Kirche von Mære

Die Kirche von Mære (norwegisch: Mære kirke) ist eine Pfarrkirche in Mære, einem Dorf in der Kommune Steinkjer in der norwegischen Provinz Trøndelag. Die heutige Kirche wurde zwischen 1150 und 1200 errichtet. Die Kirche gehört zum Kulturerbe der Riksantikvaren. Sie ist die Pfarrkirche der Pfarrei Mære im Bistum Nidaros und wird vom Kirchenrat Steinkjer verwaltet.[1]

Geschichte

Die Kirche befindet sich auf dem sogenannten Mærehaugen. Im Landnámabók wird eine gleichnamige heidnische Kultstätte erwähnt, wobei es sich um den Standort der Kirche gehandelt haben könnte. Bei Ausgrabungen 1966 traten die Reste von einer hölzernen Vorgängerkirche und von weiteren Gebäuden an der Stelle zu Tage. Das älteste Gebäude an der Stelle soll bereits zur Zeit der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert errichtet worden sein. Bei den Grabungen wurden außerdem mehrere heidnische Goldreliefs gefunden. Bei dem Gebäude, in dem man die Reliefs fand, könnte es sich somit entweder um eine vorchristliche Kultstätte oder um ein Wohngebäude, in dem regelmäßig Opfergaben abgelegt wurden, handeln.[1][2] Bei der Vorgängerkirche handelte es sich um eine Stabkirche, was die Reste von Pfosten belegen. Diese besaß ein einfaches rechteckiges Langschiff, dem sich ein quadratischer Chor anschloss.[3] Das Kirchenschiff der Stabkirche war etwa 10,5 Meter lang und 6,5 Meter breit, während der Chor 3,5 Meter breit und lang war.[4] Östlich der Stabkirche wurde bei den Ausgrabungen ein weiteres Gebäude entdeckt, das zeitgleich mit dieser existierte. Außerdem wurden zehn Münzen aus dem 11. Jahrhundert gefunden.[3] Da die Stabkirche und die heutige Steinkirche oberhalb der heidnischen Kultstätte liegen, könnte es sich um eine bewusste Entweihung gehandelt haben.[1][3]

In der ersten Bauphase der Kirche wurden der Chor und der östliche Teil des Kirchenschiffs errichtet. Der steinerne Chor wurde vermutlich in den 1150er bis 1160er Jahren errichtet. Bisher fanden an diesem Bauteil noch keine dendrochronologischen Untersuchungen statt, weshalb der Chor sich nicht genau datieren lässt. Da sich die Holzkirche innerhalb der Mauern des Chores befand, wurde die Steinkirche vermutlich um die Holzkirche herum errichtet und die Holzkirche nach Fertigstellung des Chors abgerissen.[1]

In der zweiten Bauphase wurden das Kirchenschiff nach Westen erweitert und der Westturm errichtet. Bei letzterem handelt es sich wahrscheinlich um eine Planänderung, da die Fundamente der Kirche diesen ursprünglich nicht vorsahen. Der Übergang vom ursprünglichen und angebauten Bauteil des Kirchenschiffs lässt sich noch heute am Mauerwerk erkennen. Die Portale sollen um 1160/1170 entstanden sein, allerdings ältere Teile aus den 1140er Jahren enthalten. Die Balken des Dachstuhls des Kirchenschiffs wurden dendrochronologischen Untersuchungen nach um 1198/1199 gefällt. Als letzte Baumaßnahme wurde der Boden im Langhaus eingeebnet, was durch Münzfunde auf die Zeit zwischen 1180 und 1202 datiert wurde.[1][3]

Der Westturm aus der zweiten Bauphase stürzte im Jahr 1277 ein, wie es ein Schriftstück belegt. Der Grund für den Einsturz dürfte die Hanglage gewesen sein. Bei den Ausgrabungen 1966 wurden dessen Fundamente freigelegt. Reste der Nord- und Südwand sind bis heute als Stützpfeiler erhalten geblieben.[1] Nach dem Einsturz des Westturms wurde die Kirche stark umgebaut und auch neu geweiht, was sich an einem Weihekreuz am Chor belegen lässt. Dabei wurden der Fußboden im Chor erhöht und weitere Änderungen am Dachstuhl vorgenommen. 1297 wurde die Kirche als St.-Margareta-Kirche erwähnt.[3]

Im Spätmittelalter war die Kirche von Mære eine Stiftskirche. Der Pfarrer war somit Kanoniker am Domkapitel des Nidarosdoms. Das erklärt auch die aufwendige Ausstattung aus der Zeit.[1] Das Pfarrhaus befindet sich östlich der Dorfmitte. Es wurde 1431 erstmals erwähnt.[3]

Der Friedhof der Kirche wurde um 1840 nach Norden und Süden erweitert. Die Friedhofsmauer wurde 1938 neu errichtet. 1960 wurde der Friedhof erneut nach Süden und nach Westen erweitert.[3] Ab 1956 fanden Planungen für eine Restaurierung statt, die 1966 begann und bis 1969 andauerte. Die Gelegenheit wurde für umfangreiche Ausgrabungen genutzt.[5]

Beschreibung

Die Kirche wurde im romanischen Stil errichtet. Dem schlichten Südportal des Chores ist heute ein hölzerner Anbau vorgelagert. Auch auf der Westseite, wo ursprünglich der Kirchturm stand, befindet sich ein solcher Anbau. Der Chor hat drei Fenster. Der Chorbogen wurde im 17. Jahrhundert vergrößert, wodurch die ursprünglichen Verzierungen verloren gingen.

