Klein Süntel
Klein Süntel Stadt Bad Münder am Deister
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| Koordinaten: | 52° 10′ N, 9° 26′ O | |
| Einwohner: | 262 (30. Juni 2022)[1] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1973 | |
| Postleitzahl: | 31848 | |
| Vorwahl: | 05042 | |
Lage von Klein Süntel in Niedersachsen
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Klein Süntel ist einer von 16 Ortsteilen der Stadt Bad Münder am Deister im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen.
Geografie
Klein Süntel liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln als Sackgassenort am Ende der Kreisstraße 71. Der Ort befindet sich etwas abseits der Bundesstraße 217 zwischen Springe und Hameln am Südosthang des Süntels. Klein Süntel geht baulich direkt in den Ortsteil Flegessen über. Durch seine erhöhte Lage am Berghang bietet sich von Klein Süntel aus ein weiter Blick über das Tal der Hamel bis zum Ith.
Geschichte
Im Ort bestand die um das Jahr 1620 erstmals urkundlich erwähnte bedeutende Glashütte Klein Süntel, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört, im Siebenjährigen Krieg durch die Franzosen beschädigt und jeweils wieder aufgebaut wurde.[2] Sie wurde 1820 erneuert und produzierte bis zu ihrer Stilllegung 1886 Grünglas in Form von Flaschen. Deshalb wird der Ort Klein Süntel historisch auch als Glasmacherkolonie betrachtet. Die Technik der Herstellung von hochwertigem Glas kam wahrscheinlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts vom Weltmarktführer England. Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt die Hütte von Georg II. von England (1683–1760) das Monopol für die Flaschenproduktion im Kurfürstentum Hannover. Sie hatte zwischen 20 und 40 Beschäftigte. Flaschen wurden in großer Stückzahl bis nach Amerika exportiert. Im November 1886 wurde die Glashütte außer Betrieb gesetzt.[3] In den Jahren 2011 bis 2020 gab es archäologische Untersuchungen der abgerissenen Betriebsanlagen und Fundamente eines früheren Rauchgaskegels/Glashüttenturms, nahe eines erhaltenen Fachwerkbaus der Hütte.[4] Über diesen Zeitraum hinaus werden bauliche Sicherungsmaßnahmen am Glashüttenstandort finanziert. Weltweit haben sich sieben vergleichbare Glashüttentürme erhalten: zwei weitere Türme im mittleren Weserraum, einer in Frankreich und vier in England. In der Nähe der Glashütte lag eine Ziegelei.
Der Süntel führt zahlreiche Steinkohleschichten. Aus den Sumpfwäldern in der Wealdenzeit vor 100 Millionen Jahren entstand Steinkohle. Zeitweise wurde in Klein Süntel Bergbau betrieben, um diese Steinkohle aus dem Süntel zu fördern. Davon zeugen noch Stollenausgänge und Abraumhalden im Wald. Die Glashütte Klein Süntel nutzte die Wealden-Steinkohle des Süntels als Brennstoff. Dies machte die Region zu einem Zentrum der frühen Kohleindustrie. Der Abbau des Bodenschatzes begann im 17. Jahrhundert. Es gab im Ostteil des Süntels in der Nähe von Klein Süntel mehrere Bergwerke.[5] Auf dem Heuerweg bei Klein Süntel gibt es beispielsweise noch die Reste des „Betstubenschachtes“, in dessen Nähe der „Alte Münder Stollen“ lag. Ebenfalls in der Nähe von Klein Süntel im Steinbachtal gibt es den geschlossenen alten „Georgstollen“, der unter dem Höhenkamm der Hohen Egge des Süntel eine Tiefe von 230 Meter erreichte, sowie am „Wasserradweg“ im Süntel die Binge des „Löwenschachtes“ von 1860. Die Bergleute mussten stets mit den Wassermengen des Süntel kämpfen. Deshalb wurden Dampfmaschinen zur Entwässerung der Stollen eingesetzt. Die Steinkohle wurde besonders stark im 19. Jahrhundert und in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gefördert.[6] Sie enthielt viele nicht brennbare Substanzen, u. a. Salz. Der Abbau der Steinkohle verhinderte die weitgehende Vernichtung der ausgedehnten Wälder von Deister und Süntel, da die Salinen und Glashütten um Bad Münder zuvor noch immense Mengen an Holz verbrauchten.[7]
Das Dorf Klein Süntel wurde am 1. Januar 1973 durch die Gebietsreform als einer von 16 Ortsteilen zur Stadtgemeinde Bad Münder zusammengelegt.[8]
Politik
Ortsbürgermeister ist Cordt-Hinrich Piephoh (CDU).[9]
Klein Süntel hat einen gemeinsamen Ortsrat mit den Nachbarorten Flegessen und Hasperde. Die Dorfgemeinschaft der drei Dörfer wird durch 5 (von 53) Ratsherren und -frauen im Rat der Stadt Bad Münder vertreten.
