Jules Achille Noël
Jules Achille Noël, geb. Louis Assez Noël (* 4. Januar 1810 in Nancy; † 26. März 1881 in Mustapha bei Algier) war ein französischer Maler, Zeichner und Zeichenlehrer. Er ist vor allem als Landschafts- und Marinemaler der Bretagne und der Normandie bekannt und gilt als wichtiger Vertreter der romantischen Marinemalerei sowie als Vorläufer der bretonischen Freilichtmalerei. Er war der Schwiegervater des Malers Gaston Roullet.[1]
Leben
Jules Achille Noël wuchs in Quimper auf. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er zunächst bei Louis-Gabriel Charioux in Brest und setzte sie ab 1829 bei Jean-Victor Bertin in Paris fort.
1835 wurde er Zeichenlehrer in Saint-Pol-de-Léon und wirkte anschließend von 1835 bis 1838 in Lorient. Ab 1839 lebte er in Nantes. Durch Vermittlung des Duc de Nemours erhielt er 1845 eine Anstellung als Zeichenlehrer am Lycée Henri IV in Paris, welche er bis 1879 innehatte.
Während der Schulferien bereiste er regelmäßig die Bretagne und die Normandie, wo er zahlreiche Studien und Skizzen anfertigte. 1875 unternahm er eine Reise durch die Schweiz. Ab 1877 war er gesundheitlich beeinträchtigt. 1880 zog er zu seiner Tochter nach Mustapha bei Algier, wo er 1881 verstarb.[1]
Werk
Jules Achille Noël spezialisierte sich früh auf stimmungsvolle Marinen der Bretagne und der Normandie. Bereits 1843 erhielt er einen bedeutenden Auftrag des Duc de Nemours für das Gemälde Le Duc et la Duchesse de Nemours s’embarquant en chaloupe en rade de Brest le 30 août 1843. Das Bild erlangte breite Anerkennung durch seine helle, ausgewogene Farbgebung. Mit mehreren im Pariser Salon 1846 ausgestellten Marinegemälden etablierte er sich als Marinemaler.[1]
Seine Arbeitsweise beruhte auf minutiösen Skizzen, Zeichnungen und Aquarellen, die er vor Ort anfertigte und im Atelier zu detailreichen Ölgemälden ausarbeitete. Thematisch reichen seine Werke von Hafenansichten, Stadt- und Marktszenen, Volksfesten und Interieurs bis zu dramatischen Darstellungen von Unwettern auf See. Die Farbgebung schwankt dabei zwischen warmen, hellen Tönen in ruhigen Szenen und einem dunklen, düsteren Kolorit bei dramatischen Motiven. In den 1870er Jahren wandte sich Noël verstärkt flüchtigen atmosphärischen Erscheinungen zu. Mit gelockertem, vibrierendem Pinselstrich und sehr hellem Licht näherte er sich impressionistischen Tendenzen an. Von besonderer Bedeutung ist auch sein zeichnerisches Werk. Im Jahr 1844 fertigte er im Zuchthaus von Brest Milieustudien aus dem Alltag der sogenannten Bagnards an. Ein Teil dieser Zeichnungen wurde zur Illustration des Buches „Les bagnes“ von Maurice Alhoy verwendet. Lange Zeit wurde Noël als folkloristischer Maler der Bretagne unterschätzt. Heute gilt er als herausragender Marinemaler in der Nachfolge von Pierre Julien Gilbert sowie als Wegbereiter der bretonischen Freilichtmalerei.[1]
Literatur
- Thieme, Ulrich; Becker, Felix (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 25, Wilhelm Engelmann, Leipzig, 1931.
- Delouche, Denis: Jules Achille Noël, in: Annales de Bretagne, Band 77, 1970, S. 417–470.
- Harambourg, Lydia: Dictionnaire des peintres paysagistes français du XIXe siècle, Paris, 1985.
- Schurr, Gérald; Cabanne, Pierre: Dictionnaire des petits maîtres de la peinture, Band II, Les Éditions de l’Amateur, Paris, 1996.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006.