Klosterkirche Ichtershausen

Die Klosterkirche Ichtershausen (St. Georg und Marien) ist die Pfarrkirche des Dorfes Ichtershausen in Thüringen. Sie war bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1539 die Abteikirche der Zisterzienserinnenabtei Ichtershausen, die eine der ersten Zisterzienserinnenklöster in Deutschland war. Mit seinem reichen Grundbesitz und einem personenstarken Konvent zählte es im Mittelalter zu den größten Klöstern in Thüringen. Infolge der Reformation wurde die Abteikirche zu einer evangelischen Kirche.

Die Kirche gehört zum Pfarrbereich Ichtershausen-Holzhausen im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[1]

Geschichte

Baubeginn der Kirche war um 1100, 1133 wurde sie als Eigenkirche von Frideruna von Grumbach geweiht. Es handelt sich um eine romanische, dreischiffige Basilika mit einem dreiapsidialen Chorraum und zwei mächtigen Türmen an der Westseite. Im Jahr 1147 erfolgte die Umwandlung der Kirche in ein Kloster. Das Kirchenschiff ist mit dem Hauptgebäude des Alten Schlosses verbunden, die früher bestehenden Verbindungswege existieren nicht mehr.

1602 kam es zu einem Brand, der das Nordschiff zerstörte. Daraufhin wurden seine Reste abgetragen und die Bögen vermauert (heute noch gut sichtbar). Der Wiederherstellung bzw. die Instandsetzung weiterer beschädigte Teile der Kirche verzögerte sich. Erst 1721 konnte dier erneuerte Kirche eingeweiht werden.[2]

Im Jahre 2000 wurde das Nordschiff in sehr einfacher Weise, die nicht zum historischen Gebäude passt, von jugendlichen Gefangenen der Jugendstrafanstalt Ichtershausen wieder errichtet. Von 1877 bis zur Schließung der örtlichen Strafanstalt 2014 war ein Stück der Kirchenmauer zugleich Teil der Gefängnismauer, hinter der Apsis lag der Gefängnishof.[3]

Ausstattung

Die Kirche hat auf der Südseite zwei Emporen. Die Thielemann-Orgel wird derzeit rekonstruiert. In der Kirche befinden sich einige mittelalterliche Gemälde.

Die Fürstenloge und der Kanzelaltar wurden Anfang der 1960er Jahre abgebrochen.

Ereignisse und Persönlichkeiten

Philipp von Schwaben wurde 1198 im Kloster zum deutschen König vorbestimmt (danach in Mühlhausen gewählt und in Mainz gekrönt). 1546 hielten die protestantischen Fürsten des Schmalkaldischen Bundes hier einen Kongress ab.

Der Dichter Wilhelm Hey war zwischen 1832 und 1854 Pfarrer der Kirche.[4] Ihm ist ein Denkmal neben dem Kirchenschiff gewidmet. Die Grabstätten von Hey und seiner Frau, die sich auf dem Friedhof neben der Klosterkirche befanden, sind nicht erhalten.

Bilder

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Wilhelm Rein (Hrsg.): Kloster Ichtershausen. Urkundenbuch, Geschichte und bauliche Beschreibung mit genealogischen und heraldischen Anmerkungen, Siegelabbildung und Grundriss (= Thuringia Sacra. Band 1). Hermann Böhlau, Weimar 1863, S. 202.
  • Inge Gotzmann: Klosterkirche St. Georg und Marien Ichtershausen. In: dies.: Dorfkirchen in Deutschland. Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn 2007, ISBN 978-3-925374-78-4, S. 80–81.
  • Ulrich Simon: Ichtershausen. In: Die Mönchs- und Nonnenklöster der Zisterzienser in Hessen und Thüringen. Bearb. von Friedhelm Jürgensmeier und Regina E. Schwerdtfeger (Germania Benedictina IV), EOS-Verlag, St. Ottilien 2011, S. 976–1006.

Quelle

Commons: Kloster Ichtershausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. St. Georg und Marien, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  2. Inge Gotzmann: Klosterkirche St. Georg und Marien Ichtershausen. In: dies.: Dorfkirchen in Deutschland. Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn 2007, S. 80–81, hier S. 80.
  3. Inge Gotzmann: Klosterkirche St. Georg und Marien Ichtershausen. In: dies.: Dorfkirchen in Deutschland. Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn 2007, S. 80–81, hier S. 81.
  4. Inge Gotzmann: Klosterkirche St. Georg und Marien Ichtershausen. In: dies.: Dorfkirchen in Deutschland. Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn 2007, S. 80–81.

Koordinaten: 50° 52′ 27″ N, 10° 58′ 19″ O