KVG Tw 41–80
| KVG Tw 41–80 | |
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Straßenbahntriebwagen 53 der Kasseler Straßenbahn rangiert um 1934 auf dem Betriebshof Wilhelmshöhe
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| Nummerierung: | 41–80 |
| Anzahl: | 40 |
| Hersteller: | Van der Zypen & Charlier, Waggonfabrik Gebrüder Credé |
| Baujahr(e): | 1898–1900 |
| Ausmusterung: | ab 1934 |
| Achsformel: | Bo |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) |
| Länge: | 7410 mm |
| Breite: | 2050 mm |
| Gesamtradstand: | 1625 mm |
| Leermasse: | 9,1 t |
| Stundenleistung: | 2 × 18,4 kW |
| Treibraddurchmesser: | 818 mm |
| Motorentyp: | B 17/30 |
| Stromsystem: | 600 V = |
| Stromübertragung: | Oberleitung |
| Anzahl der Fahrmotoren: | 2 |
| Kupplungstyp: | Trompetenkupplung |
| Sitzplätze: | 16 |
| Stehplätze: | 14 |
Die Tw 41–80 waren eine 40 Wagen umfassende Serie von zweiachsigen Zweirichtungstriebwagen der Straßenbahn Kassel (KVG). Die zwischen 1898 und 1900 gelieferten normalspurigen Wagen gehörten zur Erstausstattung der elektrisch betriebenen Fahrzeugflotte der damaligen Großen Casseler Straßenbahn und blieben bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts im Einsatz. Ergänzt wurde die Serie durch 20 leichte Beiwagen mit den ursprünglichen Betriebsnummern 81 bis 100.
Technik
Die zweite Triebwagenserie der Großen Casseler Straßenbahn umfasste die Fahrzeuge 41 bis 80. Mit einer Wagenlänge von 7410 Millimetern, einem Achsstand von 1625 Millimetern und einem ursprünglichen Dienstgewicht von rund 9,1 Tonnen waren sie deutlich kürzer als die Triebwagen 1 bis 14. Die Wagen 41 bis 71 wurden 1898 und 1899 von Van der Zypen und Charlier in Köln gefertigt, die Wagen 72 bis 80 entstanden 1900 in der Waggonfabrik Gebrüder Credé in Niederzwehren bei Kassel. Im Erscheinungsbild entsprachen sie weitgehend den größeren Wagen 1 bis 14, jede Fahrzeugseite besaß drei Fenster mit Breiten von 1075 Millimetern für die beiden äußeren und 1650 Millimetern für das mittlere Fenster. Im Innenraum waren Längsbänke eingebaut, die 16 Sitzplätze und 14 Stehplätze boten. Die Fahrgestelle waren als amerikanische Bauart nach einer Lizenz von McGuire ausgeführt, der Wagenkasten war über vier Blattfederpakete abgefedert. Den Antrieb besorgten zwei von der Siemens & Halske AG gefertigte Motoren des Typs B 17/30 mit einer Nennleistung von jeweils 18,4 Kilowatt.[1]
Beiwagen
Zur Triebwagenserie gehörten 20 leichte Beiwagen, die zunächst die Betriebsnummern 81 bis 100 trugen und 1899/1900 ebenfalls von der Waggonfabrik Gebrüder Credé geliefert wurden. Es handelte sich um kurze, leichte, als offene Sommerwagen ausgeführte Fahrzeuge mit einer Aufbaulänge von 7000 Millimetern und einem Leergewicht von 4 Tonnen. Ein separates Fahrgestell war nicht vorhanden, die Radsätze mit einem Achsstand von 1600 Millimetern waren in heruntergezogenen vernieteten Fachwerkträgern gelagert, deren Achslagergehäuse über lange Blattfedern auf die Längsträger des Wagenkastens wirkten. Das Fassungsvermögen lag bei 18 Sitz- und 14 Stehplätzen, die Sitzbänke waren quer zur Fahrtrichtung angeordnet. Im Jahr 1919 erfolgte ein Umbau, bei dem die Wagen seitlich geschlossen wurden, während die Plattformen weiterhin unverglast blieben, zugleich erhielten sie die neuen Betriebsnummern 541 bis 560.
