Karl Bollert

Carl Gustav Wilhelm Bollert (* 21. Juni 1881 in Rostock;[S 1]1964) war ein deutscher Pädagoge und Physiker.

Leben

Karl Bollert, Sohn des Gymnasiallehrers (Carl) Ernst Bollert (1847–1901) und dessen Frau Auguste Catharina Agathe, geb. Krohn, und Enkel von Ludwig August Bollert, studierte ab dem Sommersemester 1990 an den Universitäten Rostock[1] München, Berlin und ab dem Wintersemester 1902/03 wieder in Rostock[2], wo er 1904 mit einer Dissertation über Geometrie, Über konzentrische Flächen zweiter Ordnung promoviert wurde. 1907 wurde er Lehrer an der Höheren Mädchenschule in Berlin-Schöneberg.[S 2] Er war Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft von 1923 bis 1933.[S 3]

1921 bis 1923 schrieb er mehrere Arbeiten zur Relativitätstheorie, einschließlich der Beschreibung vom gleichförmig beschleunigten Bezugssystem (Rindler-Koordinaten),[3][4] und entwarf eine philosophische Interpretation in Sinne des Neukantianismus in seinem Buch Einstein’s Relativitätstheorie und ihre Stellung im System der Gesamterfahrung (1921)[5] und einem Artikel.[6] In einer Besprechung dieses Buches bezeichnete Hans Reichenbach (1922) die Beschreibung der Relativitätstheorie darin als „kurz und gut“ und das philosophische Konzept der Objektivationsstufen als „bemerkenswert“.[S 4] Laut Ernst Cassirer (1929) zeigte Bollert, wie die Relativitätstheorie zur Bestätigung kantianischer Sichtweisen dienen kann.[S 5] Siehe Hentschel[S 6] und Ryckman[S 7] für eine Analyse seines philosophischen Standpunkts.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  1. Eintrag 1900 im Rostocker Matrikelportal
  2. Eintrag 1902 im Rostocker Matrikelportal
  3. Karl Bollert: Das homogene Gravitationsfeld und die Lorentztransformationen. In: Zeitschrift für Physik. 10. Jahrgang, Nr. 1, 1922, S. 256–266, doi:10.1007/BF01332567, bibcode:1922ZPhy...10..256B.
  4. Karl Bollert: Die Entstehung der Lorentzverkürzung und die strenge Behandlung des Uhrenparadoxons. In: Zeitschrift für Physik. 12. Jahrgang, Nr. 1, 1923, S. 189–206, doi:10.1007/BF01328090, bibcode:1923ZPhy...12..189B.
  5. Karl Bollert: Einstein’s Relativitätstheorie und ihre Stellung im System der Gesamterfahrung. Steinkopff, April 1921 (wroc.pl).
  6. Karl Bollert: Die Apriorität von Raum und Zeit in der Relativitätstheorie. In: Zeitschrift für Physik. 15. Jahrgang, 1923, S. 126–152, doi:10.1007/BF01330466.

Literatur

  1. Kirchenbuch Rostock (St. Nikolai): Geburts- und Taufeintrag Nr. 24/1881. Ev.-luth. getauft am 13. Februar 1881.
  2. Programm Berlin Joachimsthalsches Gymnasium 1907. In: Franz Kössler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts. Gießen 2008, doi:10.22029/jlupub-17233
  3. Liste der Mitglieder der DPG 1845-1945
  4. Reichenbach, H.: Besprechung von "Einstein’s Relativitätstheorie und ihre Stellung im System der Gesamterfahrung". In: Physikalische Berichte. 3. Jahrgang, Nr. 8, 1922, S. 360 (archive.org).
  5. Cassirer, E.: Philosophie der symbolischen Formen, Teil 3. Phänomenologie der Erkenntnis. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964, ISBN 978-3-534-16650-3, S. 558 ( [1929]).
  6. Seiten 232f. in Hentschel, K.: Interpretationen und Fehlinterpretationen der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie durch Zeitgenossen Albert Einsteins. Birkhäuser, Basel—Boston—Bonn 1990, ISBN 978-3-7643-2438-4, doi:10.18419/opus-7182 (uni-stuttgart.de).
  7. Ryckman, Thomas A.: Early Philosophical Interpretations of General Relativity. In: Edward N. Zalta & Uri Nodelman (Hrsg.): The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2024 Edition). 2024 (englisch, stanford.edu).