Joachim Bäse
| Joachim Bäse | ||
| Personalia | ||
|---|---|---|
| Geburtstag | 2. September 1939 | |
| Geburtsort | Braunschweig-Rühme, Deutschland | |
| Sterbedatum | 22. Dezember 2020 | |
| Sterbeort | Braunschweig, Deutschland | |
| Größe | 187 cm | |
| Position | Abwehr | |
| Junioren | ||
| Jahre | Station | |
| FC Wenden | ||
| Herren | ||
| Jahre | Station | Spiele (Tore)1 |
| 1957–1959 | FC Wenden | |
| 1959–1973 | Eintracht Braunschweig | 321 (31) |
| Nationalmannschaft | ||
| Jahre | Auswahl | Spiele (Tore) |
| 1968 | Deutschland | 1 (0) |
| 1 Angegeben sind nur Ligaspiele. | ||
Joachim Bäse (* 2. September 1939 in Braunschweig–Rühme; † 22. Dezember 2020 ebenda[1]) war ein deutscher Fußballspieler, der von 1959 bis 1973 für Eintracht Braunschweig spielte und dabei 234 Bundesligaspiele absolviert und fünf Tore erzielt hat. In der Saison 1966/67 gewann der Defensivspieler mit Braunschweig die deutsche Fußballmeisterschaft.[2]
Spielerlaufbahn
Amateur und Oberliga Nord, bis 1963
Bäse wurde im Braunschweiger Stadtteil Rühme geboren und begann im Nachbarort Wenden beim dortigen FC mit dem Fußballspielen.[3]
An der Seite von Routiniers wie Werner Thamm, Winfried Herz und Heinz Patzig begann der gelernte Koch 1959 seine Karriere als Vertragsfußballer bei Eintracht Braunschweig. Für die Eintracht hatte er zunächst 87 Einsätze in der Oberliga Nord – damals die höchste deutsche Spielklasse – und schoss dort 26 Tore. Unter Trainer Kurt Baluses debütierte der 20-jährige Bäse am 15. November 1959 bei einer 1:2-Heimniederlage gegen Holstein Kiel in der Oberliga Nord und zeichnete sich dabei auch als Torschütze der Blau-Gelben aus. Da auch noch mit Wolfgang Brase und Walter Schmidt zwei weitere langjährige Leistungsträger bei der Eintracht neu in den Vertragsspielerkader gekommen waren, trugen die Transfers dieser Runde wesentlich zum Erfolg der nächsten Jahre bei. Mit dem 3. Rang im letzten Oberligajahr 1962/63 wurde Braunschweig für die ab 1963/64 startende Bundesliga als 3. Nordvertreter aufgenommen; Bäse hatte in 28 Ligaeinsätzen fünf Tore erzielt. Unter Trainer Hans-Georg Vogel hatten auch noch die Neuzugänge Klaus Gerwien, Helmut Hosung, Gerhard Schrader und Horst Wolter Aufnahme in den Spielerkader der Eintracht gefunden. In den drei Runden Oberliga Nord hatte der 1,87 m große Bäse überwiegend als Halbstürmer oder Außenläufer im damals praktizierten WM-System fungiert.
Im Mai 1962 gehörte er zusammen mit seinen Vereinskameraden Hans Jäcker, Jürgen Moll und Walter Schmidt einer Auswahl des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) an, welche eine USA-Tournee mit Spielen in New York, St. Louis, Chicago, New Jersey und Philadelphia durchführte.[4]
Bundesliga, 1963 bis 1973
Zum Bundesligastart übernahm Helmuth Johannsen das Traineramt bei der Mannschaft von Joachim Bäse und die Eintracht belegte in den ersten drei Runden die Plätze 11., 9. und 10., wobei Bäse jeweils der Stammbesetzung angehört hatte. Trainer Johannsen hatte den Spielerkader kontinuierlich durch Neuzugänge wie Peter Kaack, Hans-Georg Dulz (1963/64), Lothar Ulsaß, Erich Maas (1964/65), Werner Rinaß, Wolfgang Matz (1965/66), Gerd Saborowski und Wolfgang Grzyb (1966/67) verbessert und somit hatte Leistungsträger Bäse Mitspieler an seiner Seite, mit denen auch höhere Ziele anvisiert werden konnten.
