Karl Ludwig Roth (Philologe, 1790)
Karl Ludwig Roth, ab 1850 von Roth, (häufig auch Carl Ludwig Roth; * 7. Mai 1790 in Stuttgart; † 6. Juli 1868 in Untertürkheim) war ein deutscher Pädagoge und Klassischer Philologe.
Leben
Karl Ludwig Roth war ein Sohn des Stuttgarter Gymnasialprofessors Christoph Friedrich Roth (1751–1830). Er absolvierte des Stuttgarter Gymnasium. 1807 kam er an die Universität Tübingen und das Tübinger Stift. Dort widmete er sich dem Studium der Philosophie und Theologie sowie im Privatstudium der Philologie. 1812 schloss er seine Universitätsstudien ab. Zunächst trat er seinem Vater als Assistent zur Seite, folgte jedoch zum 7. Oktober 1821 einem Ruf als Professor und Rektor an das Nürnberger Gymnasium. Er sollte das Gymnasium wieder einem besseren Zustand zuführen. 1823 führte er den Sing- und Turnunterricht am Gymnasium ein, was ihm anschließend einige Anfeindungen einbrachte.[1]
Roth wurde 1843 Ephorus des Evangelischen Seminars Schöntal.[2]
Am Ende seiner Nürnberger und während seiner Schöntaler Zeit schrieb und veröffentlichte Roth sein meistgelesenes Werk, das Lesebuch zur Einleitung in die Geschichte. Es richtete sich vor allem an Primaner der humanistisches Gymnasien und an „die bildungsbürgerliche Jugend“ insgesamt.[3] Die beide ersten Teilbände erzählten – anfangs noch ohne diesen Buchtitel – die (Alt-)Griechische Geschichte. Aufgrund ihres Erfolges folgte ihr bald die Römische Geschichte. 1849 veröffentlichte Roth eine zweite, berichtigte und vermehrte Auflage. Die Geschichte wurde bei Roth zu einer „magistra vitae“, einer Lehrmeisterin für das Leben.[4] Die „exempla“, die beispielhaften Begebenheiten aus der Antike, sollten unter anderem die „Urteilskraft“ stärken.[5] „Die Trias von moralischer Botschaft, humanistischer Begeisterung und sprachlicher Anschaulichkeit erklärt den Erfolg von Roths Geschichtswerk.“[3] Der Altphilologe Adolf Westermayer (1837–1899), Rektor des Gymnasium Fridericianum in Erlangen, überarbeitete das Gesamtwerk in den 1880er Jahren. Auch glättete er die Erzählweise, da ein Kritiker Roth eine „unberechtigte sittliche Tendenz“ vorgehalten hatte.[6] Zudem setzte er die Darstellung bis in die römische Kaiserzeit fort. Aus dem „Lesebuch“ wurde im Laufe der Auflagen ein Lehr- und Geschichtsbuch. „Das Werk war fast ein Jahrhundert lang erfolgreich.“[4] Die fünfte und letzte Auflage von Roths Griechischen Geschichte in der Bearbeitung von Friedrich Stählin erschien 1910; die vierte und letzte Auflage seiner Römischen Geschichte erschien 1922.
Nachdem ihn der befreundete Gustav Schwab ermunterte, sich am Stuttgarter Gymnasium um das Amt des Rektors zu bewerben, trat er dieses Amt am 23. Mai 1850 an. Gleichzeitig wurde er Mitglied der Oberstudienbehörde. Bis 1856 war er Mitglied des Studienrates. Am 28. September 1858 wurde er in den Ruhestand versetzt.
Roth habilitierte sich 1859 an der Universität Tübingen. Er lehrte als Privatdozent römische Satiriker, Tacitus und Quintilian, über griechisch-römische Rhetorik, über Ciceros Partitiones oratoriae und über die Rhetorik des Aristoteles. Im Herbst 1867 gab er die Lehre auf und zog sich auf seinen Landsitz zurück.
