Julia Krause-Harder
Julia Krause-Harder (* 1973 in Kronberg im Taunus) ist eine bildende Künstlerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.
Werdegang
Julia Krause-Harder wurde in Hessen geboren. Bereits seit sie ein Kind war, interessierte sie sich für Karten, Atlanten und die politische, geografische und geschichtliche Kartografie. Sie lebte zeitweise in verschiedenen Ländern, unter anderem mit ihren häufig im Ausland lebenden Eltern, und reiste viel. Sie hat eine Autismus-Spektrum-Störung, besuchte eine Sprachheilschule und machte danach den Realschulabschluss, gefolgt vom Fachabitur. Anschließend absolvierte sie eine Lehre zur Schneiderin[1] und legte 1999 ihre Gesellenprüfung ab.[2] Da sie nach der Lehre keinen anderen Arbeitsplatz fand, begann sie in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu arbeiten.[3]
Julia Krause-Harder lebt in Frankfurt am Main und arbeitet künstlerisch, seit 2009 neben der Berufstätigkeit im dortigen Atelier Goldstein.[3] Ihre Faszination für Paläontologie und Geographie prägt auch die von ihr geschaffene Objektkunst.[4][5] Seit 2017 ist sie zudem als Dozentin im Rahmen der Goldstein Akademie tätig.[1][4] Sie wurde so die erste der im Atelier arbeitenden Künstlerinnen und Künstler, die an einer Schule unterrichten.[6]
2012 erhielt Julia Krause-Harder ein Artist-in-Residence-Stipendium bei „La Fragua/The Forge“ im spanischen Córdoba[4] und 2025 im „CERVO Cabin Essence Program“ im Cervo Mountain Resort in Zermatt. Ihr Aufenthalt wurde im Rahmen von Filmaufnahmen für den Film Kosmopoliten, der verschiedene Kunstschaffende porträtiert, von einem Filmteam um Heidi Specogna und Thomas Riedelsheimer begleitet.[7]
Werk
Julia Krause-Harders Ziel ist die skulpturale Darstellung aller bislang bekannten Dinosaurierarten. Im Vorfeld recherchierte sie die Lebensumstände der Dinosaurier in deutschen und internationalen Naturkundemuseen.[8] Zum Bau verwendet sie unterschiedlichste Materialien, die sie zu lebensgroßen, teils mehrere Meter großen und bis hin zur die Zahl der Wirbel und Fußknochen anatomisch präzisen Skulpturen zusammenfügt. Die für das Grundgerüst aus Metall benötigten Stahlstäbe biegt sie auf einem Schraubstock und bindet sie mit Kabelbindern in der gewünschten Form zusammen.[2][3] Die Werke bestehen aus Materialien wie Plastik, Metallen und Holz, aber auch aus gesammelten Alltagsgegenständen, wie Spielzeuge, Kassetten, Schnellhefter,[1][4] Ringbücher und Krawatten.[9] Teilweise fertigt sie ihre Werke jeweils aus ähnlichen Werkstoffen, wie etwa den Protoceratops aus vielen kleinen Gummi-Dinosauriern, den Tyrannosaurus aus Metallstücken oder einen Dinosaurier aus Korkeiche, die sie in Spanien gefunden hat.[10]
Textile Bilder bilden einen weiteren Werkkomplex. An ihrem bislang größten Werk „La Création du Monde“ (Die Schöpfung der Welt), einer mehrere hundert Quadratmeter großen Weltkarte im Maßstab 1:1,3 Millionen,[11] arbeitete Julia Krause-Harder knapp drei Jahre.[1][4] Für die einzelnen Länder recherchierte sie politische, geografische und kulturelle Zusammenhänge[12] und bestimmte danach die Farben und Muster, die sie bezogen auf die Eigenschaften des jeweiligen Landes oder Gebietes für passend hielt. Sie verwendete Selbstgestricktes und -gehäkeltes, Stoffe, Gaze, Planen, Spitze, Felle, Leder, Samt, Seide und Baumwolle, die sie miteinander vernähte, knotete und verknüpfte.[11] In der Weltkarte bildete Julia Krause-Harder auch die Erhebungen der Gebirgszüge reliefartig ab und stellte landestypische Feinheiten durch symbolhafte Applikationen oder Schrift, die sie einstickte, dar.[2][5][13]
