakts.[2]
Der Ortsabbruch erfolgte 1960, verursacht durch den Tagebau Glückauf III (seit 1968 Tagebau Lohsa). Die amtlich registrierte Umsiedlerzahl im Zusammenhang mit dem Ortsabbruch betrug einschließlich der von Geißlitz, ebenfalls Ortsteil von Ratzen, 150 Personen. Die meisten von ihnen wurden in Lohsaer Neubaublöcken untergebracht.
Einwohner
1777 waren in Kolpen die Familien eines Gärtners und zweier Häusler ansässig, während eine bäuerliche Stelle wüst lag. 1825 hatte Kolpen 34 Einwohner. 1865 unterhielten hier fünf Häusler und ein Förster landwirtschaftliche Zwerg- und Kleinbetriebe.
Die Einwohner von Kolpen waren 1884 allesamt Sorben. Unter den 249 von Ratzen, Kolpen und Geißlitz zählte Arnošt Muka im genannten Jahr nur vier (auch das Sorbische beherrschende) Deutsche.[3]
Heutige Lage und Gedenkstätte
An der Stelle der ehemaligen Ortslage von Kolpen befindet sich heute das Speicherbecken Lohsa II, das bis 2013 geflutet wurde.
Für die abgebaggerten Orte Ratzen, Kolpen und Geißlitz wurden am 19. Juni 1999 drei Gedenksteine (51° 23′ 13,7″ N, 14° 25′ 20,8″ O) und eine Sitzgelegenheit aufgestellt. Die Findlinge stammen aus dem Tagebau Welzow-Süd.[4] Ehemalige Einwohner und die Mitglieder des Fördervereins Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. weihten den Ort ein.[5] Die Gedenkstätte befindet sich auf einem Damm inmitten der Ratzener Teiche. Auf dem größten (12 Tonnen schweren) Findling ist eine Metallplatte angebracht. Sie trägt die Aufschrift: Erinnerung Dorf Ratzen – Radska 1343–1960; mit den Ortsteilen Kolpen – Kolpin – 3,5 km; Geißlitz – Kislyk – 6,5 km; 150 Einwohner wurden umgesiedelt. Die Erinnerungsstätte befindet sich im Jahr 2025 noch auf Sperrgebiet und ist nicht zugänglich.[6]
Siehe auch
Literatur
- Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 161–162.
- Archiv verschwundener Orte Forst/Horno: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 272–273.
- Ernst Eichler, Hans Walthe: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Kamenz, Löbau, Niesky, Senftenberg, Weißwasser und Zittau. Bd. I: Namenbuch. Berlin 1975. S. 134.
- Gerhard Mölke: Ratzen. Aus der Vergangenheit eines kleinen Dorfes, das dem Bergbauweichen muß. Knappenrode 1960.
- Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. 4. Teil: Oberlausitz. Leipzig 1957, S. 44.
Weblinks
- Kolpen im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- Speicherbecken Lohsa II auf KuLaDig. Kultur.Landschaft.Digital.
Einzelnachweise
- ↑ Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage. Domowina, Bautzen 2014, S. 161.
- ↑ Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 272 f.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Nr. XXXVII, 1885, S. 9.
- ↑ Torsten Richter-Zippack: Heimat, die bleibt. Ortserinnerungsstätten in der Lausitz. Regia-Verlag, Cottbus 2013, S. 129.
- ↑ Erinnerungsorte: Gedenkstein für Ratzen, Kolpen und Geißlitz. In: Archiv verschwundener Orte. Abgerufen am 20. September 2025.
- ↑ Gedenkstein für die devastierten Orte Ratzen, Geißlitz und Kolpen. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 20. September 2025.