Kirche von Værnes
Die evangelisch-lutherische Kirche von Værnes (norwegisch: Værnes kirke) ist eine Pfarrkirche der Norwegischen Kirche in Værnes, einem Dorf in der Kommune Stjørdal in der norwegischen Provinz Trøndelag. Die Kirche wurde zwischen 1140 und 1190 errichtet und gehört zum Kulturerbe der Riksantikvaren. Neben dem Nidarosdom war die Kirche im Mittelalter eine der bedeutendsten Kirchen in Trøndelag. Sie gilt zudem als die größte Dorfkirche der Gemeinde und ist seit dem Mittelalter fast unverändert erhalten geblieben. Bedeutend sind außerdem die Steinreliefs an der Fassade und die Holzschnitzereien des Dachstuhls.[1]
Geschichte
Im Mittelalter befand sich in Værnes eine bedeutende Thingstätte. Zum Einzugsgebiet der Stätte gehörten ganz Stjørdal und Selbu. Das Siegel der Thingstätte aus dem Jahr 1344[2.1] enthielt ein Abbild der Heiligen Margareta, was darauf hindeutet, dass die Kirche möglicherweise ihr geweiht war.[1]
Das Holz des Dachstuhls des Chors wurde im Winter 1140/1141 gefällt, was durch dendrochronologische Untersuchungen belegt wurde. Der Dachstuhl wurde wahrscheinlich wenige Jahre später gebaut. Das Mauerwerk des Chors wurde wahrscheinlich in den Jahren davor, von 1130 bis 1140, errichtet.[1]
Das Langhaus wurde in zwei Hälften errichtet. Bis zur Fertigstellung des Langhauses wurde eine provisorische geteerte Holzwand errichtet, die das östliche vom westlichen Langhaus abtrennte.[2.2] Der Dachstuhl des Kirchenschiffs wurde ebenfalls in zwei Abschnitten gebaut. Der östliche Dachstuhl stammt aus dem Jahr 1149 und der westliche Dachstuhl aus dem Jahr 1161.[2.3] Anderen dendrochronologischen Untersuchungen nach soll der Dachstuhl aus der Zeit um 1190/1191 stammen.[1]
Zeitgleich mit dem Kirchenschiff wurde der Turm bis zur Höhe des Firstes errichtet. Ursprünglich besaß dieser wahrscheinlich einen hohen Turmhelm. In einer nächsten Bauphase Anfang des 13. Jahrhunderts wurde der Turm um 9 Meter auf die heutige Höhe aufgestockt.[1] Anderen Angaben nach soll der Turm bereits von 1161 bis 1190 aufgestockt worden sein.[2.3]
In der Anfangszeit der Reformation im frühen 16. Jahrhundert wurde die Kirche im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen in Trøndelag stark umgestaltet. In den 1630er Jahren wurde die Ausstattung größtenteils im Renaissancestil erneuert. Diese Umgestaltung fiel in eine Zeit, in der viele Kirchen in Trøndelag, ausgehend vom Nidarosdom, modernisiert wurden.
Von 1959 bis 1965 wurden Ausgrabungen vorgenommen. Dabei wurden auch 182 Münzen aus den Jahren 1160 bis 1873 gefunden.[2.4]
Beschreibung
Die Kirche von Værnes liegt auf einer Eisrandterrasse und damit leicht oberhalb des Bodenniveaus im Tal Stjørdalen.[1] In Værnes befand sich ein wikingerzeitliches Hügelgräberfeld, von dem lediglich ein Grabhügel gegenüber der Kirche erhalten geblieben ist. 1935 waren noch 21 erhalten. Allerdings wurden bei der Erweiterung des Flughafens 1940 die meisten Gräber zerstört. Die ältesten Grabhügel stammten aus dem 9. Jahrhundert.[3] Im ehemaligen Pfarrhaus der Kirche aus dem Jahr 1820 befindet sich das sogenannte Stjørdal Museum.[4]
Der Turm der Kirche dient aufgrund seiner Höhe als Landmarke. Im Zweiten Weltkrieg sollte der Turm aufgrund drohender Bombardierungen des benachbarten Flughafens Værnes gekappt werden. Stattdessen wurde die Kirche in Tarnfarbe gestrichen.