Ehrungen
- 1843: Ehrenbürgerwürde der Stadt Nürnberg
- 25. August 1843: Ehrendoktorwürde der Universität Erlangen (Dr. theol. h.c.)[7]
- 1850: Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone[8]
- 28. September 1858: Verleihung des Titels Prälat
Schriften (Auswahl)
- Emendationes Tacitanae, Campe, Nürnberg 1833.
- Lesebuch zur Einleitung in die Geschichte
- Teil 1: Griechische Geschichte
- Band 1: Von Lykurgos bis zum Ende des Peloponnesischen Krieges. Schneider und Weigel (Wilhelm Görgel), Nürnberg 1839.
- Band 2: Von Sokrates bis Alexander. Schneider und Weigel (Wilhelm Görgel), Nürnberg 1840.
- Teil 2: Römische Geschichte in ausführlicher Erzählung
- Band 1: Von der Gründung der Stadt Rom bis in das Jahr 587 nach ihrer Erbauung. J.A. Stein, Nürnberg 1844.
- Band 2: Von dem Sturze des macedonischen Reiches bis zum Übergange Cäsars über den Rubiko. J.A. Stein, Nürnberg 1845.
- Band 3: Von dem Übergange Cäsars über den Rubiko bis zum Untergang des Freistaats. J.A. Stein, Nürnberg 1847.
- Band 4: Von der Stiftung der Monarchie bis zum Tode des Cäsar Oktavianus Augustus. J.A. Stein, Nürnberg 1847.
- Teil 1: Griechische Geschichte
- Das Gymnasial-Schulwesen in Bayern zwischen den Jahren 1824 und 1843: Berichte und Betrachtungen, Liesching, Stuttgart 1845.
- Zur Theorie und innern Geschichte der Römischen Satire, Weise, Stuttgart 1848.
- Kleine Schriften pädagogischen und biographischen Inhalts, 2 Bände, Steinkopf, Stuttgart 1857.
- Gymnasial-Pädagogik, Steinkopf, Stuttgart 1865.
- Von alter und neuer Rhetorik: ein Beitrag zur Charakteristik unserer Zeit, Liesching, Stuttgart 1867.
Literatur
- Max Planck: Roth, Karl Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 333–338.
- Erika Bosl: Roth, Karl Ludwig. In: Karl Bosl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie. Pustet, Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0792-2, S. 646 (Digitalisat).
Weblinks
- Werke von und über Karl Ludwig Roth in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Karl Ludwig Roth auf leo-bw.de
Einzelnachweise
- ↑ Erika Bosl: Art. Roth, Karl Ludwig. In: Karl Bosl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie. Pustet, Regensburg 1983, S. 646.
- ↑ Eduard Mörike: Werke und Briefe, herausgegeben von Albrecht Bergold und Bernhard Zeller, Bd. 15: Briefe 1846–1850. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-33150-6, S. 652.
- ↑ a b Stefan Rebenich: C.H. Beck, 1763–2013. Der kulturwissenschaftliche Verlag und seine Geschichte. C.H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65400-8, S. 207.
- ↑ a b Stefan Rebenich: C.H. Beck, 1763–2013. Der kulturwissenschaftliche Verlag und seine Geschichte. C.H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65400-8, S. 207.
- ↑ Karl Ludwig Roth: Aus dem Vorwort zur ersten und zweiten Auflage. In: ders.: Griechische Geschichte, nach den Quellen erzählt. 3., von Adolf Westermayer neubearbeitete Auflage. C.H. Beck, Nördlingen 1882, S. III–V, hier S. V.
- ↑ Zitiert in: Stefan Rebenich: C.H. Beck, 1763–2013. Der kulturwissenschaftliche Verlag und seine Geschichte. C.H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65400-8, S. 206.
- ↑ Universitätsbibliothek Erlangen (Hrsg.): Verzeichnis der Erlanger Promotionen 1743–1885. Erlangen 2009, S. 27 (Nr. 109).
- ↑ Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg 1866, S. 42.