Der Speckstein der Portale stammt vom Slipsteinsberget, einem nur wenige Kilometer entfernten Steinbruch. Das Langhaus besaß ursprünglich nur zwei Portale, das Nord- und das Südportal. Das Westportal ist erst nach dem Einsturz des Westturms 1277 entstanden. Das Nordportal weist romanische Halbsäulen mit Blattmotiven an den Kapitellen auf. Das Gewände des Bogens besitzt ein in der Form einzigartiges Muster aus Ringen. Das Südportal weist hingegen ebenfalls Halbsäulen auf, die Gewände sind jedoch als Chevronmuster ausgeführt. An den Enden des Bogens befand sich jeweils eine Tierfigur, die allerdings nur noch auf der linken Seite erhalten geblieben ist. Heute ist dieser Bogen zugemauert.[1]

Eine Besonderheit stellt der hölzerne Dachstuhl dar. Ähnliche Konstruktionen finden sich in der Kirche von Værnes und der Kirche von Hustad. Die Sparren der Kirche von Mære besitzen jedoch im Gegensatz zu den eben genannten Beispielen einen überspannenden Deckenbalken. Die Deckenbalken gehören, wie dendrochronologische Untersuchungen zeigten, zur ursprünglichen Konstruktion. Zwischen den Deckenbalken befinden sich heidnische Tierköpfe aus Holz als Verzierung. Diese stellen Menschen und Tiere dar. Ein einziger Tierkopf, der einen Menschen verschlingt, wird als christliche Darstellung gedeutet, und zwar als der Teufel, der einen Sünder verschlingt. Die heidnischen Schnitzereien weisen einige Ähnlichkeiten mit denen in Stabkirchen auf. Der Chor besitzt hingegen keine solchen Schnitzereien, und zur Zeit der Reformation wurde eine flache Decke eingezogen.[1][5] Es ist auch möglich, dass die Masken um 1140 für den Chor gefertigt und später in das Langhaus verbracht wurden.[3]

Ausstattung

Im Chor befindet sich ein einfacher Steinaltar aus der Erbauungszeit. In der Altarplatte ist ein schmaler, mit einer Marmorplatte bedeckter Hohlraum eingelassen, in dem sich vermutlich ursprünglich Reliquien befanden. In einer Inschrift auf der Marmorplatte wird das Datum der Kirchweih als der 3. Februar angegeben. Außerdem befinden sich darauf die Namen der Heiligen, deren Reliquien sich ursprünglich in der Kirche befunden haben sollen: Maria und die Märtyrer, der heilige Quintinus und der heilige Hubertus.[1][3]

Eine mittelalterliche Marienfigur aus der Zeit um 1250, die sich bis 1878 in der Kirche in Mære befand, befindet sich heute im Vitenskapsmuseet in Trondheim. Ursprünglich soll sich diese in einer mit Fresken verzierten Nische in der Südwand des Chores befunden haben. 2013 wurde eine Kopie der Figur in der Kirche aufgestellt.[6] Das spätromanische Kruzifix der Kirche aus der Zeit um 1200[1] weist einige Ähnlichkeiten zu der Kreuzigungsgruppe in der Stabkirche Urnes auf.[7] Vom spätgotischen Chorgestühl mit Baldachin ist heute noch eine Bank erhalten. Von einer weiteren sind Überreste vorhanden. Eine weitere Bank ohne Baldachin, die Schnitzereien in ähnlichem Stil besitzt, stammt vermutlich aus derselben Zeit.[1] Die Bibel der Kirche stammt aus dem Jahr 1589.[4]

Literatur

  • Hans-Emil Lidén: From Pagan Sanctuary to Christian Church, the Excavation of Mære Church in Trøndelag. In: Norwegian Archaeological Review. 1969, S. 3–21 (englisch, tandfonline.com [PDF]).
Commons: Kirche von Mære – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l Kirker i Norge (2000-2008, Arfo forlag), Øystein Ekroll: Mære kirke. In: Store norske leksikon. 14. Februar 2025 (snl.no [abgerufen am 16. Dezember 2025]).
  2. Mærehaugen. In: Steinkjerleksikonet. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (norwegisch).
  3. a b c d e f g h i Mære kirkested, Kirkested. In: Kulturminnesøk. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (norwegisch).
  4. a b Mære kirke. In: Steinkjerleksikot. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (norwegisch).
  5. a b Mære kirke. In: Den Norske Kirke. 31. Dezember 2019, abgerufen am 20. Dezember 2025 (norwegisch).
  6. Madonnaskulptur - Mære kirke. In: Steinkjerleksikonet. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
  7. Leif Anker, Stephan Tschudi-Madsen, Kirker i Norge (2000-2008, Arfo forlag): Urnes stavkirke. In: Store norske leksikon. 18. September 2025 (snl.no [abgerufen am 19. Dezember 2025]).

Koordinaten: 63° 56′ 2,2″ N, 11° 23′ 41,8″ O