Geißlitz (Lohsa)

Geißlitz, obersorbisch Kisyłk, war ein Vorwerk in der Oberlausitz, das im Jahr 1960 für den Braunkohletagebau Glückauf III (seit 1968 Tagebau Lohsa) abgebaggert wurde. Zusammen mit Kolpen, ebenso wie Geißlitz Ortsteil von Ratzen, wurden 150 Personen umgesiedelt.

Lage

Geißlitz lag östlich der Stadt Hoyerswerda und nordöstlich der Gemeinde Weißkollm. Es war ein Ortsteil von Ratzen. Im Jahr 1938 endete die kommunale Selbstständigkeit Ratzens, wodurch Geißlitz zusammen mit Kolpen nach Lohsa eingemeindet wurde.[1]

Geschichte

Historisch ist der Ort 1622 als Geislitz, 1732 als Geißlitz, 1736 als Geisliz und im Jahr 1800 sorbisch als Kißelk belegt. Der vom sorbischen Namen Kisylk abgeleitete Ortsname weist auf einen Standort auf saurem Grund hin. Geißlitz war bis zur Feudalablösung dem Rittergut Ratzen zugehörig und bildete auf der Ratzener Flur eine Häusergruppe. Kirchlich war es nach Lohsa eingepfarrt.

Die Einwohner von Geißlitz wurden in den Ort Lohsa in Neubaublöcke umgesiedelt.

Bevölkerung und Sprache

Im Jahr 1777 wurden in Geißlitz die Familien eines Gärtners und dreier Häusler gezählt, 1825 insgesamt 26 Einwohner.

Bei seiner Untersuchung im Jahr 1884 stellte der Sprachwissenschaftler Arnošt Muka fest, dass alle Einwohner in Geißlitz Sorben waren, insgesamt (in Ratzen und seinen beiden Ortsteilen Geißlitz und Kolpen) 249 Personen. Darunter machte er nur vier (auch die sorbische Sprache beherrschende) Deutsche aus.

Gedenkstätte

Für die abgebaggerten Orte Ratzen, Kolpen und Geißlitz wurden am 19. Juni 1999 drei Gedenksteine (51° 23′ 13,7″ N, 14° 25′ 20,8″ O) und eine Sitzgelegenheit aufgestellt. Die Findlinge stammen aus dem Tagebau Welzow-Süd.[2] Ehemalige Einwohner und die Mitglieder des Fördervereins Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. weihten den Ort ein.[3] Die Gedenkstätte befindet sich auf einem Damm inmitten der Ratzener Teiche. Auf dem größten (12 Tonnen schweren) Findling ist eine Metallplatte angebracht. Sie trägt die Aufschrift: Erinnerung Dorf Ratzen – Radska 1343–1960; mit den Ortsteilen Kolpen – Kolpin – 3,5 km; Geißlitz – Kislyk – 6,5 km; 150 Einwohner wurden umgesiedelt. Die Erinnerungsstätte befindet sich im Jahr 2025 noch auf Sperrgebiet und ist nicht zugänglich.[4]

Siehe auch

Literatur

  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 70–71.
  • Archiv verschwundener Orte Forst/Horno: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 270–271.
  • Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa/Thomas, Werner: Verschwundene Orte und Ortsteile um Lohsa; Lohsa 1997.
  • Ring Deutscher Bergingenieure Bezirksverein Lausitzer Braunkohle/Specht, Reinhard: 100 Jahre Braunkohlenbergbau um Werminghoff (Knappenrode) und Lohsa; Spitzkunnersdorf 2014.

Einzelnachweise

  1. Geißlitz/Kisylk. In: Archiv verschwundener Orte. Abgerufen am 20. September 2025.
  2. Torsten Richter-Zippack: Heimat, die bleibt. Ortserinnerungsstätten in der Lausitz. Regia-Verlag, Cottbus 2013, S. 129.
  3. Erinnerungsorte: Gedenkstein für Ratzen, Kolpen und Geißlitz. In: Archiv verschwundener Orte. Abgerufen am 20. September 2025.
  4. Gedenkstein für die devastierten Orte Ratzen, Geißlitz und Kolpen. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 20. September 2025.

Koordinaten: 51° 25′ 55″ N, 14° 27′ 11″ O