Johann Clarisse
Johann Clarisse (* 19. Oktober 1770 in Schiedam; † 29. November 1846 in Rheden) war ein niederländischer reformierter Theologe.
Leben
Clarisse war ein Sohn des Theodorus Adrianus Clarisse (14. Januar 1741 – 7. Mai 1778)[1] und dessen erster Frau Elselina Elisabetha (geborene van der Duyff; † vor 1772). Er hatte bereits früh seine Mutter verloren und die zweite Frau seines Vaters Anne oder Anna Eduardina (geborene Pigeaud), eine Tochter des Bürgermeisters Thomas Pigeaud, wurde für ihn zur neuen Bezugsperson. Ab 1782 besuchte er die Lateinschule seines Heimatorts, ab 1785 die Lateinschule in Haastrecht. Er studierte ab 1787 Evangelische Theologie an der Universität Leiden, 1789 an der Universität Utrecht und promovierte 1791 zum Doktor der Theologie. 1792 trat er in den Kirchendienst als Prediger in Doorn ein und war ab 1797 in gleicher Eigenschaft in Enkhuizen tätig. An letztem Ort begann er, auf sich aufmerksam zu machen mit einigen theologischen Schriften, in denen er auf die modernen synthetischen Methoden der Aufklärung einging.
Bereits in seinen Jugendjahren entflammte sein Geist für alles „Schöne und Große“. Er besang Friedrich Schiller, der damals noch nicht seine volle Höhe erreicht hatte, und orientierte sich mit Eifer auf die Erzeugnisse des Geschmacks und der Gelehrsamkeit der älteren und neueren Völker. Seine umfassenden theologischen Kenntnisse verschafften ihm 1803 einen Ruf als Professor an die Universität Harderwijk, wo er seinen Posten mit einer Rede über das unauflösliche Band zwischen den Lehrsätzen und Sittenlehren des Evangeliums antrat. 1804 wurde er auf eine Professur der Theologie nach Franeker und eine Professur der Philosophie nach Groningen berufen. Er beschloss jedoch, Harderwijk nicht zu verlassen, und war 1805 Rektor der Harderwijker Hochschule.
Notgedrungen war dies dennoch der Fall, als Napoleon mit einem Federzug die beiden Universitäten in Harderwijk und Franeker 1811 vernichtete. Clarisses Talente als Prediger brachten ihm kurz darauf einen Ruf nach Amsterdam, wo er bis 1815 blieb und danach als Professor der Theologie nach Leiden ging. Hier hielt er seine Antrittsrede de theologo vere liberali. Er dozierte über Moral und Exegese, Predigtkunde, natürliche Theologie und Enzyklopädie. Nach dem Tod von Sebald Justinus Brugmans wurde ihm durch die Kuratoren der Universität der Lehrstuhl der Naturgeschichte bis zur Rückkehr von Kaspar Georg Karl Reinwardt übertragen. 1821/22 war er Rektor der Alma Mater und schied 1840 mit seiner Emeritierung aus seiner Tätigkeit als Hochschullehrer aus. Er zog 1841 nach Rheden, wo er verstarb.
Familie
Clarisse war zweimal verheiratet:
- Seit 1794 mit Catharina Cornelia (geborene van Eck; † 1827), einer Schwester des Deventer Professors Cornelis Fransen van Eck (2. März 1764 – 11. März 1830). Mit ihr hatte er 12 Kinder, darunter:
- Theodorus Adrianus Clarisse (18. Februar 1795 – 25. September 1828)
- Cornelis Clarisse (1797–1818)
- Abraham Adrianus Clarisse (1802–1820)
- Thomas Adrianus Maria Clarisse (1808–1848)
- Walrand Cornelis Lodewijk Clarisse (17. April 1811 – 25. Dezember 1845)
- Seit 1829 mit Adriana Joanna (Pompe van Meerdervoort; † um 1832)
Werke (Auswahl)
- De Spiritu Sancto. Traj. ad. Rhen. 1791.
- Gedichten van J. Clarisse. Utrecht 1792 (books.google.de).
- Gezangen en dichtoeffeningen mijner jeugd. Haarlem 1793
- Verhandeling over den Heiligen Geest. Utrecht 1796
- De arctissime inter se nexis Moralibus Doctrinae Christianae et Dogmaticis praeceptis, doeenti non sejungendis. Harderwijk 1804
- Encyclopaediae theologicae epitome: perpetua annotatione, literaria potissimum, illustrata. Leiden 1832, 1835 (books.google.de).
Literatur
- Friedrich Julius Otto: Die Gesammtliteratur Niederlands, oder Leben und Wirken der holländischen Schriftsteller seit dem dreizehnten Jahrhundert bis auf unsere Zeit. Verlag des bibliographischen Instituts, Hildburghausen / Amsterdam / Philadelphia 1838, Sp. 95–96 (books.google.de).
- Herman Bouman: Memoria Joannis Clarisse, Theologi. C. van der Post, 1850 (Latein, books.google.de).
- Clarisse (Johannes). In: Karel Johan Reinier van Harderwijk (Hrsg.): Biographisch woordenboek der Nederlanden. Teil 3: C – Cys. J. J. van Brederode, Haarlem 1858, S. 397–405 (niederländisch, digitale-sammlungen.de, dbnl.org).
- Clarisse (Johannes). In: Frans Jozef Peter van den Branden, Johannes Godefridus Frederiks: Biographisch woordenboek der Noord- en Zuidnederlandsche letterkunde. L. J. Veen, Amsterdam, 1888–1891, S. 158 (niederländisch, dbnl.org).
- H. E. Knappert: Clarisse (Johannes). In: Petrus Johannes Blok, Philipp Christiaan Molhuysen (Hrsg.): Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek. Teil 3. N. Israel, Amsterdam 1974, Sp. 227–229 (niederländisch, knaw.nl / dbnl.org – Erstausgabe: A. W. Sijthoff, Leiden 1914, unveränderter Nachdruck).
- Kornelis ter Laan: Letterkundig woordenboek voor Noord en Zuid. Den Haag, 1952 (niederländisch, dbnl.org).
Weblinks
- Literatur von und über Johann Clarisse in der Digitalen Bibliothek der Niederlande (DBNL)
- Johannes Clarisse Eintrag bei der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften
Einzelnachweise
- ↑ Clarisse (Theodorus Adrianus). In: Karel Johan Reinier van Harderwijk (Hrsg.): Biographisch woordenboek der Nederlanden. Teil 3: C – Cys. J. J. van Brederode, Haarlem 1858, S. 394–397 (niederländisch, digitale-sammlungen.de, dbnl.org).