Karl Hermann Bolldorf
Karl Hermann Bolldorf (* 9. Dezember 1948 in Speyer; † 26. Oktober 2025) war ein deutscher Politiker (AfD, zuvor CDU) und von 2019 bis 2024 Abgeordneter des Hessischen Landtags.
Leben und Politik
Bolldorf absolvierte eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt.[1] Ab den 1960er-Jahren arbeitete er als Beamter bei den Landratsämtern Neustadt an der Weinstraße und Bad Dürkheim, wo er als Leiter des Sozialamts tätig war.[1][2] 1971 trat er auf Ermunterung seines Vorgesetzten mit 23 Jahren in die CDU ein.[3]
1991 suchte die mittelhessische Kleinstadt Biedenkopf einen hauptamtlichen Ersten Stadtrat. Nachdem ein Kollege Bolldorfs seine Bewerbung zurückgezogen hatte, fiel die Wahl auf Bolldorf. Nach zwei Jahren als Erster Stadtrat wählte ihn das Stadtparlament 1993 zum Bürgermeister der Stadt. In seine Amtszeit fiel der Bau der Umgehungsstraße (B 62/B 253) um die Stadt, aber auch die Entscheidung, das Hallenbad im Stadtteil Wallau zu schließen.[4] Darauf folgte seine Abwahl 2010. Er wurde durch Joachim Thiemig (SPD) abgelöst.[5]
Nach den Kommunalwahlen 2001 zog Bolldorf für die CDU auch in den Kreistag des Landkreises Marburg-Biedenkopf ein. Als der CDU-Kreisverband die Liste für die Kommunalwahlen 2016 aufstellte, erhielt Bolldorf nur einen hinteren Listenplatz. Außerdem bekundete er Unzufriedenheit mit der Politik der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Flüchtlingskrise[5] und trat so im Spätsommer 2015 aus der CDU aus und behielt sein Mandat im Kreistag als Fraktionsloser.[3]
2016 trat er nach der Anfrage eines Unternehmers in die AfD ein und wurde nach den Kommunalwahlen Vorsitzender der AfD-Fraktion im Kreistag Marburg-Biedenkopf.[6][5] Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 kandidierte er auf Listenplatz 7 der AfD in Wahlkreis Marburg-Biedenkopf I.[7] Ihm gelang der Einzug als Abgeordneter in den Hessischen Landtag,[8] wo er zum Vorsitzenden des Europaausschusses gewählt wurde und Reisen von Landtagsdelegationen leitete. Nach dem in der ersten Sitzung bei der Wahl gescheiterten Bernd-Erich Vohl wurde Bolldorf zum AfD-Kandidaten für das Amt des Landtagsvizepräsidenten in der zweiten Sitzung des Parlaments aufgestellt, scheiterte jedoch in drei Wahlgängen. In den ersten beiden Wahlgängen erhielt er 29 Ja-Stimmen der 129 anwesenden Abgeordneten, im dritten Wahlgang 28 von 128 abgegebenen Voten.[9]
Nebenbei betrieb Bolldorf zeitweise einen Weinhandel, der Insolvenz anmeldete. Das Verfahren wurde 2020 abgeschlossen.[2][3]
Für die Landtagswahl in Hessen 2023 errang er, anders als selbst erwartet, keinen Listenplatz mehr.[10] In der AfD sah Bolldorf eine Partei, die der „Politik der CDU der 80er-Jahre“ entspricht,[2][3] zugleich sprach er sich aber auch für einen moderaten Kurs mit „Sachpolitik“ und den Ausschluss des Thüringer Rechtsextremisten Björn Höcke aus.[4][3]
Persönliches
Bolldorf war drei Mal verheiratet. Er hatte vier Kinder und fünf Enkel. Zwei der Kinder sind adoptiert.[5]
Bolldorf starb nach schwerer Krankheit am 26. Oktober 2025.[11] Er wurde 76 Jahre alt und lebte bis zu seinem Tod in Biedenkopf.[4]
Weblinks
- Karl Hermann Bolldorf (Hessischer Landtag)
- Karl Hermann Bolldorf. Abgeordnete. In: Hessische Parlamentarismusgeschichte Online. HLGL & Uni Marburg, abgerufen am 27. September 2024 (Stand 10. August 2024).
Einzelnachweise
- ↑ a b Karl Hermann Bolldorf | Hessischer Landtag. Abgerufen am 1. September 2022.
- ↑ a b c Mark Adel: Bolldorf blickt zurück: Von CDU und AfD abserviert. In: mittelhessen.de. Hinterländer Anzeiger, 17. Januar 2024, abgerufen am 28. Oktober 2025.
- ↑ a b c d e Biedenkopfs Altbürgermeister Bolldorf ist tot. In: mittelhessen.de. Hinterländer Anzeiger, 29. Oktober 2025, abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ a b c Gianfranco Fain: Biedenkopfs Altbürgermeister Karl-Herrmann Bolldorf ist verstorben. In: Oberhessische Presse. 23. Oktober 2025, abgerufen am 28. Oktober 2025.
- ↑ a b c d Bolldorf: Zweifler mit Angst vor „Zugereisten“. In: Oberhessische Presse. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 1. September 2022; abgerufen am 1. September 2022.
- ↑ Personen - SD.NET RIM 4. Abgerufen am 6. September 2020.
- ↑ Landesliste der AfD ( vom 11. Oktober 2018 im Internet Archive)
- ↑ Focus.de: Landtag wächst auf 137 Sitze an, Die Abgeordneten im Überblick ( vom 23. Januar 2023 im Internet Archive)
- ↑ Frankfurter Rundschau. Pitt von Bebenburg: AfD-Kandidat fällt in drei Wahlgängen durch, 4. April 2019, heruntergeladen am 16. Januar 2022, als Memento gespeichert am 18. Juni 2019.
- ↑ Mark Adel: Bolldorf ohne Zukunft in der Hessen-AfD. In: mittelhessen. 9. Oktober 2022, archiviert vom ; abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Biedenkopfs Altbürgermeister Bolldorf ist tot. In: mittelhessen.de. VRM GmbH & Co. KG, 29. Oktober 2025, abgerufen am 30. Oktober 2025.