Jacques Godoffe
Jacques Godoffe, bekannt unter dem Namen Jacky Godoffe (* 21. November 1956 in Melun), ist ein französischer Kletterer, Boulderer und Routenbauer. Er ist bekannt für seine Erstbegehungen an den Felsblöcken im Wald von Fontainebleau. Dort gelangen ihm einige der schwierigsten Boulder seiner Zeit (bis 8B). 1995 begann er, Kletterrouten für Kletterwettkämpfe einzurichten und ist Ausbilder für Routenbauer und Boulderer.
Leben
Jacky Godoffe studierte Lehramt und arbeitet zu Beginn seiner Berufslaufbahn als Sportlehrer. 1992, übernimmt er die Stelle des technischen Beraters beim französischen Berg- und Kletterverband FFME (Fédération Française de la Montagne et de l'Escalade). Im Rahmen dieser Tätigkeit führt er Lehrgänge durch, organisiert Kletterwettkämpfe und ist verantwortlich für die Außendarstellung des Verbands. Bis 1999 ist er auch Trainer der französischen Kletter-Nationalmannschaft. Schon vorher übernimmt er bei nationalen und internationalen Kletterwettkämpfen den Routenbau, das heißt, er konzipiert die Kletterrouten, montiert sie an den Kletterwänden und überprüft die angestrebte Schwierigkeit, indem er die Routen selbst klettert. Erst 2020, mit 64 Jahren, beendet er wegen fehlender Beweglichkeit den Routenbau in den höchsten Schwierigkeitsgraden.[1][2][3] In seiner Eigenschaft als Routenbauer hat er an über 200 offiziellen Wettkämpfen mitgewirkt und hat rund 2 Millionen Griffe und Volumen an Kletterwände geschraubt.[4]
Godiffe ist zehn Jahre lang Leiter der Routenbaukommission des IFSC (International Federation of Sport Climbing) und ist Trainer des französischen Kletterteams am Standort Fontainebleau. Schließlich wurde er beim ICC (International Council for Competition Climbing) Leiter der Routenbauer.[1][2][3] Jacques Godoffe ist mit Aurore Godoffe verheiratet und ist Vater von fünf Kinder.[5]
Kletterkarriere
Bevor Jacky Godoffe zum Klettren kam, war er Turner und nahm an internationalen Wettkämpfen teil. Er beginnt etwa 1977 an den Felsblöcken im Wald von Fontainebleau zu klettern, einem der weltweit bekanntesten Bouldergebiete (auch „Bleau“ genannt).[4][6] Er gab kurz darauf das Turnen auf, um sich ganz dem Klettern zu widmen. Obwohl er auch in anderen Klettergebieten und in höheren Wänden klettert, wie beispielsweise der Verdonschlucht oder in den Alpen, bleibt Fontainebleau sein bevorzugtes Kletter- beziehungsweise Bouldergebiet.[6]
Bouldern
Nachdem Godoffe 1984 Reinhold Messners Buch der „7. Grad“ gelesen hatte, war er motiviert, die Schwierigkeit von Boulderproblemen in Fontainebleau zu steigern. Infolgedessen gelingen ihm wegweisende Erstbegehungen, zu denen folgende Routen gehören:[7][5]
- „C'était Demain“, erste 8A, 1984[8],
- „Partenaire particulier“, erste 8B, 1986[9],
- „Le mouvement perpetuel“, 8B, 1989[10] und
- „Fatman“, 8B, 1993[11].
