Kaufstraße 17/19 (Weimar)

Das Haus Kaufstraße 17/19 ist ein Wohn- und Geschäftshaus in der Weimarer Altstadt.

Geschichte

Früher wurde diese Straße Steinweg bzw. Am Bornberg bezeichnet. Zu DDR-Zeiten hieß sie Dimitroffstraße.[1] Dem Bau von Kaufstraße 15 ging 1854 der Abbruch mehrerer Häuser voraus, um ihn in begradigter, um mehrere Meter nach Westen verlegter Bauflucht errichten zu können.[2] Hier war es ähnlich. Von dem Vorgängerbauten gibt es eine Zeichnung, die um 1822 entstand.[3] Im Jahr 1830 gründete Carl Heinrich Hertel eine Kammmacherei in der Kaufstraße, die dessen Sohn Edmund erweiterte und mit mehrfach umgebauten Läden versah. Ab 1890 spezialisierte sich Hertel in den Bereich des Spielwarenhandels und kaufte 1900 das Nachbargrundstück Kaufstraße 17/19 dazu und ließ dort ein modernes Spielwarengeschäft einbauen, das führend in der Branche war und Mitglied des Verbandes deutscher Spielwaren VEDES. Ab 1947 führte Erich Hertel das Geschäft bis 1968 weiter, bis es noch sein Sohn Bernhard für kurze Zeit übernahm, der es dann aufgab. Der Laden wurde indes von der Konsumgenossenschaft weiter genutzt.[4]

Das Gebäude wird laut dem Kunsthistoriker Rainer Müller der Neorenaissance zugewiesen.[5] Der Hauseingang ist seitlich. Die Putzfassade des viergeschossigen Gebäudes ist achtachsig. Im Erdgeschoss befindet sich eine Ladenzeile. Während die Fensterreihe des ersten und zweiten Obergeschosses aus rechteckigen Fenstern mit Ornamentstuckgiebeln versehen ist, ist es im dritten Obergeschoss eine Fensterreihe mit Segmentbogen, die ebenfalls eine solche Fensterbedachung aufweist. Die Fensterrahmungen sind von der Putzfläche durch ihre Profilierung zusätzlich abgesetzt. Die Putzfassade ist durch verschiedene Gesimse, so u. a. das Konsolkranzgesims unter der Traufe mit dem Muschelfries gegliedert. Bemerkenswert sind auch die kleinen Ornamente unter der Traufe über den Fenstern. Überhaupt ist durch die kräftige Rotfärbung der Traufe und der Ornamentfelder der Fenster der farbliche Kontrast zur Putzfläche verstärkt. Der Anbau Kaufstraße Nr. 19, der an der Mündung zum Herderplatz steht, ist nicht nur kleiner, sondern auch fast unverziert.

Während das Nachbargebäude Kaufstraße 15 explizit als Einzelobjekt auf der Denkmalliste steht ist dieses Gebäude darin nicht als solches erfasst. Die gesamte Kaufstraße als Ganzes steht allerdings unter Denkmalschutz.

Einzelnachweise

  1. Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, S. 88. ISBN 978-3-939399-49-0
  2. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar. Band 4.1.: Altstadt. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 417.
  3. Reproduktion Zeichnung Häuser Nr. 122–125 in der Kaufstraße auf https://fotoarchiv.weimar.de
  4. Art. Geschäftsleben, in: in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 146–152. Hier S. 151.
  5. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar. Band 4.1.: Altstadt. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 416.

Koordinaten: 50° 58′ 51″ N, 11° 19′ 46,9″ O