Jean-Claude Droyer
Jean-Claude Droyer (* 1. Januar 1947 in Paris) ist ein französischer Kletterer, Bergsteiger und Bergführer. Als Pionier des Freikletterns eröffnet er die ersten modernen Routen Frankreichs in den französischen Schwierigkeitsgraden 6c und 7a.
Leben
Jean-Claude Droyer gehört zu der „Bande Parisienne“, die in den 1960er Jahren an den Felsblöcken im Wald von Fontainebleau klettern. Frankreichs Bergsteigerszene wird erstmals 1965 auf ihn aufmerksam, als er im Vercors, am Montagne du Glandasse, den Voie de la Pentecôte solo klettert.[1] Er sah sich selbst zu Beginn seiner Kletterkarriere als Alpinist. Er wiederholte zum Beispiel 1971 als erster im Alleingang die amerikanische Direkte an der Dru Westwand.[1][2]
1973 nimmt Droyer an einem Klettertreffen in Wales teil, das vom British Mountaineering Council organisiert wird. Dort lernt er die Fortschritte der britischen Kletterer hinsichtlich Kletterschwierigkeit, -ethik und -material kennen. Er sieht dort auch die Vorteile der Benutzung spezieller Kletterschuhe, den sogenannten EBs.[3] Nach diesem Klettertreffen in Wales wird er ab 1974 zum Fürsprecher des Freiklettergedankens in Frankreich.[4] Er widmet sein Leben der Verbreitung der Freikletteridee als sportliche Betätigung mit klaren Regeln, nach der das „Wie“ einer Begehung wichtiger sei als das „Was“.[2]
1975 sorgt Droyer für mediales Aufsehen, als er mit einem Seilpartner am neu erbauten Pariser Tour Montparnasse die Außenwand hinaufklettert. Dass er dabei die Kletterschuhe der Firma EB trägt und sie in einem Interview anpreist, sorgt für einen Umsatzrekord dieser Kletterschule. Als Dank für die wohl unbeabsichtigte Werbung verspricht die Firma EB, ihn lebenslang mit Kletterschuhen zu versorgen.[3][5] 1980 wird Droyer technischer Berater bei EB und ist verantwortlich für die Entwicklung neuer Kletterschuhe.[3]
Als Pionier des free-climbing eröffnet Droyer 1976 in den Klettergebieten Saffres und Le Saussois die ersten „modernen“ Kletterrouten Frankreichs, erst im Schwierigkeitsgrad 6b (L'arête jaune) und 6c (Râteau e Quille) und dann 1977 in Le Saussois die erste 7a Frankreichs (L'échelle à poissons).[4][6] Danach überträgt er die in kurzen Routen erreichten Kletterschwierigkeiten auf große Alpenwände. Er klettert 1977 fast frei durch die Ostwand des Grand Capucin (Bonatti-Ghigo). Von den 150 Haken, die damals in der Route stecken, benutzt er nur sieben zur Fortbewegung. Ein Jahr später gelingt es ihm, die gesamte Route frei zu klettern, wobei er eine neue Ausstiegsvariante links der Bonattiroute eröffnet.[7] Weiter glücken ihm die erste freie Begehung der „Comici“ an der großen Zinne (1978) und der „Cassin“ an der westlichen Zinne (1979).[4]
Nach diesen ersten freien Begehungen von Kletterrouten im Gebirge widmet sich Droyer zunehmend dem Klettern an kleineren Felswänden.[4] Seine Vision des Kletterbaren manifestiert sich 1978 in der Überzeugung, dass in Le Saussois die Route „La voie du refuge“ frei geklettert werden kann. Er entfernt aus der 15 m hohen „Hakenrassel“ die alten Haken und setzt drei sichere neue. Erst drei Jahre später, 1981, gelingt Jean-Pierre Bouvier die erste frei Begehung der Linie, die in Chimpanzodrome umbenannt wird und die als die erste 7c+ Frankreichs gilt.[8] Schon 1985 klettert Christine Gambert nach nur einem Tag Projektierung im Toprope Chimpanzodrome frei, womit sie die erste Europäerin ist, die diesen Schwierigkeitsgrad kletterte.[9]