Trotzdem sprach niemand vor der Runde 1966/67 im Zusammenhang mit Eintracht Braunschweig von einem Aspirant für die Meisterschaft. In der Rückrunde 1965/66 hatte das Team um Bäse zwar mit 20:14 Punkten deutlich auf sich aufmerksam gemacht, aber dem 10. der Tabelle traute man keinen Vormarsch an die Tabellenspitze zu. Trainer Johannsen setzte im Personalbereich auf Kontinuität, auf Teamgeist und die gezielte Verstärkung einer eingespielten[5] Daneben entschloss er sich vor dem vierten Bundesligajahr zu zwei grundlegenden Experimenten: Der technisch beschlagene, deckungsstarke, ruhige und souveräne bisherige Mittelfeldspieler Bäse wurde hinter die Deckungsreihe beordert als Chef und Organisator der Defensive und der bisherige Angreifer Jürgen Moll wurde zum offensiven linken Außenverteidiger umgeschult. So ging es in die Runde, dazu noch mit dem laufstarken und wendigen Angreifer aus Kiel, Gerd Saborowski, sowie dem Allrounder Grzyb aus dem Amateurteam. Bäse bekleidete erstmals am 25. Juni 1966 im Intertotospiel bei Górnik Zabrze (4:2) die Rolle des Libero bei der Eintracht.[6]
Der ursprüngliche linke Außenläufer mit guter Balltechnik interpretierte seine Liberorolle nicht wie ein klassischer Ausputzer, sondern eher als zurückgezogener Spielmacher mit Organisationsaufgaben für die Defensive. In der Saison 1966/67 war Bäse Kapitän der Meistermannschaft und der wohl zweitbeste deutsche Libero nach Franz Beckenbauer.[7] Bäse bestritt 1966/67 für Braunschweig 33 Ligaspiele.
1967 hatte er den herausragenden Höhepunkt seiner fußballerischen Karriere, als er mit seiner Elf deutscher Fußballmeister wurde. Mit zwei Punkten Vorsprung gegenüber Titelverteidiger München 1860 und lediglich 27 Gegentoren in 34 Rundenspielen gewann die von Spielführer Bäse angeführte Eintracht aus Braunschweig die Meisterschaft 1967. Zur Bodenständigkeit kam der glückliche Umstand hinzu, die Saison mit einer nahezu unveränderten Mannschaft absolvieren zu können. Zehn Spieler verzeichneten mindestens 30 Punktspieleinsätze. Eingespieltheit, taktische Disziplin, Kampfkraft und körperliche Fitness waren die Trümpfe Eintrachts im Titelrennen. Siebzehnmal spielte die von Libero Bäse angeführte Mannschaft zu null. Was aber nichts mit einer Mauertaktik zu tun hatte. Gerade gegen Spitzenteams wie Dortmund (3:1), Frankfurt (3:0) oder Bayern München (5:2) stellte die Mannschaft auch ihre Angriffsqualitäten unter Beweis.[8]
Joachim Bäse gab folgende Erklärung zum überraschenden Meisterschaftsgewinn ab: „Wir waren eine Einheit, ein eingeschworenen Haufen. Wenn mal Theater in der Mannschaft war, wurde darüber gesprochen und dann aus der Welt geschafft. Im Großen und Ganzen waren wir uns immer einig. Und dazu haben auch unsere Freundinnen oder Frauen viel beigetragen. Sie gehörten auch dazu, hatten einen Stammtisch und hielten den Kontakt zu allen Spielern. Besonders Frau Johannsen. Bei den Johannsens stiegen öfters Partys im Fetenkeller, oder auch im Garten, wenn das Wetter mitgespielt hat.“[9]
Fünf Tage nach dem denkwürdigen 3. Juni – 34. Spieltag, 4:1-Heimerfolg gegen den 1. FC Nürnberg – startete der neue Meister zu einer zweieinhalbwöchigen Tournee durch Nordamerika. Für Bäse war es die zweite USA-Tournee nach dem Jahr 1962 mit der Norddeutschen Auswahl.
