Jules Diéterle
Jules Pierre Michel Diéterle (* 9. Februar 1811 in Paris; † 22. April 1889 ebenda) war ein französischer Dekorateur, Maler und Restaurator. Er trat vor allem als Bühnenbildner und Gestalter dekorativer Kunst des 19. Jahrhunderts in Erscheinung.[1]
Leben
Jules Diéterle wurde in Paris geboren. Er war der Vater der Maler Charles und Georges-Pierre Diéterle sowie der Schwiegervater von Marie Diéterle. Er begann seine berufliche Laufbahn in der Papiertapetenmanufaktur Dockain, bevor er in die Ateliers von Pierre-Luc-Charles Cicéri eintrat, dem leitenden Dekorationsmaler der Académie du Palais royal in Paris.[1]
Nach künstlerischen Differenzen im Zusammenhang mit der Ausstattung der Oper Robert le Diable im Jahr 1831 verließ Jules Diéterle gemeinsam mit anderen Schülern Charles Cicéris dessen Atelier. In der Folge entstanden zwei konkurrierende Dekorationsunternehmen: das eine von Humanité René Philastre und Charles-Antoine Cambon, das andere die um 1833/34 gegründete Gesellschaft Séchan, Feuchères et Cie., der Diéterle und Édouard-Désiré-Joseph Despléchin angehörten. In der von 1841 bis 1848 bestehenden Nachfolgegesellschaft waren Despléchin, Diéterle und Charles Séchan vereint. Zwischen 1834 und 1848 waren diese Gesellschaften für einen großen Teil der Opern- und Ballettaufführungen der Académie de Musique in Paris verantwortlich, darunter die Ausstattungen für La Juive, Les Huguenots, Stradella, Les Martyrs, Charles VI., La Péri, Richard en Palestine und David.[1]
1843 heiratete Jules Diéterle Émilie Gardie, die Tochter der in Paris tätigen englischen Miniaturistin Anne Gardie und Stieftochter von Charles Séchan. Ab 1848 realisierte Diéterle gemeinsam mit diesem die Bühnenausstattungen für Le Prophète und Le Juif errant. Neben seiner Tätigkeit für die Pariser Oper war Jules Diéterle an der Restaurierung zahlreicher Theater beteiligt, darunter das Théâtre de l’Odéon, die Opéra-Comique und die Variétés in Paris sowie Bühnen in Lille, Versailles, Charleville, Saint-Quentin, Calais, Douai, Moulins, Avignon, Caen, Brüssel, Gent und Dresden. Im Auftrag von Alexandre Dumas fils gestaltete er 1847 das Théâtre Historique in Paris und das Schloss Monte-Cristo in Saint-Germain-en-Laye.[1]
Jules Diéterle war unter verschiedenen politischen Regimen an staatlichen Festdekorationen beteiligt, unter anderem anlässlich der Fêtes de Juillet, der Hochzeit des Herzogs von Orléans, der Fêtes de la Concorde und der Hochzeit von Napoleon III. 1848 wurde er zum künstlerischen Leiter der Porzellanmanufaktur von Sèvres ernannt, wo er bis 1855 tätig blieb. In dieser Zeit trug er maßgeblich zur Erneuerung der Produktion bei. Er führte die Seladonglasur ein und entwarf zahlreiche Formen und Dekore, die sich an antiken, Renaissance- und Rokoko-Vorbildern sowie an orientalischen Motiven orientierten. Zu seinen Arbeiten zählen unter anderem ein mit Seladonglasur versehenes Taufbecken, das Napoleon III. dem Papst schenkte, sowie ein im pompejanischen Stil gestaltetes Tafelservice für Prinz Napoléon Jérôme.[1]
Gemeinsam mit Charles Séchan war Jules Diéterle auch im Bereich der Innenausstattung tätig, unter anderem im Dolmabahçe-Palast in Konstantinopel, im Casino von Baden-Baden, im Gebäude der Assemblée nationale in Paris sowie im Hôtel der Brüder Péreire. 1848 wurde er zum Präsidenten des Conseil de perfectionnement der nationalen Manufakturen der Gobelins, von Beauvais und von Sèvres ernannt. 1851 war er für die Keramikabteilung der Weltausstellung in London verantwortlich. Ab 1876 wirkte er als Verwaltungsleiter der Manufaktur von Beauvais und war Präsident der Union Centrale des Arts Décoratifs. Für seine Leistungen wurde er 1852 zum Ritter und 1867 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.[1]
Literatur
- Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 9, E. A. Seemann, Leipzig, 1913.
- Jean Doin: Jules Diéterle, Gazette des Beaux-Arts, Paris, 1925.
- Pierre Ratouis de Limay: Jules Diéterle, in: Bulletin de la Société de l’Histoire de l’Art Français, Paris, 1937.
- Marcelle Brunet: Sèvres, des origines à nos jours, Paris, 1978.
- Catherine Join-Diéterle: Les décors de scène de l’Opéra de Paris à l’époque romantique, Paris, 1988.
- Jean Coural, Colette Gastinel-Coural: Beauvais. Manufacture nationale de tapisserie, Paris, 1992.
- Marie-Hélène Desjardins-Ménégalli, Catherine Join-Diéterle: Les Diéterle – une famille d'artistes : Jules, Georges, Charles, Marie, Yvonne, décorateur, peintres et sculpteurs, une famille d'artistes à Yport, Musée des Terre-Neuvas, Fécamp, 1999.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 4: Cossintino – Dyck. Paris, 2006.