Die Kirche von Værnes wurde im romanischen Stil errichtet. Das Kirchenschiff besitzt an der Nord- und der Südwand jeweils zwei Fenster. Das Südportal wurde noch im Mittelalter umgestaltet und erhielt einen geraden Türsturz. Im schräg darüber befindlichen Fenster sind vier Drachenköpfe eingelassen, die ursprünglich zu dem Portal gehört haben könnten. Das Südportal dient seit dem Mittelalter als Haupteingang. Das Nordportal weist hingegen seinen romanischen Ursprungszustand auf. Es besitzt eine dreieckige Verdachung; das Relief oberhalb der Tür zeigt einen Löwen. Der Schlussstein der Verdachung zeigt einen grinsenden Mann.[1] Das Kirchenschiff ist 18 Meter hoch.[2.2]
Der rechteckige Chor der Kirche hat Fenster nach Norden, Süden und Osten sowie ein Südportal. Links vom schlichten Rundbogenportal befindet sich außerdem ein Relief mit der Darstellung eines Löwen. Dieser hat den Fuß eines Menschen im Maul. Bei ihm könnte es sich um ein Symbol für den Teufel handeln. Der Chor besteht aus Bruchsteinen aus Sandstein, während die Reliefs aus Grünschiefer bestehen. Der Steinbruch für die Kirche liegt in der Nähe des Gaulosen, einem Seitenarm des Trondheimfjordes. Von dort stammen auch die Steine der ersten Bauabschnitte des Nidarosdoms.[1][2.2]
Der Chorbogen war ursprünglich deutlich schmaler und wurde in einer späteren Bauphase im 17. Jahrhundert auf die gesamte Breite des Chors erweitert. Auf beiden Seiten des Chorbogens befindet sich je eine in die Wand eingelassene Apsis, die ursprünglich jeweils einen Altar beherbergt hat. Ursprünglich waren diese Nischen mit einem steinernen Baldachin überdacht, von dem noch eine Säule in der südlichen Langhauswand erhalten geblieben ist. Im Chor selbst ist die aufwendige Dachkonstruktion unter einer Holzverschalung verborgen. Beim Einbau dieser Verschalung wurden auch alle Tiermasken abgesägt.[1]
Der Dachstuhl der Kirche gilt als einer der prächtigsten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Dachstühle in Norwegen und weist Ähnlichkeiten mit dem Dachstuhl der Kirche von Mære und der Kirche von Hustad auf. In den meisten Kirchen in Norwegen sind Holzdecken eingezogen, während der Dachstuhl in diesen drei Kirchen zum Kirchenschiff hin offen ist. Jedes Sparrenpaar hat vier Kopfstreben, die über einen Spannriegel zusammengehalten werden. Die Sparrenpaare ruhen jeweils auf einem in die Wand eingelassenen Balken. Die Enden dieser Balken ragen etwa 30 bis 40 Zentimeter in den Raum hinein und sind ähnlich wie die der oben genannten Beispiele mit geschnitzten heidnischen Tierköpfen abgeschlossen. Bei den Tieren handelt es sich um Fabelwesen ohne christlichen Bezug. 39 der ursprünglich 40 Masken sind bis heute erhalten geblieben. Diese heidnischen Schnitzereien weisen einige Ähnlichkeiten mit denen in Stabkirchen auf.[1] Beim Wiederaufbau der Håkonshalle durch Christian Christie diente der Dachstuhl der Kirche als Vorbild.[2.2]
Der Kirchturm ist fast 30 Meter hoch. Die bei der Aufstockung des Turms Anfang des 13. Jahrhunderts entstandenen Schallfenster sind als Dreipass mit floralen Ornamenten gestaltet. Der Turm besitzt kein Eingangsportal und ist nur über das Kirchenschiff zugänglich. Der Raum im Untergeschoss des Turms könnte ursprünglich als Baptisterium gedient haben. Dieser ungewöhnlich hohe Raum war ursprünglich in zwei Geschosse unterteilt, worauf Reste einer Zwischendecke hinweisen. Abgeschlossen ist dieser Raum mit einem Kreuzrippengewölbe. Die hölzerne Verschalung zum Bau dieses Gewölbes wurde nie demontiert. Zwei Stützbalken, die diese Verschalung stabilisierten, wurden allerdings später entfernt. Die Steinmetzzeichen an den Gewölberippen weisen Ähnlichkeiten mit denen am Nidarosdom auf. Der Bogen zwischen Kirchenschiff und Turm ist ungewöhnlich groß und wurde möglicherweise im 14. oder 15. Jahrhundert erweitert. Auf beiden Seiten dieses Bogens befinden sich verkehrt herum angebrachte Reliefs, was auf eine Wiederverwendung hindeutet.[1]
Die Sakristei wurde 1506 erbaut, während die Turmspitze in den 1770er Jahren errichtet wurde.