Zuvor eröffnete Godoffe ohne Crashpad drei Highballs im Bereich Cuvier Rempart. Mit Highball werden sehr hohe Boulder bezeichnet, bei denen, im Falle eines Sturzes, mit schweren Verletzungen gerechnet werden muss. Diese im Schwierigkeitsbereich 7C liegenden Highballs sind „Big Boss“ (1983)[12], „Fourmis Rouges“ (1984)[13] und „Tristesse“ (1983)[14]. Die drei galten lange als das Paradebeispiel für moderne Bolderprobleme und gehören heute zu den fontainebleauer „Big Five“.[5][15] Zu nennen ist auch Godoffs Entdeckung des Riesendachs Toit d'Orsay, das in der Nähe der RER-Station Le Guichet liegt. Godoffes Route „Quoi de Neuf (acte 2)“[16] beinhaltet einen 360-Grad-Zug, in dessen Verlauf sich der Kletterer ein mal um die eigen Achse drehen muss. Diese Bewegungskombination ist für Godoffe „das Symbol für einen hybriden Kletterstil zwischen Fels und Kunstharz“.[5]
Wettkampf
Jacky Godoffe kam (erstmals) 1984 mit Kletterwettbewerben in Berührung, als er zu der offenen sowjetischen Meisterschaft eingeladen wurde.[17] Er nimmt ab 1988 selbst an Kletterwettbewerben teil, wobei an dieser Stelle nur eine Auswahl seiner Erfolge präsentiert ist. So wird er 1988 sowohl französischer Meister als auch Weltmeister in der Disziplin Bouldern. In der Disziplin Lead wird er 1990 Weltmeister[18] und zweiter im Gesamtweltcup. 1991 erreicht er in der Disziplin Speed den zweiten Platz bei der UIAA World Championship und er wird 1994 bei den UIAA Masters in Argentière fünfter.[19]
Buchautor
Godoffe ist seit 1988, freiberuflicher Redakteur und Fotograf der französischen Kletterzeitschrift Vertical. Darüber hinaus hat er Kletterführer für das Bouldergebiet Fontainebleau veröffentlicht:
- Jacky Godoffe, Jo Montchausse, Françoise Montchausse, L'escalade à Fontainebleau, les plus beaux blocs et circuits d'escalade, Arthaud, 1999;
- Jacky Godoffe, Jo Montchausse, Françoise Montchausse, Escalade "hors-piste" à Fontainebleau, 6 et +, Arthaud, 2006;
- Jacky Godoffe, Jo Montchaussé, Françoise Montchaussé, Escalade à Fontainebleau: Les plus beaux sites, Arthaud, 2012;
- Jacky Godoffe, My Keys to Route Setting, Jacky Godoffe, 2017;
- Jacky Godoffe, Jo Montchausse, Françoise Montchausse, Escalade à Fontainebleau, Arthaud, 2025.
Weblinks
- Video: Interview mit Jacky Godoffe
- Video: Climbing World Championships 1991 - Jacky Godoffe vs Hans Florine
- Video: Lucia Dörffel klettert „C'était Demain“
- Video: Mejdi Schalck in „Quoi de neuf (acte 2)“
Einzelbelege
- ↑ a b Jacky Godoffe - Encounters Make Dreams Come True. In: jackygodoffe.com. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b ORGANIGRAMME FONCTIONNEL. In: ffme.fr. FFME, abgerufen am 11. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ a b Jacky Godoffe im Interview. In: Vertikale.it. 11. Mai 2022, abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ a b Francesc Prat: Jacky Godoffe: "Mi objetivo es sorprender a los escaladores". In: WOGU Cultura de escalada. 24. Juli 2019, abgerufen am 12. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ a b c d Neal Mann: Jacky Godoffe Interview. In: theprojectmagazine.com. 7. Juni 2017, abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Jacky Godoffe : un roi du bloc. In: Alpirando. Nr. 71, November 1984.
- ↑ Claude Remy, Maurizio Oviglia: The evolution of free climbing. In: planetmountain.com. Dezember 2012, abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ C'Était Demain - 8a - Cuvier Rempart. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Partenaire Particulier - 8a - Éléphant. In: bleau.info. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Le Mouvement Perpétuel - 8b - Bas Cuvier. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Fatman - 8a+ - Cuvier Rempart. In: bleau.info. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Big Boss - 7c - Cuvier Rempart. In: bleau.info. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Fourmis Rouges - 7c - Cuvier Rempart. In: bleau.info. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Tristesse - 7c - Cuvier Rempart. In: bleau.info. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ The Big Five | Climbing History. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Quoi de Neuf (acte 2) - 8b - Toit d'Orsay. In: bleau.info. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Stefan Pointner, Flo Scheimpflug: Milestones. S. 31, abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Klettersport - Weltmeisterschaften:. In: sport-komplett.de. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
- ↑ Jacky GODOFFE. In: Official website of the International Federation of Sport Climbing. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).