Kathleen Courtney

Dame Kathleen D'Olier Courtney (* 11. März 1878 in Gillingham, Kent; † 9. Dezember 1974 in St John's Wood, City of Westminster, London) war eine irisch-britische Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin.[1][2]

Leben

Courtney war die jüngste von fünf Töchtern und fünftes von sieben Kindern von David Charles Courtney (1845–1909), Lieutenant (später Major) bei den Royal Engineers und seiner Frau Alice Margaret, geborene Mann. Beide Eltern entstammten dem anglo-irischen Landadel und hatten auf beiden Seiten Verbindungen zum Militär.[1][2]

Courtney erhielt ihre Ausbildung am privaten Anglo-French College in Kensington und an der Manse Boarding School in Malvern, Worcestershire, bevor sie sieben Monate in Dresden verbrachte, um die deutsche Sprache zu lernen. Im Januar 1897 ging sie an das Lady Margaret Hall, um moderne Sprachen zu studieren. Dort begann ihre lebenslange Freundschaft mit Maude Royden.[1]

Die Familie Courtney war äußerst wohlhabend, was Courtney die Freiheit gab, ihr Leben gemeinnützigen Zwecken zu widmen. 1908 wurde sie zur Sekretärin der North of England Society for Women’s Suffrage ernannt. Ein Mitglied, Helena Swanwick, berichtete später, dass Courtney in Manchester einen Ruf als herausragende Organisatorin hatte.[2]

1911 zog sie nach London, wo sie eng mit Millicent Garrett Fawcett für das Frauenwahlrecht zusammenarbeitete. Sie wurde ehrenamtliche Sekretärin der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS). Sie lebte in Hampstead mit Hilda Clark, Edith Pye und Edith Eckhart.[3]

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 spaltete sich das Exekutivkomitee der NUWSS: Die eine Hälfte, angeführt von Fawcett, unterstützte die Kriegsanstrengungen der Regierung, während die andere Hälfte, darunter Courtney, zurücktrat, in der Überzeugung, dass die wichtigste Aufgabe darin bestehe, den dauerhaften internationalen Frieden zu fördern.[1]

Im April 1915 lud Aletta Jacobs, eine niederländische Wahlrechtsaktivistin, Mitglieder der Wahlrechtsbewegung aus aller Welt zu einem Internationalen Frauenkongress in Den Haag ein. Auf der Konferenz gründeten die Frauen die Women’s International League for Peace and Freedom (WIL). Courtney wurde zur Vorsitzenden der britischen Sektion gewählt, zu auch Mary Sheepshanks, Jane Addams, Grace Abbott, Lida Gustava Heymann, Emmeline Pethick-Lawrence, Emily Hobhouse, Chrystal Macmillan und Rosika Schwimmer gehörten.[4][5]

1928 wurde sie Mitglied des Exekutivkomitees der British League of Nations Union und 1939 (im Jahr des Beginns des Zweiten Weltkriegs) zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Von 1949 bis 1951 war sie Vorsitzende.[1]

Courtney blieb weiterhin in der Kampagne für das Frauenwahlrecht aktiv. Sie half 1916 bei der Gründung der Adult Suffrage Society und lobbyierte als gemeinsame Sekretärin Mitglieder des House of Commons, um das Wahlrecht auszuweiten, bis der Parliament (Qualification of Women) Act 1918 verabschiedet wurde. Im folgenden Jahr wurde sie Vizepräsidentin der NUWSS-Nachfolgeoprganisation National Union of Societies for Equal Citizenship. Neben der Forderung nach gleichen Wahlrechten wie Männer setzte sich die Organisation für gleichen Lohn, gerechtere Scheidungsgesetze und die Abschaffung der Diskriminierung von Frauen in den Berufen ein.[1]

1945 wurde sie stellvertretende Vorsitzende der United Nations Association (UNA) und stieg vier Jahre später zur gemeinsamen Präsidentin und Vorsitzenden des Exekutivkomitees der UNA auf.[1]

Courtney wurde 1946 zur Commander of the Order of the British Empire ernannt und 1972 zur Dame Commander befördert. 1968 hatte sie die Ehre, in Westminster einen Vortrag zum 50. Jahrestag des Frauenwahlrechts zu halten.[1]

1972 erhielt sie die Friedensmedaille der Vereinten Nationen.[1]

Kathleen Courtney starb 1974 im Alter von 96 Jahren in London. Sie war nie verheiratet und hatte keine Kinder.[1] Am 11. April 1975 fand ein Gedenkgottesdienst in St Martin-in-the-Fields in London statt.[2]

Der Historiker Brian Harrison führte ein Oral-History-Interviews mit Courtneys Cousine ersten Grades, Elisabeth Furlong, im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oralvidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews.[6] Furlong spricht über Courtneys Familie und Schulzeit, ihre Zeit am Lady Margaret Hall sowie ihre Ansichten und Erfahrungen im Alter.[3]

In ihrer Geburtsstadt Gillingham war sie 2022/2023 Teil des Projekts The Circle of Six, das von den Medway Libraries kuratiert wurde und das Leben, die Arbeit und das Vermächtnis von sechs außergewöhnlichen Frauen mit einer Verbindung zu Gillingham in Wandgemälden und Veranstaltungen würdigte.[7]

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Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Janet E. Grenier: Courtney, Dame Kathleen D'Olier (1878–1974). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/37316.
  2. a b c d John Simkin: Kathleen Courtney. In: Women’s Suffrage. Spartacus Educational, März 2022, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  3. a b Furlong, Miss E re Kathleen Courtney. In: Oral Evidence on the Suffragette and Suffragist Movements: the Brian Harrison interviews, 1974–1988. The Women's Library, 10. März 1977, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  4. John Paull: The Women Who Tried to Stop the Great War: The International Congress of Women at The Hague 1915. In: Global Leadership Initiatives for Conflict Resolution and Peacebuilding. Ch 12, 2018, S. 249–266, doi:10.4018/978-1-5225-4993-2.CH012.
  5. Sandra Stanley Holton: Feminism and democracy. Women’s suffrage and reform politics in Britain, 1900-1918. Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0-521-32855-1, S. 138.
  6. Gilian Murphy: The Suffrage Interviews. London School of Economics and Political Science, abgerufen am 15. Dezember 2024.
  7. Medway Libraries: Circle of Six. Medway Council 2025, abgerufen am 22. Dezember 2025.