Julie von Zerzog

Juliane „Julie“ von Zerzog, geb. von Thon-Dittmer (* 1799 in Regensburg; † 1871 ebenda oder bei Bayreuth) war eine deutsche Adelige und Wohltäterin.

Leben

Julie von Zerzog wurde 1799 in Regensburg geboren.[1] Sie war die Tochter des Regensburger Handelsherrn Carl Christian Freiherr von Thon-Dittmer (1763–1831) und Friederike Amalie,[2] (1772–1806) einer Tochter von Georg Friedrich von Dittmer (1727–1811). Julie lebte Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts zeitweise im Edelsitz in Pettendorf in der Schloßstraße, den ihr Großvater gekauft hatte.[3] Sie war eine kultivierte Persönlichkeit mit breiten Interessen, insbesondere in Bezug auf die kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte.[2]

1827 heiratete Julie den Forstlehrling Adolf von Zerzog, die beiden bekamen acht Kinder.[3] Im Jahr 1831 erbte Julie von Zerzog sowohl das Schloss Etterzhausen als auch ein Unternehmen ihres Vaters. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten, mit denen die väterliche Firma belastet war, demonstrierte sie Geschäftstüchtigkeit. Das Unternehmen war stark verschuldet, jedoch gelang es Julie von Zerzog, eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen und somit sowohl das Schloss als auch die Firma zu bewahren.[1] Um 1837 begann sie die Chronik von Etterzhausen zu verfassen, hierzu fertigte sei auch Zeichnungen an und schenkte diese 1864 dem Heimatverein.[4]

Julie von Zerzog lebte bis 1844 mit ihren acht Kindern und ihrem Neffen, den sie nach dem Tod ihrer Schwägerin zu sich genommen hatte, im Schloss Etterzhausen. Sie zeichnete die „Skizzen über Pettendorf“, die 1844 im 8. Band des Historischen Vereins erschienen.[5][3] Danach übersiedelte von Zerzog nach Regensburg, um sich dort verschiedenen sozialen Belangen zu widmen. Besonders förderte sie Frauen aus den unteren Gesellschaftsschichten. Zu jener Zeit hatten diese nahezu keine Gelegenheit, einen Beruf zu erlernen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Selbst wenn sie eine Anstellung in den allmählich entstehenden Industriebetrieben fanden, war der Lohn für Frauen derart niedrig, dass er kaum zum Leben ausreichte.[1]

Von Zerzog widmete sich der Verbesserung der Lebensumstände benachteiligter Frauen. Im Jahr 1850 gründete sie einen Frauenverein, dessen Ziel es war, Mädchen aus der Arbeiterklasse berufliche Unterstützung zu bieten.[2][1] Zu diesem Zweck wurde eine Handarbeitsschule ins Leben gerufen[2], in der jährlich 90 junge Frauen kostenfrei in den Fertigkeiten des Nähens, Strickens und der Spitzenklöppelei unterrichtet wurden.[3] Diese Initiative hatte einen doppelten Nutzen: Zum einen erhielten die Mädchen die Möglichkeit, auf Grundlage der erlernten Fähigkeiten eine eigenständige berufliche Laufbahn einzuschlagen. Sollten sie Kinder haben, konnten sie zudem wertvolle Heimarbeit verrichten. Entschieden sie sich jedoch, als Arbeiterin in einer Fabrik zu arbeiten, waren sie durch die erworbenen Kenntnisse auch in der Lage, ihre eigene Kleidung herzustellen, was zu einer signifikanten Reduzierung ihrer Lebenshaltungskosten führte.[1] Von Zerzog führte die Schule über einen Zeitraum von zehn Jahren[3] und war verantwortlich für die Auswahl von Schülerinnen sowie Lehrerinnen.[1]

Julie von Zerzog starb 1871 in Regensburg[1] oder bei Bayreuth.[2]

Nachleben

Julie von Zerzog wurde mit der Aufnahmen in das Projekt FrauenOrte in Bayern geehrt, anders als in anderen Bundesländern sind die Orte in Bayern virtuell.[6]

In Pettendorf gibt es seit 2024 die Julie-von-Zerzog-Straße.[7]

Sie pflegte ab 1826 einen regen Briefverkehr mit dem bayerischen Politiker Maximilian von Montgelas. Es sind zahlreiche Briefe erhalten, die sie 1853 unter dem Titel Briefe des Staatsministers Grafen Maximilian Joseph v. Montgelas herausgab.[8]

Werk

  • Julie von Zerzog: Beschreibung des Rathhauses zu Regensburg. Montag & Weiss, 1858.
  • Julie von Zerzog: Briefe des Staatsministers Grafen Maximilian Joseph v. Montgelas. Demmler, Regensburg 1853.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Julie von Zerzog. In: bayerns-frauen.de. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  2. a b c d e Vorlage – VO/14/10106/61. In: srv19.regensburg.de. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  3. a b c d e Julie-von-Zerzog-Straße. In: pettendorf.de. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  4. „Chronik von Etterzhausen“ von Julie von Zerzog. In: deutsche-digitale-bibliothek.de. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  5. Skizzen über Pettendorf. In: Julie von Zerzog (Hrsg.): Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 8. Band. Julius Heinrich Demmler, Regensburg 1844, urn:nbn:de:bvb:355-rbh-740-3.
  6. Julie von Zerzog. In: bayerns-frauen.de. Abgerufen am 10. Dezember 2025.
  7. 05 Mai 2024. In: pettendorf.de. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  8. Julie von Zerzog (Hrsg.): Briefe des Staatsministers Grafen Maximilian Joseph v. Montgelas. Julius Heinrich Demmler, Regensburg 1853, urn:nbn:de:bvb:12-bsb11746957-4.