Die Kirche ist Teil der Pfarrei Stjørdal im Bistum Nidaros, wobei sie vom Kirchenrat Stjørdal verwaltet wird.[1]
Ausstattung
Der steinerne Unterbau des Altars stammt noch aus dem Mittelalter. Von der mittelalterlichen Ausstattung ist sonst nichts in der Kirche erhalten geblieben. Im Vitenskapsmuseet in Trondheim sind noch eine Margarethafigur, eine stehende Marienfigur, eine sitzende Christus- oder Olavfigur, ein Kruzifix und Teile des Chorgestühls mit Drachenmotiv erhalten.[1] In der Kirche befinden sich Kopien von diesen Skulpturen. Die Margarethafigur, die aufgrund ihrer Abbildung auf dem Siegel der Thingstätte als solche interpretiert wird, besteht aus Kiefernholz und wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gefertigt. Einer anderen Interpretation nach könnte es sich bei der Dargestellten ebenso gut um Katharina von Alexandrien handeln. Das 79 Zentimeter hohe Kruzifix wurde hingegen zwischen 1225 und 1250 gefertigt. Es stammt vermutlich aus Trøndelag und besteht aus Birkenholz. Die Marienfigur stammt wahrscheinlich aus den 1490er Jahren und kommt aus Lübeck.[2.1]
Zur Zeit der Reformation wurde der Innenraum mit Fresken ausgemalt, deren Reste in den 1950er Jahren freigelegt wurden. Ein Fresko an der Nordwand ist nach Vorbild des Gemäldes „Gesetz und Gnade“ von Lukas Cranach dem Älteren aus dem Jahr 1529 gemalt. Der Teil des Freskos, der Sühne darstellt, ist fast vollständig verschwunden.[1]
Ein Großteil der heutigen Ausstattung stammt aus den 1630er Jahren, darunter das Altarbild, das eine verkleinerte Kopie des Altarbilds des Nidarosdoms ist. Es wurde von Lauritz Stabell im Jahr 1639 gestiftet. Stabell war später Bürgermeister von Trondheim und lebte auf dem Gut Værnes. Es ist 6,5 Meter hoch und 4,5 Meter breit. Das Bild stellt Ereignisse aus dem Leidensweg Christi dar, darunter das letzte Abendmahl, Christus im Garten Getsemani, die Kreuzigung, die Grablegung, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi. Die Kanzel war ein Geschenk von Svend Andersen und wurde im Jahr 1623 im Renaissancestil gefertigt. Auf dieser sind das Staatswappen und das Monogramm von Christian IV. abgebildet. Die Figuren der Evangelisten wurden im Jahr 1650 aufgestellt, und die Kanzel wurde von der Südwand an ihre heutige Position versetzt. Aus dieser Zeit stammt auch der Baldachin. Am ursprünglichen Standort ist noch ein Fresko mit einem gemalten Vorhang erhalten.[1]
An der Nordwand befindet sich der sogenannte Værnesstolen, eine Patronatsloge aus dem Jahr 1685. Dieser wurde von Generalleutnant Georg Christian von Schultz, dem damaligen Gutsherrn von Værnes, und dessen Frau Anna Sophia von Hoven gestiftet. Ursprünglich stand die Loge an der Nordwand, wo sich auch der für die Gutsherren bestimmte Eingang befand. Die Loge wurde 1868 von König Karl XV. abgebaut und als königliche Loge im Theater von Schloss Ulriksdal aufgestellt. 1908 kam sie in das Nordiska Museet in Stockholm. 1958 wurde sie zurück in die Kirche gebracht und 1963 restauriert.[1]
Literatur
- Johan Petter Rønningen: Værnes kirke 900 år. Kirkebygg og menighetsliv i Stjørdal. Hrsg.: Stjørdal menighetsråd. 1985, ISBN 82-7358-002-4 (norwegisch, nb.no).
- Åse Elisabeth Slungård, Knut Skogrand: Værnes kirke … en vandring gjennom 900 år. Hrsg.: Stjørdal menighetsråd. 2000 (norwegisch).
- Morten Stige, Kjell Erik Pettersson, Ingunn Øren Kvande, Helle Vangen Stuedal, Øystein Ekroll, Svein Henrik Pedersen, Per Storemyr, Kjartan Hauglid, Ola Storsletten, Kristin Bliksrud Aavitsland, Margrethe C. Stang, usw.: Værnes kirke, en kulturskatt i stein og tre. Hrsg.: Stjørdal historielag, Instituttet for sammenlignende kulturforskning. 2016, ISBN 978-82-995244-3-8 (norwegisch).
- Helle Vangen Stuedal: Værnes kirke. Hrsg.: Stjørdal historielag. 2019, ISBN 978-82-995244-5-2.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Øystein Ekroll, Kirker i Norge (2000-2008, Arfo forlag): Værnes kirke. In: Store norske leksikon. 16. November 2025 (snl.no [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
- ↑ Morten Stige, Kjell Erik Pettersson, Ingunn Øren Kvande, Helle Vangen Stuedal, Øystein Ekroll, Svein Henrik Pedersen, Per Storemyr, Kjartan Hauglid, Ola Storsletten, Kristin Bliksrud Aavitsland, Margrethe C. Stang, usw.: Værnes kirke: en kulturskatt i stein og tre. Hrsg.: Instituttet for sammenlignende kulturforskning (= Serie B: Skrifter). Stjørdal historielag, Oslo 2016, ISBN 978-82-995244-3-8 (norwegisch).
- ↑ Gravhaugen Værnes. In: Stjørdal museum. Abgerufen am 9. Januar 2026 (norwegisch).
- ↑ Unni Raaen Nysæther: Den gamle presteboligen. In: Stjørdal museum. 5. Februar 2014, abgerufen am 9. Januar 2026 (norwegisch (Bokmål)).
Koordinaten: 63° 27′ 15,4″ N, 10° 57′ 17,5″ O