Maude Royden

Agnes Maude Royden, später Maude Royden-Shaw (* 23. November 1876 in Mossley Hill, Liverpool; † 30. Juli 1956 in Hampstead, London), war eine englisch-britische Predigerin, Frauenrechtlerin und Aktivistin für die Zulassung von Frauen zu geistlichen Ämtern.[1]

Leben

Royden war die jüngste Tochter des Reeders und Parlamentsabgeordneten Thomas Bland Royden (1831–1917) seiner Frau, Alice Elizabeth, geborene Dowdall (1844–1932). Sie wuchs im Haus der Familie, Frankby Hall in Wirral, mit ihren Eltern und sieben Geschwistern auf.[1][2] Ihr ältester Bruder war der Geschäftsmann und Politiker Thomas Royden.

Sie erhielt ihre Ausbildung am Cheltenham Ladies’ College und an der Lady Margaret Hall, Oxford, wo sie einen Abschluss in Geschichte erwarb.[1] Während ihrer Zeit in Oxford begann sie eine lebenslange Freundschaft mit der Mitstreiterin für das Frauenwahlrecht Kathleen Courtney, die dieselbe Alma Mater hatte.[3]

Nach dem Studium arbeitete Royden drei Jahre im Victoria Women’s Settlement in Liverpool, was sie aber erschöpft und enttäuscht zurückließ. Rat suchend wandte sie sich an George William Hudson Shaw, den Rector der Landgemeinde South Luffenham, Rutland, wo sie dann drei Jahre als Pfarrassistentin tätig war.[1]

Sie hielt Vorträge über englische Literatur im Rahmen des University Extension Movements und wurde 1909 in das Exekutivkomitee der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) gewählt. Von 1912 bis 1914 war sie Herausgeberin von The Common Cause, dem Organ der NUWSS.[1] Außerdem war sie aktiv in der Church League for Women’s Suffrage. 1913 wurde sie mit Unterstützung von Lavinia Talbot eingeladen, vor dem rein männlichen Church Congress über das Thema „Versklavung von Weißen“ zu sprechen.[4]

Royden brach mit der NUWSS wegen deren Unterstützung der Kriegsanstrengungen und gehörte zu den 101 Unterzeichnerinnen des Open Christmas Letter von 1914. Sie wurde Sekretärin der Fellowship of Reconciliation zusammen mit anderen christlichen Pazifistinnen. Obwohl sie nicht zum Frauenfriedenskongress in Den Haag 1915 reisen konnte, wo die Women’s International League for Peace and Freedom gegründet wurde, wurde sie deren Vizepräsidentin.[3]

Royden wurde als Rednerin zu sozialen und religiösen Themen bekannt. In einer Rede am 16. Juli 1917 in der Queen’s Hall, London, prägte sie die oft zitierte Wendung „die Konservative Partei im Gebet“ für die Church of England: „Die Kirche sollte den Weg des Fortschritts gehen und nicht länger damit zufrieden sein, nur die Konservative Partei im Gebet zu repräsentieren.“[5] 1917 wurde sie Hilfspredigerin am Congregationalist City Temple in Holborn – die erste Frau in diesem Amt.[1]

Nach dem Ersten Weltkrieg verlagerte sich Roydens Interesse auf die Rolle der Frauen in der Kirche. Während der Eighth Conference of the International Woman Suffrage Alliance in Genf im Jahr 1920 predigte sie am 6. Juni in der Kathedrale St. Peter auf Französisch und Englisch.[6] Royden unternahm mehrere weltweite Predigtreisen von den 1920er bis in die 1940er Jahre. 1929 begann sie die offizielle Kampagne für die Zulassung von Frauen zum geistlichen Amt, als sie die Society for the Ministry of Women gründete. Royden wurde für ihre „herausragende Rolle im religiösen Leben der Nation“ 1930 in den Order of the Companions of Honour aufgenommen.[7]

1931 verlieh ihr die Universität Glasgow die Ehrendoktorwürde der Theologie – als erster Frau in Großbritannien. 1935 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Rechte von der Universität Liverpool.[8] 1937 erhielt sie einen weiteren Ehrendoktortitel vom Mills College in Kalifornien.

Sie trat der Peace Pledge Union bei, gab jedoch später den Pazifismus auf, da sie den Nationalsozialismus für ein größeres Übel als den Krieg hielt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde entdeckt, dass Royden zusammen mit ihrem Bruder Thomas Royden in der Sonderfahndungsliste G.B. aufgeführt war, einer Liste von Briten, die im Falle einer Nazi-Invasion verhaftet werden sollten.[9][10]

Am 2. Oktober 1944 heiratete sie den kürzlich verwitweten Priester Hudson Shaw, den sie seit über vierzig Jahren liebte; er war damals 85 Jahre alt und starb am 30. November. In ihrer Autobiografie A Threefold Cord (1947) schrieb sie über ihre platonische aber leidenschaftliche Liebe zueinander seit dem ersten Treffen im Jahr 1901.[1]

Am 30. Juli 1956 starb sie in ihrem Haus in Hampstead, London.[1]

Ihre nachgelassenen Papiere befinden sich in The Women’s Library der London School of Economics and Political Science[11] Eine detaillierte Liste von Roydens Veröffentlichungen befindet sich auf der Website des Project Canterbury.[12]

Roydens Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London. Eine Blue Plaque wurde im Juni 2019 an der Frankby Hall, dem Haus ihrer Kindheit in Wirral, von der Conservation Areas Wirral enthüllt.[2]

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Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Sheila Fletcher: Royden, (Agnes) Maude (1876–1956). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 24. Mai 2007, doi:10.1093/ref:odnb/35861.
  2. a b Craig Manning: Blue plaque honour for pioneering Agnes Maude Royden. Wirral Globe, 3. Juli 2019, abgerufen am 19. Dezember 2025.
  3. a b Janet E. Grenier: Courtney, Dame Kathleen D'Olier (1878–1974). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/37316.
  4. Sheila Fletcher: Talbot [née Lyttelton], Lavinia (1849–1939). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 8. August 2024, doi:10.1093/ref:odnb/52031.
  5. Fred R. Shapiro (Hrsg.): The Yale Book of Quotations. Yale University Press, New Haven, CT 2006, ISBN 978-0-300-20597-8, S. 654.
  6. Elizabeth Cady Stanton, Susan B. Anthony, Matilda Joslyn Gage und Ida Husted Harper: History of Woman Suffrage: 1900–1920. Fowler & Wells, New York City 1922, S. 860.
  7. Supplement. In: The London Gazette. Nr. 33566, 31. Dezember 1929, S. 10 (thegazette.co.uk).
  8. Honorary Graduates of the University. University of Liverpool, S. 13, abgerufen am 19. Dezember 2025.
  9. In: Liverpool Evening Express. 14. September 1945, S. 9.
  10. Walter Schellenberg: Invasion, 1940: The Nazi Invasion Plan for Britain. Little Brown Book Group, 2001, ISBN 0-9536151-3-8, S. 239.
  11. Papers of Agnes Maude Royden, 1877-1957. In: 7AMR. The Women’s Library, London School of Economics and Political Science, abgerufen am 19. Dezember 2025.
  12. Terry Brown: Agnes Maude Royden. In: Project Canterbury. Richard Mammana, abgerufen am 19. Dezember 2025.