Einsatz
Die Triebwagen wurden vor allem auf den stark kurvenreichen Strecken in der Kasseler Altstadt eingesetzt. In den 1920er Jahren erhielten etwa 30 Wagen verglaste Führerstände. Aufgrund der geringen Fahrgastkapazität erfüllten die Fahrzeuge bereits zu Beginn der 1930er Jahre die betrieblichen Anforderungen nicht mehr. Nach der Indienststellung der nächsten Wagengeneration im Jahr 1932 wurden sie schrittweise aus dem planmäßigen Liniendienst herausgenommen, die ersten Fahrzeuge wurden ab 1934 ausgemustert und verschrottet. Ein Teil des Bestandes wurde in Arbeitswagen umgewandelt, weitere Triebwagen blieben als Reserve in den Depots abgestellt und kamen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs nur noch vereinzelt als Einsatzwagen zur Verwendung.[2] Zwischen 1949 und 1951 wurden vier Triebwagen dieses Typs zu Beiwagen umgebaut und unter den Nummern 611 bis 614 einige Jahre weitergeführt.
Verbleib
Der frühere Triebwagen 58, der seit 1948 als Rottenwagen mit der Betriebsnummer 714 im Einsatz stand, wurde im Januar 1959 an die Filmatelier Göttingen GmbH verkauft. Dort diente er als Requisitenfahrzeug für den Kriegsfilm Hunde, wollt ihr ewig leben? und wurde im Rahmen der Dreharbeiten in einer Stalingrad darstellenden Szene durch Beschuss in Brand gesetzt und zerstört; im fertigen Film ist der Wagen in dieser Sequenz für wenige Sekunden zu erkennen. Der Triebwagen 80 wurde ab 1948 unter der Wagennummer 713 als Reklamewagen genutzt. Anlässlich des Hessentags 1964 in Kassel wurde die elektrische Ausrüstung ausgebaut und der Wagen als historischer Pferdebahnwagen hergerichtet. Das Fahrzeug befindet sich heute im Technik-Museum Kassel.
Verkauf von Beiwagen nach Łódź 1941
Im von den deutschen Besatzungsbehörden eingerichteten Ghetto Litzmannstadt wurde 1941 auf Antrag Chaïm Rumkowski der Ausbau eines eigenen Straßenbahnnetzes beschlossen. Die Straßenbahn im Ghetto bestand von 1941 bis 1944 und diente in erster Linie dem Gütertransport zwischen den Betrieben des Ghettos und der Bahnhofsanlage Radegast. Zum Betrieb wurde innerhalb der jüdischen Verwaltung die Einheit ES-G („Elektrische Straßenbahn Getto“) geschaffen, die für den Einsatz der Fahrzeuge, den Unterhalt der Infrastruktur und die Organisation des Betriebs verantwortlich war und als Zwangsarbeitsbetrieb zeitweise rund 150 bis 300 Personen als Wagenführer, Schaffner, Werkstatt und Gleisbaupersonal beschäftigte. Ab Juni 1942 betrieb die Ghettoverwaltung zusätzlich einen stark reglementierten Personenverkehr, zunächst vor allem für Fabrikarbeiter.[3] Im Februar 1942 wurden zehn der zu diesem Zeitpunkt bereits als technisch überholt geltenden Kasseler Beiwagen nach Łódź verkauft. Belegt ist der Fahrzeugtransfer, der weitere Verbleib dieser Wagen bleibt in den bekannten Quellen ungeklärt.
Literatur
- Gustav Adam Stör: 1877 – 1977 Ein Jahrhundert Kasseler Nahverkehr. Kassel 1977, ISBN 3-87816-055-0.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Triebwagen 41 - 80. In: tram-kassel.de. Abgerufen am 15. November 2025.
- ↑ Wolfgang Kimpel: Frieden – Krieg – Aufbau bei der KVG. In: Kasseler Schienennahverkehr. Band 2. Eigenverlag, Hofgeismar 1991, S. 13.
- ↑ Tramwaj Elektryczny – Getto. In: leksykongetta.pl. Abgerufen am 15. November 2025 (polnisch).