Wirtschaft und Infrastruktur
In Gemeinschaft der Dörfer mit den Nachbarortsteilen Hasperde und Flegessen ist Klein Süntel wiederholt für die Vielzahl an dörflichen Aktivitäten und das hohe ehrenamtliche Engagement seiner Einwohner ausgezeichnet worden. 2013 wurde die von Bürgern aus Flegessen, Hasperde und Klein Süntel gegründete „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ beim Bundeswettbewerb „Neue Nachbarschaft“ von der „Montag Stiftung Urbane Räume“ für die „vielen engagierten, kreativen Projekten“[10] als ein „Beispiel für mehr Lebensfreude auf dem Land statt Landflucht“[11] ausgezeichnet. Ebenso gewann die Dörfergemeinschaft 2013 den „Deutschen Bürgerpreis“ der Sparkassenstiftung Weserbergland.
In Klein Süntel gibt es ein Senioren-Domizil.
Freiwillige Feuerwehr und Vereine
Freiwillige Feuerwehr
- Die Freiwillige Feuerwehr Klein Süntel hat 56 Mitglieder.
Vereine
- Der DRK-Ortsverein Flegessen/Hasperde/Klein Süntel wurde 1942 gegründet und hat 82 Mitglieder.
- Der „Schützenverein Klein Süntel von 1952 e. V.“ bietet die Schießsportarten Bogenschießen, Kleinkaliberschießen sowie Schießen mit Luftpistole, Lichtpunktgewehr und Luftgewehr. Daneben gibt es die Angebote Blasrohrschießen, Shuffleboard und das Boulespiel (und in Zukunft auch Dart). Der Schützenverein Klein Süntel benutzt die Reste der alten Bergwerksanlagen des alten „Georgstollens“ im Süntel für seine Zwecke. Der ehemalige Lokomotivschuppen dient als Schützenhaus. Der lange Einschnitt vor dem Stollen wird als Schießbahn und das Mundloch als Ziel genutzt. Das barrierefreie Schützenhaus mit Grillhütte und Boulefeld ist das Domizil des Vereins, der ca. 100 Mitglieder hat.
- Der Bürgerverein „Alte Wache Hasperde e. V.“ für Flegessen, Klein Süntel und Hasperde wurde im Jahr 2019 gegründet, nachdem die Freiwillige Feuerwehr Hasperde aufgelöst wurde. Er hat sein Domizil im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus („Alte Wache“) am Ortsausgang von Hasperde, Richtung Hohnsen. Der Bürgerverein hat ca. 60 Mitglieder.
- Der „Verein für Heimatpflege, Verkehrs- und Verschönerungsverein“ (VVV) wurde 1959 gegründet und hat knapp 200 Mitglieder.
Persönlichkeiten
- Erich Panitz (1922–1999), Kommunalbeamter und Politiker (SPD)
Literatur
- Heinrich Niclas: Chronik von Flegessen, Flegessen, 1958.
- Klaus Vohn-Fortagne: Glashütten in der Deister-Süntel-Region – Entstehung und Geschichte, Hannover, 2016.
- Klaus Vohn-Fortagne und Hans-Dieter Kreft: Glasstelen-Pfad der Deister-Süntel-Region. Glastradition seit dem 17. Jahrhundert. Forum Glas e. V. (Hrsg.), Bad Münder, 2010.
- Roland Wessling: Die Ausgrabung der Glashütte Klein Süntel – Mehr als nur ein Blick in die Vergangenheit, in: Söltjer – Streifzüge durch das Deister-Süntel-Tal 41/2016, Bad Münder, 2016, S. 54–57.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Nahverkehrsplan 2023 – 2027 / ANLAGE 1 – Einwohnerzahlen Ortsteile 2022. (PDF; 406 KB) Landkreis Hameln-Pyrmont, S. 1, abgerufen am 7. November 2024.
- ↑ Kirchengemeinde Flegessen/Hasperde/Klein Süntel. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Gerd Kastendiek: Neuere Denkmale unserer Heimat. In: Der Söltjer. Band 1, 1989, S. 5–9.
- ↑ Archäologische Untersuchungen am Glashütten-Standort Klein Süntel. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ Günther Gebhart: Der mündersche Bergbau im 19. Jahrhundert. In: Der Söltjer. 1992, S. 15–23.
- ↑ Günther Gebhart: Der Süntelbergbau im 20. Jahrhundert. In: Der Söltjer. 1990, S. 37–44.
- ↑ Helmut Baars: Kleiner Führer durch die Stadt Bad Münder für Gäste und Einheimische. Hrsg.: Heimatbund Niedersachsen. Bad Münder 1993.
- ↑ Heimatbund-Niedersachsen.de ( vom 4. März 2016 im Internet Archive; PDF; 196 kB)
- ↑ Ortsrat Hasperde-Flegessen-Klein Süntel in Gremien, Ratsinfo Bad Münder, abgerufen am 8. Mai 2025.
- ↑ Beschreibung der Preisträger des Bundeswettbewerbs „Neue Nachbarschaft“ ( vom 12. März 2014 im Internet Archive)
- ↑ Beschreibung der Preisträger des Bundeswettbewerbs „Neue Nachbarschaft“ ( vom 12. März 2014 im Internet Archive)