In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kommt es im Klettergebiet Le Saussois zum großen Hakenstreit, der an den Mauerhakenstreit der 1910er Jahre erinnert. Jean-Claude Droyer, Laurent Jacob und Jean-Pierre Bouvier ändern mit den von ihnen gekletterten Schwierigkeiten nachhaltig den Stil der Kletterrouten des Gebiets. Le Saussois war als Gebiet bekannt, in dem Routen meist mit Hilfe technischer Fortbewegungsmittel begangen wurden, sprich die in Felsspalten geschlagenen Haken wurden als Griffe und Tritte benutzt. Das Ziel der Drei ist jedoch, die Routen ohne künstliche Fortbewegungsmittel zu klettern. Sie entfernen „überflüssige“ Fortbewegungshaken aus den Routen (ausnageln genannt) und belassen nur die absolut notwendigen, reinen Sicherungshaken in der Wand, die sie zusätzlich mit Zement nachsichern. Das Ergebnis sind schöne Freikletterrouten wie L'arête jaune (6b), La fissure de La Jules (6c) oder la Mur de la Ouest (6c+), eine 30 Meter lange, klein-griffige Route, die vormals in rein technischer Kletterei begangen wurde. Infolge der entfernten Haken kommt zum Streit mit den lokalen Bergsteigern, abwertend „Randonno-Pitonneurs“ genannt (kann etwa mit „Hakenschlagende Wanderer“ übersetzt werden), die weiterhin technisch klettern wollen, beziehungsweise denen die „ausgenagelten“ Routen zu schwer sind. Letztendlich behalten die Verfechter des Freikletterns, allen voran Jean-Claude Droyer, die Oberhand in dem Streit.[8]
Buchautor
- 2021: Topo Saussois Jean-Claude Droyer, Jean-Pierre Bouvier, Thomas Revest
- 1986: Escalade: Les plus belles falaises d'Europe de l'Ouest, Jean-Claude Droyer[10]
- 1982: Fontainebleau, Escalades Et Randonnées, Michel Schulman, Marius Cote-Colisson, Jo Montchaussé, Georges Téoulé, Jean-Claude Beauregard, Oleg Sokolsky, Jacky Godoffe, Jean-Claude Droyer
Darsteller in Filmen
- 2021: Vintage Rock Tour (1. Folge)[6]
- 2004: Unconditional Freedom[6]
- 1983: Verdon-Saussois[6]
- 1980: La Porte Des Cieux[6]
Weblinks
- Video: Interview mit Jean-Claude Droyer
- Video: la liberté sans condition
- Video: Interview zu Le Grand Capucin voie Bonatti
Einzelbelege
- ↑ a b Jean Claude Droyer. In: The Movie Database (TMDB). Abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Video: Interview mit Jean Claude Droyer. In: Youtube. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b c Chaussons d’escalade EB, premiers chaussons de l'histoire. In: EB Chaussons d'escalade. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b c d Jean-Claude Droyer. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Escalade du tour de montparnasse. Institut national de l'audiovisuel (ina), abgerufen am 1. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b c d e Jean-Claude Droyer, Michèle Gloden: L’escalade, vers quel avenir? In: La Montagne & Alpinisme. Band 115, Januar 1979 (sherpa-gate.com).
- ↑ Le Grand Capucin voie Bonatti Ghigo. In: Youtube. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b Pierre Délas: Escalade sur les falaises du Saussois en Bourgogne. In: Grimper. 20. Juni 2024, abgerufen am 1. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Christine Gambert, Interview. In: escalade-alsace.com. Oktober 2017, abgerufen am 4. März 2025 (französisch).
- ↑ Jean-Claude Droyer (auteur de Escalade). In: babelio.com. Abgerufen am 2. Dezember 2025 (französisch).