Ausstellungen (Auswahl)
- 2025: Art Paris, Grand Palais, Paris
- 2025: Landsichtssache. Musée Visionnaire, Zürich[11]
- 2024/2025: Biotop Art Brut. Werke aus der Sammlung Hannah Rieger. Kunsthalle Jesuitenkirche, Aschaffenburg
- 2024: Julia Krause-Harder – Die Weltkarte. Kunstgebäude der Philipps-Universität Marburg (Einzelausstellung)[13]
- 2023: Der weltbekannte Planet. Neuer Kunstraum, Düsseldorf
- 2023: De Windstoot / The Gust of Wind. Museum Dr. Guislain, Gent
- 2022: Atelier Goldstein im Lenbachhaus. Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
- 2021/2022: Création du Monde No.2 (Die Erschaffung der Welt). Dommuseum Frankfurt, Frankfurt am Main[2]
- 2019: Himmelstürmer*innen auf Kurs. Musée Visionnaire, Zürich
- 2019: Flying High. Künstlerinnen der Art Brut. Bank Austria Kunstforum Wien (kuratiert von Ingried Brugger, Hannah Rieger)
- 2017: The Museum of Everything. Museum of Old and New Art, Hobart[8]
- 2016: Fürchtet euch nicht !, Zwei Weihnachtsgeschichten. Dommuseum, Frankfurt am Main
- 2014: Kreaturen. Mousonturm, Frankfurt am Main[4][8]
Werke von Julia Krause-Harder befinden sich in den Sammlungen des Museum of Everything, des Dommuseums in Frankfurt, der Sammlung Hannah Rieger in Wien und der Bundeskunstsammlung in Bonn.[4]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Julia Krause-Harder. In: Gallery Christian Berst Art brut. Abgerufen am 12. Januar 2026
- ↑ a b c d Petra Kammann: Viel Stoff: „Création du monde 2“ im Dommuseum. In: Feuilleton Frankfurt. Das Magazin für Kunst, Kultur & LebensArt vom 9. Oktober 2021. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ a b c Tobias Haberl: Julia Krause-Harder. In: Süddeutsche Zeitung Magazin vom 17. November 2022. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ a b c d e f g Julia Krause-Harder. In: Atelier Goldstein. Abgerufen am 12. Januar 2026
- ↑ a b Die Weltkarte. Julia Krause-Harder. Kunstmuseum Marburg. In: Atelier Goldstein. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ [Carmela Thiele: Inklusion: Künstler und Künstlerinnen mit Handicap erobern die Kunstszene. In: RiffReporter vom 3. Oktober 2024. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ Mit dem Helikopter auf’s Matterhorn. In: Atelier Goldstein. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ a b c Julia Krause-Harder. In: Living in Art brut - Hannah Rieger Collection. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ Julia Krause-Harder. In: Kunstencentrum Buda. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ Jasmin Schülke: Künstler mit Mission. In: Frankfurter Rundschau vom 1. Februar 2019. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ a b c Sophia Edschmid, Sven Fritz: Julia Krause-Harder – Umhüllt von Welt. In: Musée Visionnaire. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ Julia Krause-Harder – Die Weltkarte. In: Weltkunst - Das Kunstmagazin der ZEIT vom 1. Februar 2019. Abgerufen am 13. Januar 2026
- ↑ a b Die ganze Welt von Julia Krause-Harder im Kunstmuseum . In: Museum für Kunst und Kulturgeschichte Marburg vom 29. August 2024. Abgerufen am 13. Januar 2026