In der Saison 1967/68 kam Bäse mit der Eintracht im Europapokal der Landesmeister 1967/68 bis ins Viertelfinale, wo er mit seiner Mannschaft in drei spannenden Spielen (3:2/0:1/O:1 im ES) gegen Juventus Turin scheiterte. Alle drei Spiele gegen Juve waren eng und umkämpft, Bäse dirigierte in allen drei Spielen die Braunschweiger Abwehr umsichtig und machte es Spielern wie Luis del Sol, Chinesinho, Gianfranco Leoncini, Giampaolo Menichelli und Roger Magnusson schwer, zum Torerfolg zu kommen.
In den folgenden Jahren kam er zu zehn weiteren Europacup-Begegnungen.
1971 war Bäse mit weiteren 14 Eintracht-Spielern in den Bundesliga-Skandal verwickelt. Er beendete daraufhin seine Laufbahn im Profifußball und half danach noch bei seinem Stammverein FC Wenden aus.
Joachim Bäse bestritt von 1959 bis 1973 insgesamt 321 Punktspiele für Eintracht Braunschweig, womit er zu den Rekordspielern des Vereins zählt; er erzielte dabei 31 Tore. Er wurde auch 15-mal im DFB-Vereinspokal eingesetzt und schoss in diesem Wettbewerb zwei Tore. Dazu kamen noch elf Einsätze im Europapokal.
Nationalmannschaft, 1968
Erstmals in den Kader der Nationalmannschaft wurde Bäse für das Länderspiel am 22. November 1967 in Bukarest gegen Rumänien (0:1) berufen; er kam aber nicht zum Einsatz. Am 24. Januar 1968 wurde er von Bundestrainer Helmut Schön bei einem Testspiel der Nationalmannschaft gegen Rot-Weiss Essen (5:2) als Innenverteidiger eingesetzt.
Am 8. Mai 1968 kam Bäse in der deutschen Nationalmannschaft bei deren 329. Spiel zum Einsatz. Das erste Länderspiel gegen Wales – es fand in der walisischen Hauptstadt Cardiff statt und endete 1:1 – blieb sein einziges. Die DFB-Elf war in der Abwehr mit Vereinskollege Wolter im Tor und Berti Vogts, Klaus Fichtel, Bäse und Horst-Dieter Höttges dabei angetreten.
Weiteres Berufsleben
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn lebte Bäse im Braunschweiger Stadtteil Thune und arbeitete als Lebensmittelkontrolleur bei der Stadt Braunschweig.
Literatur
- Horst Bläsig, Alex Leppert: Ein roter Löwe auf der Brust. Die Geschichte von Eintracht Braunschweig. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2010, S. 351, ISBN 978-3-89533-675-1.
- Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963 bis 1994. Agon Sportverlag. Kassel 2012. ISBN 978-3-89784-214-4. S. 39.
Weblinks
- Joachim Bäse in der Datenbank von fussballdaten.de
- Joachim Bäse in der Datenbank von weltfussball.de
Einzelnachweise
- ↑ Eintracht Braunschweig trauert um Achim Bäse. Meldung auf Homepage von Eintracht Braunschweig, 23. Dezember 2020. Abgerufen am 24. Dezember 2020.
- ↑ Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963 bis 1994. S. 39
- ↑ Heinz Graßhof et al.: Eintracht Braunschweig. Porträt einer Bundesliga-Mannschaft. Graff und Grenzland, Braunschweig 1967, S. 22.
- ↑ Norddeutscher Fußball-Verband (Hrsg.): von Bernd Jankowski, Harald Pistorius, Jens R. Prüss. Fußball im Norden. 100 Jahre Norddeutscher Fußball-Verband. Agon Sportverlag. Kassel 2004. ISBN 3-89784-270-X. S. 363
- ↑ Horst Bläsig, Alex Leppert: Ein roter Löwe auf der Brust. Die Geschichte von Eintracht< Braunschweig. S. 109
- ↑ Jochen Döring: Der Weg zur Spitze. 80 Jahre Eintracht Braunschweig. Dasbach Verlag. Breckenheim 1975. S. 61, 164
- ↑ Christian Karn, Reinhard Rehberg: Spielerlexikon 1963 bis 1994. S. 39
- ↑ Horst Bläsig, Alex Leppert: Ein roter Löwe auf der Brust. Die Geschichte von Eintracht Braunschweig. S. 114
- ↑ BZV Medienhaus GmbH (Hrsg.): Eintracht 1967. 50 Jahre Deutsche Meisterschaft. JHM Verlag. Braunschweig 2017. S. 24